Management der Pferdeweide

So giftig ist das Jakobskreuzkraut für Pferde

Gelb, kontrovers und giftig: Diese Punkte sollten Pferdehalter zum Jakobskreuzkraut kennen.

Das Jakobskreuzkraut (Foto) ist leicht zu verwechseln mit Rainfarn, Johanniskraut oder Wiesen-Pippau. Es ist etwa 1,20 m groß und hat tiefe Pfahlwurzeln. Die Doldentraube besteht aus 15 bis 20 gelben Blütenköpfen mit jeweils 13 Zungenblüten (Blütenblätter). (Bildquelle: Klingenhagen )

Auf extensiv genutzten Weiden, Brachflächen, an Wegrändern und Böschungen blüht jetzt leuchtend gelb das Jakobskreuzkraut. Während Umweltverbände ihm einen Beitrag zur biologischen Vielfalt zuschreiben, ist unbestritten, dass es für Weidetiere giftig ist. Pferde sind besonders gefährdet.

In der Broschüre „Jakobskreuzkraut – eine Giftpflanze auf dem Vormarsch“, von der Landwirtschaftskammer NRW und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, wird erklärt, wann das Risiko für Pferde hoch ist, und was Pferdehalter tun können, um das Kreuzkrautraut einzudämmen.

Stoffe, Symptome, Dosis

Giftpflanze: Die jüngsten Pflanzen und die gelben Blüten sind am giftigsten. Die Giftigkeit beruht auf Pflanzeninhaltsstoffe, die nach dem Fressen im Körper zu Schadstoffen verstoffwechselt werden und zu Leberschäden führen. Das Problem ist, dass der Körper diese Stoffe – sogeannten Pyrrolizidin-Alkaloide – nicht ausscheidet, sondern sie sich vor allem der Leber ansammeln. Sogar die wiederholte Aufnahme kleiner Mengen führt zu einer Vergiftung, die tödlich verlaufen kann. Bisher ist keine Therapie bekannt. Eine Vergiftung mit Jakobskreuzkraut kann innerhalb weniger Tage zum hepatischen Koma und zum Tode führen.

Typische Symptome: Gewichtsverlust, reduzierte Futteraufnahme, wässriger oder blutiger Durchfall, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Bewusstseinstrübung, stumpfer Gesichtsausdruck, bei Pferden häufiges Gähnen durch zentralvenöse Schäden aufgrund eingeschränkter Leberfunktion, unkontrollierte Bewegung, zielloses Wandern (walking desease), Lethargie oder plötzliche Aufregungszustände, kolikartige Beschwerden.

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Jakobskreuzkraut: Tödliche Dosis für Pferde

  • Pferd: Für Pferde liegt die tödliche Dosis bei 40 bis 80 g Frischgewicht pro kg Körpergewicht (KGW). Das entspricht 4 bis 8 % der Lebendmasse. Ein Pferd mit 600 kg Lebendgewicht müsste 24 bis 48 kg Jakobskreuzkraut fressen, um die tödliche Aufnahmemenge zu erreichen.
  • Rind: Bei Rindern beträgt die tödliche Dosis 14 % der Lebendmasse bzw. 140 g Frischgewicht pro kg KGW. Eine 700 kg Kuh schwere Kuh müsste 98 kg Jakobskreuzkrautpflanzen fressen.
  • Kleine Wiederkäuer: Bei Schafen und Ziegen sind es 25 bzw. bis zu 60 Triebe pro kg KGW. (Aufnahme: 100 kg).

Ein ausgewachsener frischer Trieb wiegt im Mittel etwa 70 g.

Das Jakobskreuzkraut (Foto) ist leicht zu verwechseln mit Rainfarn, Johanniskraut oder Wiesen-Pippau. Es ist etwa 1,20 m groß und hat tiefe Pfahlwurzeln. Die Doldentraube besteht aus 15 bis 20 gelben Blütenköpfen mit jeweils 13 Zungenblüten (Blütenblätter). (Bildquelle: Klingenhagen )

Jakobskreuzkraut im Futter

Hohes Risiko für Pferde: Die Zeit vor der Blüte ist für Weidetiere gefährlich, weil die jungen, giftstoffreichen Blätter gern gefressen werden. Normalerweise verhindern Bitterstoffe in frischen Pflanzen den Verbiss. Doch in jungen Pflanzen ist der natürliche Verbissschutz noch nicht voll ausgebildet; Bitterstoffe bilden sich erst im Laufe des Jahres.

Geringes Risiko der Aufnahme: Jetzt zur Zeit der Blüte ist der Gehalt an Bitterstoffen relativ hoch und die Gefahr der Aufnahme gering, aber nicht ausgeschlossen. Insbesondere bei Überweidung, wenn die Tiere nur wenig Futter vorfinden, kann es sein, dass sie die Pflanzen fressen. Junge, unerfahrene Tiere und ältere Tiere ohne Weideerfahrung haben ein besonderes Risiko.

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Jakobskreuzkraut gezielt bekämpfen

Ein Ertragsanteil von 0,05 % oder ein Trieb je 100 m² ist gilt als äußerste Grenze der Verunkrautung. Damit sich zwei- bzw. mehrjährige Pflanzen nicht weiter ausbreiten, dürfen sie nicht auf der Fläche verbleiben.

Maßnahmen zur Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes sind:

  • Grünland und Weideflächen bei Blühbeginn mähen; mindestens zweimal nachmähen; Nachmahd im Herbst. Das verhindert die Samenbildung; bei Bedarf, Fläche abschleppen und nachsäen.
  • In Blüte stehende Einzelpflanzen können chemisch bekämpft werden. Infrage kommen das Dochtstreichgerät und 33-% Glyphosatmischung oder bei nesterweisem Auftreten Rückenspritze mit 1-% Simplexlösung. Bei flächigem Auftreten eignen sich 2 l pro ha Simplex im Rosettenstadium bis zum Schieben des Blütenstängels. Wer Simplex anwendet, muss dabei strenge Auflagen und lange Wartezeiten des Mittels beachten. Unter anderem ist eine Schnittnutzung (Frischverfütterung, Silage, Heu) im selben Jahr der Anwendung nicht zulässig.
  • Angepasstes Düngen fördert die Konkurrenzkraft der Untergräser. Achtung: auf pH-Wert und Versorgungsstufe des Bodens achten.
  • Eine angepasste Besatzdichte verhindert Trittschäden (Faustformel: maximal drei Pferde je ha).
  • Einzelne Pflanzen lassen sich mitsamt der Wurzel ausstechen. Achtung: Die Pflanze hat stark ausgeprägte Pfahlwurzeln.
  • Die Pflanzenreste gehören nicht auf den Futtertisch. Sie sollten in Biogasanlagen entsorgt werden. Bleibt das Mulchmaterial auf der Fläche, dürfen Tiere dort erst grasen, wenn sich die Pflanzen vollständig zersetzt haben, damit es nicht gefressen werden kann.

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