Pferd & Pferdesport

Einmaleins der Pferdeweide

Verbiss, Trittschäden, Unkräuter, Geilstellen: Pferdeweiden haben einiges auszuhalten. Mit diesen Tipps bringen Pferdehalter die Flächen in Schuss.

Bevor die Weidesaison beginnt, ist auf dem Grünland viel zu tun. Worauf es bei Pferdeweiden ankommt, erklären Matthias Sumpmann, Berater Deutsche Saatveredelung AG und Pferdehalter aus Extertal (Kreis Lippe), und Georg Fink, Sachverständiger für Reitanlagen und Stallbau in der Pferdehaltung, aus Aufkirchen (Bayern).

Bestandsdichte und Fläche

„Weidehaltung von Pferden ist aufwendig, kosten -und flächenintensiv“, sagt Georg Fink, „Pferdehaltung ohne Weidegang ist zwar zulässig, aber es ist verantwortungslos und schadet den Pferden.“ Wie viel Weidefläche ein Betrieb benötigt, hängt von der Produktivität der Einzelfläche, der Jahreszeit und der Witterung ab.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind drei Pferde im Durchschnitt pro ha zu rechnen.

Überweidung und Wechselweiden

Mehr Pferde pro Hektar zu halten, ist aus Expertensicht kritisch.

  • Erstens wird dem Bewegungsdrang der Pferde nicht genügend Rechnung getragen.
  • Zweitens schadet die intensive Beweidung dem Grünland. „Pferde belasten den Boden durch ihr Laufverhalten stark und verbeißen das Gras sehr tief. Das schadet den Gräsern, die wir in der Weide haben wollen“, erklärt Sumpmann. Die Folge sind Fehlstellen durch Tritt- und Verbissschäden, in denen sich Unkräuter breit machen. Der einfachste Schutz vor Überweidung ist, den Pferdebestand an die vorhandene Fläche anzupassen und mit Wechselweiden zu arbeiten.

Erwünschte und unerwünschte Gräser

Unerwünschte Arten sind z.B.: Löwenzahn, Hirtentäschelkraut, Vogelmiere, Brennnessel, Distel, Ampfer, Wegerich, Rispe, Binsen und Jakobskreuzkraut (giftig).

Die erwünschte Hauptgrasart im Grünland ist ,Deutsch (Dt.) Weidelgras’. Als Energielieferant und für den Futterbau ist es in der Milchviehhaltung von Bedeutung. Auch in der Pferdehaltung ist Dt. Weidelgras wichtig, weil es eine dichte Grasnarbe bildet. Besonders ,Dt. Weidelgras Rasentyp’ ist trittfest und belastbar. Allerdings sollte es nicht die einzige Grasart sein. „Pferdeweiden sind keine Rinderweiden“, so Fink. Bei Pferden geht es nicht um energiereiche Monokulturen, sondern um die energiearme Vielfalt.

Nachsaat im Frühjahr und Spätsommer

Lücken und Fehlstellen in der Grasnarbe durch Tritt- und Fahrschäden, Maulwürfe, Mäuse etc. sollten im Frühjahr durch die Nachsaat mit einer Dt. Weidelgras betonten Mischung geschlossen werden. Im Spätsommer/Herbst sollten breiter aufgestellte Mischungen mit extensiven, fruktanarmen Arten wie Wiesenschwingel, -lieschgras, -rispe, Knaulgras und Kräutern nachgesät werden.

Fruktan in der Weide - ein Problem?

Bei Pferden, die zu wenig bewegt werden oder ohnehin gut im Futter sind, können Fruktane zu Fettleibigkeit oder Hufrehen führen. Fruktane sind Zuckermoleküle, die das Gras speichert. Kurz abgefressene Gräser enthalten viel Fruktan. Pferde wiederum bevorzugen kurz gefressene Gräser. Allerdings variiert der Fruktangehalt im Laufe der Weidesaison. Im Frühjahr und im Herbst, wenn es tagsüber warm und nachts noch oder schon zu kalt für das Pflanzenwachstum ist, sind die Werte hoch, im Sommer niedrig.

Langsam Anweiden im Mai

Um das Risiko von Hufrehen und Koliken wegen Fruktanen bzw. Futterumstellung zu vermeiden, sollten Pferde, die über Winter im Stall oder auf dem Paddock standen, langsam angeweidet werden. Der ideale Zeitpunkt ist Anfang/Mitte Mai. Tag für Tag wird der Weidegang um zehn Minuten verlängert, bis die Pferde nach etwa 14 Tagen stundenweise und nach vier/fünf Wochen ggf. den ganzen Tag und die Nacht draußen bleiben. Während der Umstellung benötigen die Pferde genügend Raufutter (Heu).

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Tipps zum Anweiden

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Bevor es rausgeht, gilt es Pferde behutsam anzuweiden. Denn sonst drohen gesundheitliche Probleme wie Koliken oder Hufrehe.

Abäppeln und Geilstellen

Die Weide sollte regelmäßig abgeäppelt werden, um Wurmbefall durch im Pferdekot enthaltene Eier und Larven vorzubeugen. Geilstellen („Klostellen“) sollten entfernt werden. Dies sind Stellen auf der Weide mit einem enormen Nährstoffdepot, weil Pferde hier koten. Und hier fressen sie nicht. Geilstellen begünstigen unerwünschte Pflanzen wie Brennnesseln; die Stellen mähen und das Mähgut abfahren.

Gezielte Düngung

Gras benötigt fürs Wachstum vor allem Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Stickstoffdünger ist für das Massenwachstum erforderlich. Ob, wie viel und was gedüngt werden soll, zeigt eine Bodenprobe, die bei Analyseinstituten wie der Lufa einzureichen sind.

  • Die Bodenprobe ist alle sechs Jahre vorgeschrieben. Untersucht werden Grundnährstoffe wie Kali, Phosphor, Magnesium und Kalk (pH-Wert). Hierfür weisen die Institute die entsprechende Düngeempfehlungen für Pferdeweiden aus.
  • Die Stickstoffmessung ist nicht vorgeschrieben. Der N-Gehalt des Bodens kann zusätzlich in einer NMin-Probe bestimmt werden.
  • Nach dem Düngen dürfen Pferde 14 Tage nicht auf die Weide. Das gilt auch fürs Kalken. Kalk verbessert den pH-Wert des Bodens, Kalkung im Herbst vornehmen; Düngung mit Jauche, Gülle und Mist im Frühjahr und im Herbst (Sperrfristen beachten).

Unkräuter bekämpfen

Einzelne Pflanzen wie Ampfer lassen sich von Hand ausstechen oder punktuell mit Herbiziden bekämpfen. Massiver Unkrautbefall spricht für Beweidungsfehler – zu intensive oder auch zu geringe Beweidung. Die gezielte Herbizidbehandlung kann helfen.

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