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Rheuma: Weniger und neue Arzneien

Patiententag in Sendenhorst: Zur Behandlung von Rheuma sind neue Medikamente zugelassen worden. Ein besseres Management in der Therapie lässt auf vermehrte therapiefreie Krankheitsverläufe hoffen.

Für die Behandlung der Schuppenflechte mit Gelenkentzündung (Psoriasis Arthritis) stehen zwei neue Arzneistoffe zur Verfügung. Foto: Fotolia/hriana

Rheuma ist bislang nicht heilbar, lässt sich aber behandeln.

Wie? – Das ist individuell ganz unterschiedlich. Schließlich steht der Sammelbegriff für über 100 verschiedene Krankheitsbilder. Wie sich die Therapie weiterentwickelt hat und was jeder Rheumapatient selber für sich tun kann, darüber sprachen auf dem diesjährigen Patiententag des Kooperativen Rheumazentrums Münsterland e.V. in St. Josef Stift Sendenhorst zehn Experten aus Münster, Sendenhorst und Hamm. Sie informierten in Kurzvorträgen über den aktuellen Stand der Behandlung. Außerdem präsentierten sich Selbsthilfegruppen. Mitarbeiter der Abteilung Ergotherapie des St. Josef-Stifts in Sendenhorst stellten Hilfsmittel für den Alltag vor.

Schuppenflechte-Arthritis

„Krankheitsabläufe werden immer besser verstanden, sodass Rheuma gezielter behandelt werden kann“, erläuterte Dr. Klaus Schröder, Facharzt für innere Medizin und Rheumatologie aus Hamm. Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise zwei neue Arzneimittel für die Behandlung von Schuppenflechte mit Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritits) zugelassen. Medikamentös werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie diese aus einer Kombination an Arzneistoffen behandelt. Bei einigen schweren Verläufen reicht dieser Medikamentenmix jedoch nicht aus. Ist das der Fall oder reagieren Patienten nicht ausreichend auf die übliche Therapie bzw. mit zu starken Nebenwirkungen, werden häufig Biologica eingesetzt. Diese Arzneistoffe wirken schnell und können häufig Entzündungsprozesse stoppen und Gelenke besser schützen.

Zwei neue Medikamente

Medikamentöse Rheuma-Therapie
Für eine medikamentöse Behandelung steht ein Mix an Wirkstoffen zur Verfügung:
■ Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken schnell schmerzlindernd und entzündungshemmend, können den zerstörerischen Krankheitsverlauf aber nicht beeinflussen.
■ Cortisonpräparate sind in der Lage, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen, werden aber aufgrund ihrer Nebenwirkungen möglichst sparsam eingesetzt.
■ Daher werden oft Basismedikamente wie zum Beispiel Methotrexat (MTX), Sulfasalazin oder Leflunomid verabreicht. Sie vermindern die Krankheitsaktivität und verlangsamen somit auch die Zerstörung der Gelenke.
■ Biologica werden eingesetzt, wenn die bisherige Therapie wirkt. Biologica sind gentechnisch hergestellte Eiweißstoffe, die gezielt entzündungsfördernde Substanzen im Immunsystem abfangen, blockieren oder ausschalten.

Derzeit sind zwei Biologica neu zugelassen worden:
Apremilast heißt der Arzneistoff, der unter dem Handelsnamen Otezia vertrieben wird. Das Medikament wird zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen eingesetzt wird. Es ist als Tablette verfügbar. Apremilast nimmt Einfluss auf das Immunsystem und reguliert entzündliche Reaktionen. Secukinumab wird unter dem Handelsnamen Cosentyx angeboten und kann bei Psoriasis-Arthritis, bei schweren Verläufen einer Schuppenflechte sowie bei Morbus Bechterew verabreicht werden. Secuklinumab hemmt einen Eiweißstoff und verringert die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe im Immunsystem. Folglich kann sich die Entzündungsreaktion in der Haut verringern. Der Wirkstoff wird in der Regel alle vier Wochen unter die Haut gespritzt.

Medikamente drosseln

Rheumatologe Klaus Schröder prognostizierte die Zulassung weiterer Medikamente. Und noch eines dürfte Rheumapatienten hoffnungsvoll stimmen: „Studienergebnisse haben gezeigt, dass die medikamentöse Therapie bei stabilem Krankheitsverlauf stufenweise verringert oder abgeschwächt werden kann“, erklärte der Rheumaexperte. In 30 bis 60% der Fälle sei das Vorgehen erfolgreich verlaufen. Voraussetzung dafür ist, das der Patient mindestens ein halbes Jahr vorher keine bedeutende Krankheitsaktivität hatte. Die medikamentöse Therapie wird dabei stufenweise zurückgefahren:

  • Im ersten Schritt wird die Therapie mit Cortison langsam reduziert und schließlich beendet.
  • Im zweiten Schritt wird die Therapie mit Biologica reduziert. Zum Beispiel lassen sich die zeitlichen Intervalle zwischen den Spritzen-Gaben verlängern und im weiteren Verlauf evt. absetzen.
  • Im dritten Schritt kann versucht werden, die Therapie mit Basismedikamenten wie MTX usw. schritt- weise zu reduzieren und im weiteren Verlauf abzusetzen.

Da die Reduktion der medikamentösen Therapie den Langzeiterfolg möglicherweise verschlechtern oder auch zum Verlust der Wirksamkeit führen kann, müssen Patient und Arzt gemeinsam über diesen Therapieweg entscheiden. Wichtig ist ferner, die Behandlung regelmäßig zu überwachen. LHo

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