Initiative Tierwohl Rindfleisch

ITW muss Fahrt aufnehmen

Die Initiative Tierwohl ist am 1. April auch für Rindfleisch gestartet. Doch in Einkaufsregalen wird im Juni kein Fleisch liegen. Warum?

Landwirte können sich seit Mitte März bei der Initiative Tierwohl (ITW) Rindfleisch anmelden. ITW ist in Haltungsform 2 (Stallhaltung plus) des vierstufigen Labels des Handels einzuordnen.

Rindermäster bekommen im ersten Programmjahr zusätzlich 10,7 Cent/kg Rindfleisch, im zweiten und dritten Jahr 12,83 Cent/kg – allerdings nur für Fleisch, welches wirklich als ITW-Ware im Regal liegt.

Zweiklang zwischen Handel und Schlachtbranche

Ursprünglich sollte im Juni ITW-Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zu finden sein. Das scheint nicht zu klappen. „Aber wir arbeiten uns in kleinen Schritten voran“, erklärt Heribert Qualbrink, Einkaufsleiter bei Westfleisch. Er rechnet damit, dass das Tierwohlprogramm zum Herbst hin Fahrt aufnimmt.

Wichtig ist ihm, dass ein sauberer Zweiklang zwischen LEH und Schlachtbranche entsteht. „Wir sind aktuell dabei, unsere Mäster zu fragen, wer bei ITW mitmachen möchte und wer nicht. Mit dem Ergebnis gehen wir dann auf den Handel zu.“ Das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage muss stimmen, sonst funktioniert das Bonussystem nicht.

Zu Beginn gibt es nicht für alle zertifizierten Bullen ITW-Bonus

Für Qualbrink ist wahrscheinlich, dass zu Beginn nicht alle ITW-zertifizierten Bullen als solche bezahlt und verkauft werden. „Am Ende muss der Verbraucher zahlen“, so der Westfleisch-Mitarbeiter. Sorgen bereitet ihm, dass sich die Begeisterung der Molkereien in Grenzen hält. „Ohne Schlachtkühe in der ITW bekommen wir keine Vollverwertung der Jungbullen hin.“

Für ITW-Schlachtkühe soll es zusätzlich 4 Cent/kg geben. Allerdings ist das Konzept für Milchbauern so angelegt, dass der Anreiz vor allem über QM+ stammt, nicht über die ITW, sagt Ludwig Börger, Geschäftsführer von QM-Milch. Er ist sicher, dass QM+ kommt – allerdings nicht so früh, wie ursprünglich geplant: Denn die derzeitige Marktlage mit Rekordpreisen wie auch -kosten ist außergewöhnlich.

Handel treibt Tierwohlprogramme nicht voran

Gleichzeitig sind Verbraucher momentan noch preisbewusster. „Die Motivation zur zügigen Umsetzung von Tierwohlprogrammen hält sich derzeit in Grenzen“, erklärt Börger. Auffällig sei aber, dass der Handel seine Haltungsformen auch für Milchprodukte stärker bewirbt.

„Die vom Handel ausgelobten höheren Preise für zusätzliches Tierwohl braucht es auch für andere Segmente, nicht nur für Trinkmilch“, sagt Oliver Bartelt vom Deutschen Milchkontor. Daher sei ein Zeitpunkt zum Einstieg in QM+ aktuell nicht absehbar. „Der Ball liegt beim Handel, nicht bei Molkereien oder Bauern."

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