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Röring: „Wir kämpfen für dieselben Ziele“

WLV-Präsident Johannes Röring spricht im Wochenblatt-Interview zu den verschiedenen Demonstrationen der Bauern in Bonn.

Ebenso wie bei der Kundgebung im Frühjahr in Münster hat Johannes Röring auch in Bonn das Wort an die Landwirte gerichtet.

Wochenblatt: Für Montag hatten die Landwirtschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu Demonstration und Kundgebung nach Bonn eingeladen. Wie ist Ihre Bewertung der Veranstaltung? Sind die Argumente der Bauern zur Spitze des Ministeriums durchgedrungen?

Johannes Röring: Mit zahlreichen Schleppern auf den Straßen Bonns und etwa 1000 Bäuerinnen und Bauern haben wir Gehör in den Medien gefunden. Nach der Kundgebung konnten wir mit Staatssekretär Hermann Onko Aeikens erneut insbesondere die Inhalte des Agrarpaketes diskutieren.

Wichtig war es uns, den Vertretern des Ministeriums deutlich zu machen, warum so viele Landwirtsfamilien frustriert und enttäuscht über die Politik sind und darüber, dass sie pauschal als Verursacher von Tierleid, Umweltfrevel und Klimavergiftung abgestempelt werden.

Fast zeitgleich mit dem Aufruf der Landesbauernverbände zur Kundgebung hat eine Gruppe von Landwirten unter dem Stichwort „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch!“ ebenfalls nach Bonn eingeladen, aber für den 22. Oktober, also Dienstag kommender Woche. Hat zwischen den beiden Gruppen keine Absprache stattgefunden?

Die Veranstaltung am Montag war vom Rheinischen Landwirtschaftsverband schon länger geplant und ist in keiner Weise als Gegenveranstaltung gedacht gewesen. Im Gegenteil, beide Veranstaltungen verfolgen das gleiche Ziel: Politik und Gesellschaft aufmerksam machen. Die Landwirte und Landwirtinnen sind es leid, fast immer nur negativ in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Ihr Einsatz und ihre Veränderungsbereitschaft für mehr Umwelt- und Tierschutz, für Biodiversität, aber auch für Klimaschutz werden nicht ansatzweise gewürdigt oder kommen viel zu kurz. Das verbindet beide Aktionen, auch ohne Absprache.

Die Form des Protests scheint recht unterschiedlich gewählt: Eine letztlich doch überschaubare Zahl von Demonstranten bei Ihrer Veranstaltung, das Streben nach besonders großer Beteiligung von Menschen und Schleppern bei der anderen. Kämpfen beide Gruppen für dieselben Anliegen oder gibt es Interessenkonflikte?

Die Zielsetzungen sind die gleichen. Ich habe großes Verständnis für die Demonstration am kommenden Dienstag, Gleiches galt für die Schlepperdemo in den Niederlanden. Die Initiatoren der „Land schafft Verbindung“ haben ausdrücklich eine Unterstützung durch Verbände vermieden. So wird der Protest an der Basis besonders deutlich. Auf Kreis- und Ortsverbandsebene helfen wir dort, wo unsere Unterstützung gefragt ist. Hier und da geschieht dies bereits.

Wie beurteilen Sie die Wirkung der „Doppelveranstaltung“ in der Öffentlichkeit und den Medien? Verstärkt sich der Effekt der ersten durch die zweite – oder entsteht dadurch das Bild eines zerrissenen Berufsstandes, der sich nicht einmal auf einen Demo-Termin und eine einheitliche Kundgebung verständigen kann?

Beide Veranstaltungen verfolgen die gleichen Ziele: Kooperation statt Ordnungsrecht im Natur- und Wasserschutz, eine sachgerechte Bewertung von Herbiziden und Insektiziden und eine Kurs­korrektur bei Mercosur. Ich sehe keine Unterschiede, was die Bewertung unserer politischen Forderungen angeht und sehe eine große Einigkeit zwischen den Landwirten, auf welchen Veranstaltungen sie auch immer vorgetragen werden.

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