Gesundheitswesen vernetzt sich digital

9. Westfälischer Ärztetag im Münster: Mediziner diskutieren über den Nutzen und mögliche Risiken der elektronischen Vernetzung im Gesundheitswesen.

Telemedizinische und digitale Untersuchungen sind in der medizinischen Versorgung mittlerweile alltäglich.

Elektronische Vernetzungen im Gesundheitswesen verändern das Arzt-Patientenverhältnis, schaffen mehr Transparenz und lassen neue Versorgungsmöglichkeiten entstehen. Ärzte, Pflegepersonal, Physiotherapeuten und Patienten haben mehr Möglichkeiten, Daten auszutauschen und elektronisch miteinander zu kommunizieren. Therapien lassen sich besser und schneller abstimmen. Und schließlich können medizinisch unterversorgte Regionen davon profitieren.

Das Anfang des Jahres in Kraft getretene E-Health-Gesetz (siehe Kasten) treibt diese Entwicklungen weiter voran. Doch wo liegen die Grenzen, wo die Risiken und Chancen einer digitalen Vernetzung für Arzt und Patient? Antworten darauf diskutierte die Ärzteschaft am vergangenen Freitag auf dem 9. Westfälischen Ärztetag in Münster.

Telemedizin rettet Leben

Welche Chancen digitale Vernetzungen im Gesundheitswesen haben, zeigten zwei Beispiele aus der Praxis. Als lebensrettend erwies sich die Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung im Kreis Gütersloh, die Bernd Strickmann Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes,vorstellte. Bei einem Notfall mit Kreislaufstillstand zählt jede Minute. Bis der Rettungswagen eintrifft, vergehen durchschnittlich neun Minuten. Wird nicht innerhalb von drei Minuten eine Herzdruckmassage begonnen, kann dies zu irreversiblen Hirnschäden führen.

Im Kreis Gütersloh installierte der Rettungsdienst eine Mobile Retter-App, bei der über den Notruf 112 gleichzeitig auch potentielle Helfer in der Nähe des Patienten alarmiert werden. Von September 2013 bis April 2015 kam es zu 190 Reanimierungen, was rund 21 % der Notrufe ausmachte. Weitere Kreise zeigten Interesse an diesem Projekt. (Näheres unter www.mobilretter.de ).

Leben rettete auch das Projekt Telematik in der Intensivmedizin der Uniklinik RWTH Aachen. Dort wurde eine Tele-Intensivmedizin-Zentrale eingerichtet, die rund um die Uhr mit Spezialisten aus der Intensivmedizin der Uniklinik besetzt ist. An dem Projekt beteiligte Krankenhäuser konnten bei speziellen Fragestellungen fachliche Unterstützung anfordern.

Die Patienten auf der Intensivstation profitierten nicht nur, weil weniger Komplikationen wie Sepsis oder Lungenentzündung tödlich verliefen. Sie konnten die Station auch schneller wieder verlassen, erklärte Dr. Robert Deisz von der Uniklinik RWTH Aachen.
Brief und Plan elektronisch

Die elektronische Datenvernetzung soll zukünftig aber auch für mehr Transparenz sorgen. Elektronische Arztbriefe sollen dem Arzt Zeit ersparen. Allerdings sind technische Aspekte und Haftungsrisiken noch zu klären.

Elektronische Medikationspläne sollen dem Patienten eine Orientierungshilfe geben und für mehr Sicherheit bei der medikamentösen Therapie sorgen. Derzeit arbeitet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft an der Weiterentwicklung eines bundeseinheitlichen Medikamentenplanes. Dieser soll alle Medikamente auflisten, die der Patient einnimmt, einschließlich der frei verkäuflichen Präparate, und regelmäßig aktualisiert werden.

Das erfordert, wie in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens auch, Informations- und Kommunikationstechnologien, die sektorenübergreifend eingesetzt werden und sensible Daten schützen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe werde das Projekt der elektronischen Vernetzung „kritisch, aber konstruktiv“ begleiten, erklärte Kammerpräsident Theodor Windhorst. LHo


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