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Eichenprozessionsspinner bei Pferd und Co: Quaddeln und Juckreiz

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sorgen aktuell im Münsterland für Probleme. Nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Pferden, Hunden und Katzen sind allergischen Reaktionen möglich. Tierärztin Ines Kretschmer erklärt, worauf zu achten ist.

Die Folgen des Eichenprozessionsspinners: Quaddelbildung bei einem betroffenen Pferd.

Wochenblatt: Der Eichenprozessionsspinner sind aktuell besonders im Münsterland ein Thema. Betroffene klagen insbesondere über Hautreaktionen und starken Juckreiz sowie Atemprobleme. Haben Sie in der Klinik aktuell auch Fälle von betroffenen Pferden?

Unserer Interviewpartnerin Ines Kretschmer ist Tierärztin an der Tierklinik Karthaus in Dülmen.
Kretschmer: Ja, vor allem in unserer Außenpraxis werden aktuell viele betroffene Pferde vorgestellt. Im Mittel behandeln wir etwa drei bis fünf Pferde pro Woche mit allergischen Reaktionen, die vermutlich auf den Eichenprozessionsspinner zurückzuführen sind. Ein stationärer Aufenthalt in der Klinik ist allerdings nur selten notwendig.

Wie stellt sich die Symptomatik bei Pferden dar?

Wie beim Menschen führt das Nesselgift in den Raupenhaaren bei Kontakt mit dem Pferd zu al­lergischen Reaktionen. Die Oberfläche der Haut oder Schleimhaut wird durch die Widerhaken der Brennhaare mechanisch gereizt. Betroffene Pferde können Symptome wie Kontakturtikaria (Quaddelbildung), Dermatitis (Entzündung der Haut), Papelbildung (Verdickung der Haut), Binde­haut­entzündung der Augen, geschwollenes Maul und Augen sowie starken Juckreiz zeigen. Dieser äußert sich meist durch Schwitzen, kolikartiges Wälzen, Hinwerfen und Kratzen mit den Hinterbeinen oder mit dem Kopf an Gegenständen. Außerdem kann es zu Reizungen der Atemwege kommen, wodurch Husten und Atemnot ausgelöst werden können.

Besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen?

Ja, auch allergische Reaktionen auf andere Umweltreize, beispielsweise Insektenstiche, können die oben genannten Symptome hervorrufen.

Was sollten Pferdehalter tun, wenn ihre Vierbeiner betroffen sind?

Eine Dusche mit kaltem Wasser kann betroffene Stellen kühlen sowie Allergene (Substanzen des Eichenprozessionsspinners und das Nesselgift) vom Körper entfernen und Symptome lindern. Bei starkem Juckreiz oder Schwellungen sollte ein Tierarzt gerufen werden, der das Pferd mit einem Antiallergikum behandelt.

Was ist im Hinblick auf den Weidegang zu beachten? Sind Weiden in der Nähe von Eichen tunlichst zu meiden?

Vor allem Weiden in direkter Nähe zu betroffenen Eichen sind eine Gefahr, da die Gespinstnester auf die Weide fallen und die Pferde somit in direkten Kontakt mit diesen kommen können. Gefahr droht jedoch nicht nur bei direktem Kontakt. Die feinen Brennhaare der Raupen lösen sich zudem leicht, können mit dem Wind über weite Strecken verbreitet werden und bleiben für eine lange Zeit aktiv. Weiden mit betroffenen Bäumen sollten daher möglichst gemieden werden!

Kann auch Gefahr von Heu oder Tränkewasser ausgehen?

Ja, die Gefahr ist groß, denn das Nesselgift der Eichenprozessionsspinner ist lange haltbar und kann auf der Weide in das Tränkewasser oder auch bei der Heuernte in das Heu der Pferde gelangen und so bei der Futter- und/oder Wasseraufnahme zu gefährlichen Reaktionen im Verdauungstrakt führen.

Was bedeutet das für Pferdehalter? Schließlich lässt sich im zugekauften Heu nicht prüfen, ob dieses möglicherweise betroffen ist.

Das ist richtig. Da die Nesselhaare sehr fein sind, kann man das Heu vor der Fütterung nicht prüfen. Dass es möglicherweise gefähr­liche Nesselhaare enthält, merkt man erst, wenn bei den Pferden Symptome auftreten. Die einzige Möglichkeit ist, sich zu informieren, woher das Heu kommt und ob betroffene Eichen in der Nähe stehen. Bisher ist mir allerdings kein Fall bekannt, bei dem ein Pferd auf gefressenes Heu reagiert hat.

Was ist mit Kleintieren? Können beispielsweise auch Hunde oder Katzen betroffen sein?

Hunde und Katzen können ebenso von allergischen Reaktionen auf den Eichenprozessionsspinner betroffen sein wie etwa Pferd oder Mensch. Besonders bei heruntergefallenen Gespinstnestern ist Sorge zu tragen, dass Hund oder Katze nicht die Nase hineinstecken oder diese sogar versuchen zu fressen. Dadurch könnte es zu starken Haut­reaktionen und Schwellungen im Maul- und Nasenbereich sowie zu Atemnot kommen.

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