Ein Blick in den Norden

Herdenmanagement für 730 Holstein-Kühe

Nordwestlich von Hamburg hält Kim Saß-Hauschildt 730 Kühe. Für seine „Westerkamp Holsteins“ setzt er auf Teamarbeit und digitales Futtermanagement. So kommen pro Jahr knapp 9 Mio. l Milch zusammen.

Angefangen hat Kim Saß-Hauschildt 2009 mit 180 Kühen. Schritt für Schritt erweiterte er den elterlichen Betrieb in Hemdingen, Kreis Pinneberg, auf 730 Kühe und eine 400-kW-Biogasanlage. Im Ackerbau dominiert entsprechend der Silomais. Das Futter ist seit 2017 gentechnikfrei. „Dafür brauchen wir Rapsschrot in rauen Mengen“, lacht der Landwirt.

Eindrücke vom Betrieb

Zwölfmal täglich läuft der Futtermischwagen – je zweimal alleine für frischmelkende und hochleistende Kühe. Dafür kommen bei drei Melkzeiten im Schnitt 40 kg Milch pro Kuh zusammen. Umso wichtiger, dass die Rationen ausgewogen sind: „Stress ist für Kühe der größte Leistungskiller. Das gilt auch fürs Futter“, erklärt Saß-Hauschildt. Damit keine Fehler passieren, erleichtert digitale Technik die Arbeit:

  • Futterproben lässt der Kuhhalter regelmäßig untersuchen. Die Rationen berechnet am Computer.
  • Eine Smartphone-App liefert seinen Mitarbeitern tagesaktuelle Mischanweisungen.
  • Dank Login-Funktion ist immer klar, wer wann gefüttert hat.

In Mitarbeiter und Technik investieren

„Die Technik muss allerdings einfach aufgebaut sein, damit jeder sie auf Anhieb versteht“, macht der Milchviehhalter deutlich. Immerhin koordiniert er jeden Tag zwölf Vollzeit-Arbeitskräfte. Für Mitarbeiter aus dem Ausland erstellt er sogar Trainingsvideos zu gängigen Arbeiten. Auch sein Tierarzt unterstützt ihn bei Mitarbeiterschulungen. Für den Betriebsleiter lohnt sich der Aufwand: „Ich habe schon immer gerne im Team gearbeitet. So können wir viele Aufgaben selbst erledigen und die Tiere besser im Blick behalten.“

Abkalbe-Management

Im Verhältnis zur Betriebsgröße wirkt der Abkalbebereich mit 48 m² winzig. Im Stroh finden maximal vier Kühe Platz. Aber auch hier investierte Saß-­Hauschildt noch 2019: „Den Strohbereich haben wir bewusst klein gehalten, um Mehrarbeit und Schmuddelecken zu vermeiden.“ Alle halbe Stunde geht ein Mitarbeiter durch die Herde und bringt hochtragende Kühe „just in time“ in den Abkalbestall.

Bunte Viehmarker trotzdem hier aller Digitalisierung. Zwei grüne Striche auf einer Kuh bedeuten „fieberfrei“. Das erkennt jeder Mitarbeiter auf den ersten Blick – auch ohne Scanner oder App.

Westerkamp Holsteins

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