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Digitalisierung ländlicher Regionen

Ländliche Zukunft ist digital

Fachtagung der Demenz-Servicezentren in Rheine: Modellprojekte zeigen auf, wie Digitalisierung und Nachbarschaftshilfe auf den Dörfern die Lebensqualität und Versorgung alter Menschen aufrechterhalten können.

Allein, alt, krank oder nicht mehr mobil – um künftig im Dorf gut versorgt zu sein, bedarf es digitaler Strukturen und Dienstleistungen.

Alt werden in seinem Dorf, ja das wünscht sich so mancher. Doch wer nicht mobil und geistig fit ist, der wird auf Hilfe anderer und Dienstleistungen vieler Art angewiesen sein. Gibt es keine Angehörigen, keinen Treffpunkt, keinen Lebensmittelladen und auch keinen Arzt im Dorf mehr, müssen neue Strukturen geschaffen werden, um die Versorgung vor Ort zu sichern. In diesem Zusammenhang spielen digitale Technologien eine immer größere Rolle.

Nachbarschaftshilfe und digitale Vernetzung

Mit der Lockerung des Fernbehandlungsverbots sollen in näherer Zukunft Ärzte ihre Patienten auch per E-Mail, SMS, Online-Chat, Videosprechstunde oder telefonisch behandeln dürfen – vorausgesetzt, dies ist ärztlich vertretbar. Doch damit das klappt, bedarf es digitaler Strukturen und vielfältiger Vernetzungen.

Die drei Demenzservicezentren im Münsterland und in Ostwestfalen- Lippe sowie das Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.  V. haben ihre diesjährige Fachtagung dem Thema „Demenz im Dorf – Das sorgende Dorf in einer digitalen Welt“ gewidmet.

Im Vordergrund der Tagung standen Fachvorträge zu Projekten der Dorfentwicklung und digitale Lösungsansätze, die dazu beitragen, dass alte und kranke Menschen auf dem Dorf auch künftig noch gut versorgt werden können. Hier eine Auswahl der Projekte.

Pflegemodell Buurtzorg

Einen völlig neuen Ansatz der ambulanten Pflege geht man in den Niederlanden mit dem Projekt „Buurtzorg“, was so viel wie Nachbarschaftshilfe heißt.

Kern der Organisation sind weitgehend selbstverantwortlich arbeitende Teams von Pflegekräften, die mithilfe nachbarschaftlicher und formeller Netzwerke pflegebedürftige Menschen bestmöglich versorgen.

Die Pflegeteams rechnen nicht wie bisher üblich nach einzelnen Pflegeleistungen mit den Krankenkassen ab, sondern nach Zeit über festgelegte Stundenvergütungen.

Auch wird der Bedarf der Pflege nicht mehr von dafür vorgesehenen Organisationen erhoben. Vielmehr erkunden die Pflegeteams vor Ort durch Gespräche mit den Patienten und Angehörigen die gesamte Lebens- und Wohnsitua­tion und entscheiden dann, welche Pflege in welcher Form notwendig ist.

Die Teams organisieren und koordinieren die gesamte Unterstützung und stehen dabei in direktem Kontakt zu Ärzten, Krankenhaus, Physiotherapeuten und anderen Spezialisten.

Vor allem aber beziehen sie Angehörige, Freunde, Nachbarn und Ehrenamtliche ein. Auf diese Weise entsteht ein informelles Netzwerk von Helfern, das auch Angehörige entlastet.

Bestandteil des Systems sind auch neue Technologien wie ein spezielles Pflegedokumentationsprogramm. Jede Pflegekraft hat ein Tablet, auf dem sie ihre Tätigkeiten dokumentiert. Auf diese Informationen haben alle Pflegekräfte Zugriff, die mit dem pflegebedürftigen Menschen betraut sind.

In den Niederlanden funktioniert das Buurtzorg-Modell seit gut zehn Jahren. In Deutschland soll es in einem zweijährigen Modellprojekt ebenfalls erprobt werden. Nähere Infos zum Projekt unter www.buurtzorg-deutschland.de.

Projekt: Digitale Dörfer

Vernetzte Nachbarschaftshilfe und digitale Technik spielen auch in dem Projekt „Digitale Dörfer“ eine große Rolle. Noch bis Ende 2019 erprobt das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering Kaiserslautern Konzepte einer modernen digitalen Nachbarschaftshilfe. Das Projekt läuft seit 2015 in drei ausgesuchten Gemeinden in Rheinland-Pfalz.

Schwerpunkt des Projektes ist die lokale Nahversorgung unter ehrenamtlicher Beteiligung von Bürgern der Gemeinde. Über verschiedene Apps können sich Bürger mitei­nander vernetzen, sich gegenseitig helfen und unterstützen. So kann beispielsweise der Nachbar auf dem Nachhauseweg von der Arbeit bestellte Pakete abholen und direkt ausliefern. Weiteres dazu unter www.digitale-doerfer-de.

Ein ähnliches Modellprojekt wird in den Kreisen Lippe und Höxter unter dem Namen „Smart Country Side“ erprobt. Die Idee ist auch hier, Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um bürgernahe Lösungen für mehr Lebensqualität zu finden, siehe: owl-morgen.de/projekte/smart-country-side.

Tablet-Computer für Senioren

Ein weiteres Projekt, an dem das Fraunhofer-Institut beteiligt ist, heißt StuDi. Die Abkürzung steht für Smart Home Technik und Dienstleistung für ein unabhängiges Leben zu Hause. Zielgruppe des bis 2019 laufenden Modellprojektes im Raum Trier sind 100 Haushalte mit Senioren im hohen und höheren Alter, die noch weitgehend selbstständig zu Hause leben.

Die Senioren werden mit einem Tablet-Computer ausgestattet, der bedienungsfreundlich und unkompliziert zu handhaben ist. Er beinhaltet unter anderem Video­telefonie, ein elektronisches Postfach, eine automatische Kalenderfunktion, elektronische Fotoalben etc.

Die erweiterte Version StuDi plus hat ein Sicherheitspaket integriert, das eine passive Hilflosigkeitserkennung beinhaltet und automatisch den Hausnotrufdienst benachrichtigt. Näheres unter www.studi-zuhause.de.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie auf den Gesundheitsseiten in der Wochenblattausgabe 38/2018.

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