Kommentar

Weltklimarat: Doppelter Weckruf

Die verheerenden Folgen des Klimawandels sind längst nicht mehr theoretische Modellierungen der Wissenschaft. Sie sind da. Jetzt. Was heißt das für die Land- und Forstwirtschaft?

Eigentlich lagen die Fakten schon vorher auf dem Tisch. Der Bericht des Weltklimarates hat sie vergangene Woche jedoch mit einer Deutlichkeit aufgezeigt, die ihresgleichen sucht:

  • Extreme Wetterereignisse haben weltweit zugenommen und nehmen weiter zu. Dabei fordern künftig nicht nur Hitzewellen und Dürren, Brände, Überflutungen und Ernteausfälle Opfer ein. Es droht auch das Überschreiten von irreversiblen Kipppunkten.
  • Die 1,5 Grad-Schwelle, die im Pariser Klimaabkommen quasi als Sicherheitslinie eingezogen ist, wird bereits 2030 überschritten – und nicht wie vormals prognostiziert 2040.
  • Es ist zweifelsfrei, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land aufgeheizt hat.

Kurzum: Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich drastisch. Die verheerenden Folgen sind längst nicht mehr theoretische Modellierungen der Wissenschaft. Sie sind da. Jetzt.

Noch bleibt Zeit zum Handeln

Es ist keine Panikmache nüchtern festzustellen: Handeln wir in den kommenden zehn Jahren nicht mit einer massiven Kraftanstrengung, dann ist es schlicht zu spät. Denn die Klimakrise – und das unterscheidet sie von uns bekannten Krisen – ist existenziell für unseren Planeten und unser Leben auf ihm. Niemand ist vor ihr gefeit.

Soviel zum ersten Weckruf. Hier der Zweite: Der Klimawandel hat massive Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft – davon zeugen nicht zuletzt die Dürrejahre 2019 und 2020. Viele Ackerkulturen werden mittelfristig erhebliche Probleme bekommen. In der Tierhaltung leiden besonders Milchkühe unter Hitzestress. Und auch der Wald siecht schon jetzt unter massiven Schädlingsbefall.

Neue Definition von Landwirtschaft?

Doch noch mehr: Gemeinsam mit der längst losgetretenen Debatte um Tierwohl, Fleischkonsum und Biodiversität definieren die Klima-Folgen das Berufsbild des Landwirtes neu. Natürlich bleiben sie Nahrungsmittelproduzenten. Doch daneben werden Land- und Forstwirte zu Klima-, Energie- und Naturwirten: Indem sie CO2 in Böden und Wäldern binden. Indem sie aus Biomasse, Wind und Sonne saubere Energie produzieren. Indem sie neue Ackerkulturen für eiweißreiche Nahrung anbauen.

Es sind teils drastische Veränderungen, die auf Landwirtschaft und Gesellschaft zukommen. Wegschauen ist dabei keine Option. Denn mal ehrlich: Die Entwicklung ist längst in Gange. Und könnte nicht gerade diese Neudefinition der Landwirtschaft dabei helfen, ihr mehr als angekratztes Image zu ändern und sich gesellschaftlich neu zu positionieren?

Eine gute Nachricht bleibt selbst im düsternen Szenario des Weltklimaberichts: Es besteht weiterhin die Möglichkeit zum Handeln. Der Landwirtschaft wird dabei eine entscheindende Bedeutung zukommen. Diese Chance sollte die Branche nutzen.

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