Agrarkarriere

Unterwegs als Anpaarungsberaterin

Es ist wie Tinder für Rinder: Welcher der unzähligen Bullen passt zu dieser einen Kuh? Anja Schlöter ist Anpaarungsberaterin und kennt die Antwort.

Am Donnerstag findet erstmal der Agrar-Karrieretag digital statt. Dort können sich Interessierte von 11 bis 17 Uhr Vorträge zur Karriere in der Branche anhören und sich virtuell mit Unternehmen treffen. Hier geht´s zur kostenlosen Anmeldung.

Sie geht um das schwarzbunte Rind. Dabei gleiten ihre Augen von der Schwanzspitze, über den ­Rücken und Hals bis zum Kopf. Immer wieder sieht sie auf ihr ­Tablet und tippt etwas ein. Dann kniet sie sich hinter die Kuh und beäugt das Euter. Sie hebt den Schwanz an. Ihre Augen ruhen auf dem drüsigen, straff aufgehängten Obereuter. Die kleinen Fältchen auf der Stirn der jungen blonden Frau glätten sich. Sie guckt hoch und lächelt: „Was für ein tolles Tier. So wünsche ich mir eine Kuh.“

Anja Schlöter hat sich auf dem Hof Tigler in Wesel am Niederrhein ein Tier aus dem Laufstall geholt. Ein Rind, was sie besonders in Augenschein nehmen will – aber vor allem will sie uns erklären, worauf sie in ihrem Job als SireMatch beim Rinderzuchtunternehmen CRV achtet.

Erfahrungen gesammelt

Anja Schlöter ist 30 Jahre alt und kommt aus Menden im Sauerland. Ihre Kindheit hat sie auf dem Bio-Milchviehbetrieb von Bekannten verbracht. Sie hatte immer ein besonderes Faible für Rinder.

Nach dem Abitur machte sie für sechs Monate Praktikum bei der Landwirtschaftskammer NRW, auf Haus Düsse, und auf einem anderen Milchviehbetrieb. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Deshalb wollte ich auf ­jeden Fall Landwirtschaft studieren“, erinnert sich die Mende­nerin.

Sie ging nach Soest an die Fachhochschule und machte ­ihren Bachelor in Agrarwirtschaft. „Dann bin ich zurück in die Praxis und habe für sechs Monate als Herdenmanagerin auf einem Milchviehbetrieb gearbeitet.“ Dann fing Anja bei der Rinder-Union West (RUW) an. Dort arbeitete sie als Sachbearbeiterin im Bereich Besamung. „Aber ich habe die praktische Arbeit im Kuhstall schnell vermisst und wollte mich verändern.“ So landete sie beim CRV.

Stallduft ist das A und O

Seit November 2018 ist die studierte Agrarwissenschaftlerin nun SireMatch beim CRV. „Jetzt verbringe ich mehr als zwei Drittel meiner Arbeitszeit im Kuhstall und habe viel Kontakt mit Landwirten“, erklärt sie und lässt ihren Blick zufrieden über den Futtertisch der Familie Tigler schweifen. „Das ist genau das, was mir vorher im Job so sehr ­fehlte.“ Nun arbeitet sie nur noch ein Drittel ihrer ­Arbeitszeit am Schreibtisch – im Homeoffice.

Auf die Frage, ob das nicht manchmal etwas einsam ist, lacht die energische Frau nur, schüttelt den Kopf und antwortet: ­„Einsam? Nein, ich betreue rund 200 Milchviehbetriebe. Jeden davon besuche ich mindestens zwei Mal im Jahr. Das bedeutet, jeden Tag auf vier bis fünf verschiedenen Betrieben zu sein.“ Sie genießt es, ihre Woche eigenständig zu planen.

Die Struktur der Kuh­betriebe, die Anja betreut, ist ganz unterschiedlich: Manche halten nur 40, ­andere 600 Kühe. Sie ist ­SireMatch im ganzen ­Norden und zuständig für Rheinland-Pfalz, Schleswig-­Holstein, NRW und Niedersachsen.

Anja Schlöter liebt es im Kuhstall zu sein und kann sich keinen reinen Bürojob vorstellen. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck )

SireMatch – was ist das?

Was macht die 30-Jährige nun eigentlich in den Kuhställen? Sie sucht als Anpaarungsberaterin die passenden Bullen zu den Kühen der Landwirte aus. In der Rinderzucht gibt es immer neue Vererber und unzählige Zuchtwerte. Da ist es für Landwirte schwierig, den Überblick zu behalten. Denn, wer ­einen guten Job machen will, braucht für die richtige Anpaarung Zeit. Anja übernimmt diese Aufgabe.

Der Landwirt sagt ihr, welche Zuchtziele für ihn ­besonders wichtig sind und mit welchen Bullen er züchten möchte. Die Sauerländerin überprüft dann, welcher Bulle zu welcher Kuh im Stall passt.

„Dafür gehe ich durch den Stall und gucke mir jedes Tier ganz genau an: Wie sitzt das Euter? Wie sind die Striche platziert? Wie ist die Körper­tiefe des Tieres? Wie steht das Rind auf den Beinen? Sind die Klauen gesund?“ Die junge Frau geht dabei einen Bewertungskatalog auf ihrem Tablet durch und stuft die ­Tiere ein. Bei den Rindern ist sie besonders genau,

da hier die erste Anpaarung stattfindet. Die Tierdaten hat sie über die HIT-Datenbank und Milchleistungsprüfung in ihrer SireMatch-App und kann für jedes Tier einen Bewertungsbogen ausstellen. „Die Kuh ­bekommt pro Merkmal die Note eins bis neun. Wir wünschen uns Tiere im mittleren Bereich der Noten­skala“, beschreibt Anja. Das Programm gibt dann die passende Anpaarungsempfehlung. Die Frage, ob Anja ihr Job Spaß macht, scheint ­überflüssig mit Blick in ihr strahlendes Gesicht.

Hier geht´s zum kostenlosen E-Paper des Agrar-Karriereheftes.

Weitere Beiträge zur Agrarkarriere:

Agrarkarriere

Karriere beim Maschinenring

vor von Patrick Otte

Hendrik Uhlenbrock ist Prokurist beim Maschinenring Steinfurt-Bentheim und in Teilzeit Geschäfts­führer einer Biogasanlage. Was ihn bis heute prägt, ist seine Zeit als Betriebshelfer.

Agrarkarriere

Schritt für Schritt zum Onlineprofil

vor von Ilka Arensmeier, karrero

Viele sind auf Facebook, Instagram und anderen sozialen Medien unterwegs. Es lohnt sich aber auch ein Jobprofil auf Onlineplattformen.

Agrarkarriere

Gehalt zum Einstieg

vor von Isabel Purnhagen, Dr. Schwerdtfeger Personalberatung

Das erste Gehalt ist meist Neuland. Wer die Verhandlung als Chance sieht und vorbereitet ist, kann sich über ein gutes Ergebnis freuen.


Mehr zu dem Thema


Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen