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Patiententag Rheuma

Rheuma: Bei Fieber handeln

Wer an Rheuma erkrankt, hat vieles zu beachten. Was – darüber informierten Experten des Rheumazentrums Münsterland im St.-Josef-Stift Sendenhorst.

Vertreterinnen des Bundesverband Kinderrheuma e.V. informierten auf dem Patiententag über ihre Arbeit.

Fieber begleitet viele rheumatische Erkrankungen. Nicht immer ist das besorgniserregend. „Doch steigt die Körpertemperatur auf 39,5 °C und höher, sollten Rheumapatienten einen Arzt aufsuchen“, sagt Prof. Dr. Heidemarie Becker vom Universitätsklinikum Münster (UKM).

Fieber an sich ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen, dass der Körper sich zur Wehr setzt. Pyrogene, das sind fieberauslösende Substanzen, können die Körpertemperatur erhöhen. Sie gelangen beispielsweise als Bestandteile von Viren oder Bakterien in den Körper. Pyrogene entstehen aber auch im Körper selbst als Reaktion auf Infektionen oder Entzündungen. Dazu zählt beispielsweise der Botenstoff Interleukin-1, der von Patienten mit rheumatoider Arthritis vermehrt produziert wird.

Warnzeichen ernst nehmen

„Fieber kann ein Warnzeichen für eine Infektion sein, besonders unter der Einnahme von Rheumamedikamenten“, erklärt Dr. Heidemarie Becker. Da viele dieser Präparate die körpereigene Im­mun­abwehr schwächen, kann es notwendig sein, die Medikation oder Dosierung der Wirkstoffe anzupassen, damit die Infektion ausheilen kann.

Vor allem Cortison ist ein wichtiges Mittel in der Behandlung von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie der chronischen Polyarthritis oder anderer Autoimmunerkrankungen. Es wird meist in künstlich hergestellter Form als Prednisolon verabreicht. Cortison unterdrückt die natürliche Abwehrfunktion des Körpers und hindert Entzündungszellen daran, in geschädigtes Gewebe einzudringen und dort eine überschießende Entzündungsreaktion auszulösen. Das ist gewollt.

Rücksprache mit Arzt halten

Doch wenn das Präparat länger angewendet werden muss und die Dosis die sogenannte Cushing- Schwelle von 7,5 mg pro Tag überschreitet, steigt die Gefahr für unerwünschte Nebenwirkungen. Eine davon ist die erhöhte Infektanfälligkeit. Aber auch andere Rheumamedikamente haben eine immundämpfende Wirkung wie Cyclophosphosphamid, Biologika wie TNF-Hemmer und Tocilizumab oder Präparate aus der Basistherapie wie zum Beispiel Metho­trexat (MTX) oder Leflunomid.

Auch die beiden neuen Januskinase-Hemmer mit den Wirkstoffen Tofacitinib und Baricitinib haben neben erhöhten Blutfettwerten als häufigste Nebenwirkung eine erhöhte Infektanfälligkeit, wie Rheumatologe Dr. Klaus Schröder aus Hamm erklärt. Hierzu zählten vor allem Infektionen der oberen Atemwege und Gürtelrose, die in der Regel mit Fieber einhergehen.

Medikation anpassen

Hält das Fieber länger an, sollten Rheumapatienten mit ihrem behandelnden Arzt Rücksprache halten, damit die Ursache für das Fieber gefunden werden kann. Es ist zu klären, ob eventuell ein Antibiotikum gegeben werden sollte, ob weitere Untersuchungen notwendig sind oder ob die Rheumatherapie geändert werden muss. „Manchmal ist es sinnvoll, mit einem bestimmten Medikament zu pausieren, damit der Körper die Infektion ausheilen kann“, informiert Internistin Heidemarie Becker. Für Cortison gilt das nicht. Mit dem Arzt sei zu klären, ob die Dosis allenfalls reduziert werden kann.

Weitere Informationen über Ernährungstipps bei Rheuma finden Sie in der Wochenblattausgabe 19/2018 auf Seite 77.

Erhöhte Temperatur oder Fieber?

  • Von Fieber ist die Rede, wenn die Körpertemperatur – rektal gemessen – höher als 38 °C ist.
  • Die normale Temperatur liegt bei etwa 36,3 bis 37,4 °C.
  • Von leichtem Fieber spricht man bis 38,5 °C, von mäßigem Fieber bis 39 °C
  • und darüber von hohem, ab 40 °C von sehr hohem Fieber.
  • Messungen im Mund oder unter der Achsel sind oft ungenauer und liegen etwa 0,4 °C niedriger.
  • Zu beachten ist, dass die Körpertemperatur morgens niedriger und spätabends höher ist und auch Kälte- oder Hitzeeinwirkung, Sport oder Arbeit Einfluss auf die Kerntemperatur des Körpers haben.
  • Gemessen werden sollte immer nach einer Ruhephase.
  • Kurz andauerndes, mäßiges Fieber unter 39 °C muss nicht sofort gesenkt werden. Hält die Temperatur zwischen 39 und 40 °C länger als zwei bis drei Tage an, sind fiebersenkende Maßnahmen nötig und der Arzt sollte konsultiert werden.
  • Bei sehr hohem Fieber ab 40 °C gilt das auf jeden Fall. Ein Wadenwickel mit kühlem Leitungswasser ist eine geeignete Maßnahme für alle, die nicht an Durchblutungsstörungen, wie zum Beispiel dem Ray­naud-Syndrom, leiden. In Absprache mit dem Arzt kann eventuell auch Paracetamol eingenommen werden.

Weitere Informationen zum Thema Rheuma finden Sie hier: