Wolf in Niedersachsen

Der wahre Schaden ist viel größer

Zwar bekommen Landwirte nach einem Wolfsriss eine Entschädigung. Doch der wahre Schaden ist viel größer, sagt ein Landwirt aus dem Kreis Cuxhaven. Ein anderer hat vieles gegen den Wolf unternommen.

Nur knapp 40 m von der Straße entfernt hatten Wölfe ein 1 1/2-jährige Rind gerissen. „Die Wölfe müssen auch über unsere Hofstelle gelaufen sein – den großen Pfotenabdrücken nach zu urteilen“, erinnert sich Martin Filter, Landwirt aus Wanna, an die Weidesaison 2017. Acht Wochen später rissen die Wölfe das zweite Rind. Insgesamt gingen damals im Umkreis von fünf Kilometern zehn Risse bei vier Landwirten auf das Konto des Cuxlandrudels.

Insgesamt gingen im Jahr 2017 im Umkreis von 5 km zehn Risse bei vier Landwirten auf das Konto des Cuxlandrudels. (Bildquelle: privat )

Negativmodell bei der Rückkehr der Wölfe

Die „Dunkelziffer“ liegt vermutlich höher. Dieses Rudel war in den Medien das Negativmodell bei der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland. Das Spektakel und der Medienrummel waren riesig. Passiert ist nichts. „Die Politiker machen keine Versprechen. Die Frage ist, warum der Wolf jagdrechtlich nicht wie ein wildernder Hund gestellt ist“, wirft Klaus Lange, Lohnunternehmer, ein. Zwar bekamen die Landwirte eine Entschädigung für die toten Tiere.

Doch der wahre Schaden ist viel größer. Ein Wolfsriss ist nicht nur ein schrecklicher Anblick. Er kostet vor allem Zeit: Kadaver bergen und säubern, kaputte Zäune reparieren und die Büroarbeit für die behördliche Meldung des Risses vornehmen. „Das Schlimmste aber ist“, sagt Filter, „dass die gesamte Herde nach der Wolfsattacke total nervös ist. Das wieder in Griff zu bekommen, dauert, und wird nicht entschädigt.“

Weidehaltung ist alternativlos

Seitdem ist Ruhe am Rande des Ahlenfalkenberger Moores. Doch darauf verlassen sich die Landwirte nicht. Sie zogen längst die Konsequenz und nahm 20 ha aus der Beweidung. Für den Milchviehbetrieb von Vater und Sohn ist das keine leichte Entscheidung. „Bei unserer Flächenstruktur und den moorigen Böden und Gräben ist die Weidehaltung alternativlos“, betont Filter, „wir können keine festen Zäune aufstellen, weil die Gräben jährlich ausgeräumt werden. Für wolfabweisende mobile Zaunsysteme rechnet sich erstens der Zeitaufwand bei den heutigen Milch- und Fleischpreisen nicht und zweitens ist die Wirkung fraglich.“

Wolf mit Duftsäulen vergrämen

Der Nachbar, Horst Fick, schützt seine Schafherde mit wolfabweisenden Zäunen. Trotzdem schlug das Cuxlandrudel zu. Er probierte auch andere Schutzmaßnahmen aus: höhere Zäune (1,45 m), Schutzhütten in Kombination mit Metall- und E-Zäunen und Duftsäulen, die Gerüche von Brand­ruinen verströmen und Wölfe vergrämen. Aber wer bezahlt das? Auf die Resonanz des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wartet er heute noch. Für den Bioschafhalter ist die Antwort auf die Frage mit dem Wolf klar: Tierhalter und Naturschützer müssen Kompromisse eingehen und Problemwölfe müssen geschossen werden. „Davon stirbt die Population nicht.“

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