Rindermast

Kreuzungskalb mit Zukunft

Für eine nachhaltige Kälbererzeugung muss die Wertschöpfungskette als Ganzes betrachtet werden: Vom Milchviehhalter über den Mäster bis zum Vermarkter. Kreuzungskälber könnten Teil der Lösung sein.

Gesunde und leistungsstarke Kälber sind Basis für die Fleischproduktion mit Jungbullen, Färsen oder Kälbern. Deshalb ist es wichtig, die Wertschöpfungskette als Gesamtkomplex anzusehen: Milchviehhalter brauchen einen vernünftigen Erlös für ihr Bullenkalb. Dafür muss das Kalb die Qualität haben, die sich der Mäster wünscht. Denn dieser will mit dem Masttier Fleisch produzieren, welches der Vermarkter am Markt platzieren kann.

Das könnte mit Kreuzungskälbern gelingen, erklärte Heribert Qualbrink. Der Einkaufsleiter für Landwirtschaft bei Westfleisch lud vergangene Woche Mittwoch Vertreter der Landwirtschaftsverbände NRW und Rheinland, dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) und der Landwirtschaftskammer NRW zum Austausch über nachhaltige Kälbererzeugung in NRW ein. Die Veranstaltung fand beim WLV in Münster statt.

Tiere für heimische Mast

Momentan sieht der Kreislauf der Kälbererzeugung laut Qualbrink so aus: Fleckviehkälber aus Süddeutschland kommen zur Mast nach Niedersachsen und NRW. Die schwarzbunten Kälber aus den hiesigen Bundesländern gehen teilweise zur Kälbermast in die Niederlande. Fakt sei jedoch, dass durch den Strukturwandel künftig weniger Fleckviehkälber aus Bayern in die Region kommen und die Landwirte in den Niederlanden mit hohen Nitrat-Auflagen kämpfen.

Mäster suchen frohwüchsige und fleischige Kälber. Als Alternative zu den Fleckviehtieren aus Süddeutschland eignen sich Kreuzungen aus Holstein Friesian (HF)-Kühen mit Weißblauen Belgiern oder mit der relativ neuen Rasse INRA 95. Für diese französische Rasse wurden ursprünglich Blonde d´Aquitaine und Charolais gekreuzt. Die Nachkommen wurden dann weitergekreuzt.

Wenn Milchviehbetriebe Kreuzungskälber (HF x Weißblaue Belgier oder HF x INRA) erzeugen, könnten diese Tiere in der Region gemästet und geschlachtet werden. Das würde die Abhängigkeit nach Süddeutschland und in die Niederlande reduzieren. „Das Kreuzungskalb ist nicht die Lösung aller Probleme, aber gemeinsam mit einer optimaler Jungtierversorgung, gesunden Tieren und kurzen Transportwegen, ist es ein wichtiger Teil der zukünftigen Wertschöpfungskette Rindfleisch in NRW“, sagte Qualbrink.

Runder Tisch für Branche

Für die Zukunft wünschen sich die Kälberexperten der Westfleisch:

  • Von der Politik: Fördermittel für den Spermaeinsatz für nachhaltige Kälber (Kreuzungskälber).
  • Vom Landeskontrollverband NRW: Weitere Aufschlüsselung des Rasseschlüssels 98 (Milch x Fleisch) in Kreuzungsrassen.
  • Von den Tierärzten: Aktive Unterstützung und Beratung in Sachen Mutterschutzimpfung der Kühe.
  • Von der Kammer: Intensive Beratung zur Jungtierversorgung männlicher Kälber im Milchviehbetrieb.
  • Unterstützung der Zuchtunternehmen.

„Wir brauchen einen runden Tisch mit allen Marktbeteiligten der Lebensmittelkette Milch und Rindfleisch“, forderte der Westfleisch-Mitarbeiter. Das sei sein Ziel der Impulsveranstaltung vergangener Woche. Mit am Tisch sollten dann künftig neben den Verbänden, die den Tisch initiieren sollen, auch Zuchtunternehmen, Tierärzte, Fütterungsberatung, Landwirtschaftskammer, Besamungstechniker und Molkereien sitzen.

Prof. Dr. Friedhelm Jäger vom MULNV, sowie Vertreter der Landwirtschaftskammer NRW, des WLVs sowie des Rheinischer Landwirtschafts-Verband fanden die Idee des runden Tisches gut. Sie wollen das Thema „Nachhaltige Kälbererzeugung in NRW“ nun gemeinsam erarbeiten.

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