Kommentar

Ist der Wald nur Wahlkampfmittel?

Pünktlich vor der NRW-Landtagswahl lockte es die Politikprominenz in den Wald. Doch die medienwirksamen Stippvisiten verfehlen ihre Wirkung bei den Waldbauern.

Pünktlich vor der NRW-Landtagswahl ­lockte es die Politikprominenz in den Wald – so zumindest Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und die Spitzenkandidatin der Grünen, Mona Neubaur. Doch die medienwirksamen Stippvisiten verfehlen ihre Wirkung.

Von der Politik allein gelassen

Bei Waldbesitzern erzeugen diese Termine schon lange keine Aufbruchstimmung mehr. Von der Politik fühlen sich die Waldbauern im Land schlichtweg allein gelassen. Bereits ­Armin Laschet twitterte als Ministerpräsident: „Wer Wald aufforstet, leistet einen Beitrag zur CO2-Reduktion“ und kündigte 100 Mio. € für den nordrhein-westfälischen Wald an – verteilt auf zehn Jahre. Auch die aktuell regierenden Politiker nicht müde zu betonen, dass derzeit so viele Fördermittel in den Wald fließen wie noch nie. Dabei blenden sie komplett aus, dass die rund 150.000 privaten Waldbesitzer auch seit Jahren eine nie dagewesene Krise bewältigen müssen. Von Lösungen ganz zu schweigen – wie die Diskussion der agrarpolitischen Sprecher beim Waldbauerntag in Werl vor wenigen Wochen einmal mehr verdeutlichte.

Egal, welche Partei am kommenden Sonntag das Rennen macht und künftig die Forstpolitik in NRW gestaltet: Es gibt viel zu tun.

Wald als Standort der Windenergie

Beim Ausbau der Windkraft im Wald und einer alternativen Einnahmemöglichkeit für die geschädigten Waldbesitzer haben derzeit nur die Grünen ein glasklares Bekenntnis, indem sie sich deutlich für den Wald als Windenergiestandort aussprechen. Bei ihrem Konzept der Wiederbewaldung bekommen sie von den Waldbesitzern allerdings sehr viel weniger Zuspruch. Die Devise Laubholz „first“ passt nicht in die Waldbaustrategie aller Forstbetriebe. Und auch der Bedarf am Rohstoff Holz lässt sich so nicht decken.

Überhaupt schaut der Waldbauer bei dieser ­Thematik genauer hin. Denn trotz wachsender Kalamitätsflächen sinkt die Fördersumme stetig. Zudem hat sich das forstliche Fördersystem entgegen aller Kritik während der schwarz-gelben Landesregierung nicht zum Besseren gewandt. Das gilt für die Förderung „Extremwetterfolgen“ und die Direkte Förderung gleicherweise. Und welche Position die SPD beim Thema Wald einnimmt, bleibt rätselhaft.

"Eigentum verpflichtet"

Sicherlich gilt der Satz aus dem Grundgesetz – „Eigentum verpflichtet“ – noch immer. Und es gilt auch, dass Fördermittel nur Anreize schaffen sollen. Wer allerdings permanent die Gemeinwohlleistungen hervorhebt, die der Wald für die Gesamtbevölkerung erbringt – und das kostenlos! –, muss einfach mehr liefern. Das gilt für alle künftigen Fraktionen.

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