Mach langsam, wir haben keine Zeit!

Schweine treiben mit Verstand

Wie Landwirte im täglichen Umgang mit Schweinen Stress reduzieren und Respekt aufbauen, zeigte Verhaltensforscher Ronald Rongen vergangene Woche auf Haus Düsse. Wir haben die Tipps ausprobiert.

Eben schnell ein paar Tiere aufladen – unter Druck funktioniert das selten gut. Ein Seminar des Netzwerks Fokus Tierwohl mit dem niederländisch-belgischen Verhaltensforscher Ronald Rongen sollte Landwirten helfen, Schweinesignale zu deuten. Dahinter steht sein Konzept "Low Stress Stockmanship" für verschiedene Tierarten. Unser Fazit: Jeder Stall ist anders und nicht jeder Trick funktioniert sofort, denn Schweine haben ihren eigenen Kopf. Doch wer sich die folgenden Tipps ab und zu in Erinnerung ruft, wird merken: Mit Ruhe geht es doch oft schneller.

Zurücktreten, bitte!

Haben die Tiere sich erschrocken und in eine Ecke gedrängt, hilft nur Abstand. Einfach einen Schritt zur Seite gehen, um den Druck abzubauen. Nach ein paar Sekunden siegt die Neugierde der Schweine schon wieder über die Angst. Versucht der Landwirt stattdessen sofort, die Tiere auseinanderzutreiben, verstärkt er das Zusammenrotten nur.

Schweine halten Sicherheitsabstand

Betritt man die Bucht, bilden sie meist schnell einen Kreis um den „Eindringling“. Bleibt man dann ruhig, aber stetig in Bewegung, laufen sie mit dem gleichen Abstand von einem weg – von Natur aus übrigens meist linksherum. Übt man das etwa einmal pro Woche beim Kontrollgang, lassen sich Schlachtschweine beim Verkauf besser treiben.

Wichtig: Die Tiere nicht verhätscheln. Dann fehlen der nötige Respekt und der natürliche Sicherheitsabstand.

Profitipp für die Stallbeleuchtung

Schlechte LEDs können flimmern – zumindest aus Schweinesicht. Das nehmen Menschen mit bloßem Auge nicht unbedingt wahr. Die Tiere aber stresst es enorm. Ein kurzes Handyvideo hilft. Flackern darauf die Lampen, gehören sie ausgetauscht. Der Trick funktioniert übrigens auch in der Ausstellung im Elektrogeschäft – vor dem Kauf.

Richtig herum halten

Schweine interessieren sich für alle Löcher und Unebenheiten – auch am Treibbrett. Deshalb gehört bei der Kunststoffvariante nicht etwa die geriffelte Seite nach vorn, sondern die glatte. Auf Augenhöhe der Tiere wirkt sie dann wie eine Wand.

Eine Frage der Perspektive

Freie Bahn zur Tür – oder? Für den Menschen schon, für das Schwein nicht. Erstens weiß es nicht, warum es dorthin laufen soll. Zweitens wirkt dieser Gang aus einem halben Meter Höhe wie ein Hindernis­parcours.

Die achtlos an die Seite geschobene Waage, die herunterhängende Kette und ungenutzte Treibhilfen haben hier nichts zu suchen, wenn es ans Verladen oder Umstallen geht. Theoretisch weiß man das, praktisch bleibt es oft dabei.

Nett gemeint, aber wenig sinnvoll

Wer von der Seite beim Treiben „hilft“, blockiert damit die nachfolgenden Schweine. Wenn möglich, sollte sich nur eine Person bewegen.

Arbeitet man zu zweit, sollten zumindest die Aufgaben klar verteilt sein, um das Stresslevel für Mensch und Tier gering zu halten.

Gruppendynamik

Schweine wollen dahin, wo andere Schweine sind. Wenn die vorderen Tiere laufen, lockt das die hinteren an und sie schieben die vorderen weiter. Beim Treiben im Gang also nicht zu viel Druck aufbauen!

Wer im toten Winkel direkt hinter dem Schweinehintern steht, irritiert das Tier nur unnötig. Als Gruppengröße eignen sich bei Schlacht­schweinen 4 bis 6 Tiere, bei Ferkeln auch deutlich mehr – je nach Stall und Laufverhalten.

Signalfarbe aus der Natur

Schweine können nicht besonders gut sehen – die Farbe Rot erst recht nicht. Aber auf gelbe Gegenstände wie diesen Schlauch reagieren sie empfindlich.

Instinktiv bedeuten sie Gefahr. Also weg damit! Oder aber man macht sie sich zunutze, zum Beispiel in Form eines leuchtend gelben Treibbretts oder Paddels.

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