Schweinehaltung

Sauenhalter verärgert: "Gleiches Recht für alle!"

Viele Sauenhalter sind sauer und fragen: Warum gelten für Importferkel nicht gleiche Regeln wie für deutsche Ferkel? Warum macht QS nicht die Schotten dicht?

Den Sauenhaltern schwimmen die Felle davon. Während hierzulande Auflagen bei Kastration und Haltung die Kosten treiben, gelten diese Regeln für Importferkel nicht. Durch die Verordnungsänderung beim Kastenstand in Deckzentrum und Abferkelstall geraten deutsche Sauenhalter massiv ins Hintertreffen.

Bestes Beispiel ist die Lokalanästhesie beim Kastrieren durch den Landwirt – in Deutschland verboten, in Dänemark erlaubt. Das führt zu der paradoxen Situation, dass deutsche Sauenhalter ihre Ferkel nicht lokal betäuben dürfen, deutsche Mäster aber Ferkel aus Dänemark einstallen dürfen, die nach Lokalanästhesie kastriert wurden. Aufgrund des freien Warenverkehrs in der EU kann Deutschland Importferkel nicht blockieren.

Was die Sauenhalter besonders ­ärgert: Selbst das QS-System, bei dem die Landwirtschaft als Gesellschafter die Regeln mitbestimmt, schreibt bei Importferkeln nicht vor, dass die Betäubung der deutschen Gesetzeslage entspricht. Wer schützt eigentlich uns, fragen sich immer mehr Sauenhalter.

Wir haben einige Stimmen von Praktikern zusammengetragen. Darunter finden Sie weitere Hintergrund-Informationen zum Thema.

Christian Sundermann (Bildquelle: privat)

Christian Sundermann, Borken-Marbeck

Wenn ich als deutscher Sauen­halter die Bedingungen von QS nicht erfülle, kann ich nicht in das QS-System liefern. Die selben Anforde­rungen sollten auch an Importferkel gestellt werden, die unter dem QS-Siegel an Schweine­mäster in Deutschland geliefert werden sollen. Alles andere führt zu Wettbewerbsverzerrungen zu Ungunsten der heimischen Ferkel­erzeuger.

Ferkel, die unterhalb der Standards der neuen Nutztierhaltungsverordnung im Ausland produziert werden, können importiert werden – aber dann bitte ohne das QS-Siegel. Wir deutschen Sauenhalter brauchen einen wirksamen Außenschutz, um die steigenden Produktionskosten ausgeglichen zu bekommen.

Eine Sorge der Schweinemäster in Deutschland ist wohl, dass sie ohne Importferkel nicht ausreichend mit QS-Ferkeln versorgt werden. Zudem würden bei den Schlachtbetrieben viele Haken leer bleiben. Und dem QS-System würden Einnahmen über fehlende Stückzahlen entgehen.

Doch wenn sich das QS-System für Importferkel öffnet, die künftig unterhalb der deutschen Verordnung deutlich kostengünstiger im Ausland produziert werden, ist das ein weiterer Sargnagel für die heimische Sauenhaltung.

Bernhard Barkmann (Bildquelle: privat)

Bernhard Barkmann, Messingen

Importierte Ferkel dürfen die QS-­Zertifizierung nur erhalten, wenn die in Deutschland geltenden Standards erfüllt sind. Dafür ­machen wir uns mit 23 Sauenhaltern und Mästern aus ganz Deutschland in ­einem Offenen Brief an die landwirtschaftlichen Mitglieder des QS-Fachbeirats stark.

Umso enttäuschender ist es, dass die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) uns in keinster Weise unter­stützt. Für uns ist nicht verständlich, dass QS diesen gesetzlichen Rahmen bei Importferkeln nicht für notwendig erachtet. Gehört nicht auch zur Qualität, dass in Deutschland geltende Regeln eingehalten werden? Führen wir nicht den Verbraucher in die Irre, wenn unsere Ferkel unter den gesetzlichen Mindestanforderungen kastriert werden?

Auch im Hinblick auf die langen Transportzeiten, sollte man die Ferkelerzeugung in allen Regionen Deutschlands mit allen Mitteln stärken. Dies fordern wir von der Politik. Aber dies sollte auch für QS das Maß aller Dinge sein.

Gregor Döring, Borken-Rhedebrügge

Nach dem Schock der Haltungsverordnung hoffe ich, dass der Bauernverband den Mumm hat, die verschärften Auflagen für alle QS-Ferkelerzeuger zur Pflicht zu machen. Oder soll das laufen wie beim Kastrieren? Zeit genug hatte unsere Vertretung, um das zu besprechen.

Macht mal was für die Sauen­halter, damit wir wieder schlafen können.

Übrigens: Eine staatliche Investitionsförderung von 300 Mio. ergibt nur 42  000 € für jeden Sauenhalter. Damit kann man bei 250 Sauen ­gerade mal Planung, Baugeneh­migung für den Anbau und das Gutachten zur Einleitung von Niederschlagswasser bezahlen. Bei meinem letzten Bauprojekt, einem Güllebehälter, waren 10 % der Bausumme für Gutachten und Baugenehmigung fällig.

Martin Plenter (Bildquelle: privat)

Martin Plenter, Rheine

Gleiche Regeln EU-weit! 4xD ist erfahrungsgemäß nur ein Traum. Ansonsten hätten wir längst etwas damit erreicht. Und von Selbstschutz möchte ich bei QS ab 1. Januar 2021 nicht mehr sprechen.️

Alexander Janning (Bildquelle: privat)

Alexander Janning, Münster-Sprakel

Wir brauchen ein System, welches für ansatzweise gleiche Bedin­gungen sorgt. Dafür ist QS da und hat eine enorme Verantwortung gegenüber den Bauern. Gerade in diesen sehr schwierigen Zeiten ­erwarte ich, dass die Vertreter des Bauernverbandes das in QS-­Gremien deutlich machen.

Zum Hintergrund: Wer entscheidet bei QS?
Die ökonomischen Rahmen­bedingungen für die deutschen Schweinehalter werden sich durch die Novelle der Tierschutz-­Nutztierhaltungsverordnung deutlich verschlechtern. Darauf muss das QS-System reagieren, fordert der Landesverband Niedersächsischer Schweineerzeuger (LNS). QS soll auch von den Mitbewerbern am europäischen Ferkelmarkt das deutlich höhere deutsche Tierschutzniveau einfordern.
„Es kann nicht sein“, kritisiert der LNS-Vorsitzende Heinrich Lütjens, „dass niederländische und dänische Ferkel dem hohen gesetzlichen Niveau deutscher Produzenten am Markt gleich­gestellt werden.“
Andernfalls zementiere die QS GmbH die Wettbewerbsnachteile der hiesigen Schweinehalter, so Lütjens. Der LNS-Vorstand sieht dringenden Handlungsbedarf, die Tierschutzstandards in den Nachbarländern an das sehr ­hohe, kostenintensive deutsche Niveau anzupassen.
Den Schlüssel dazu hält die QS GmbH in der Hand, so der LNS. Andernfalls droht spätestens in fünf Jahren mit der finalen Umsetzung der Haltungsverordnung der totale Ausverkauf der deutschen Schweinehaltung.
Über die Anforderungen des QS-Systems entscheidet der QS-Fach­beirat Rind und Schwein. Dort sind, ebenso wie bei den Gesellschaftern der QS-GmbH, alle Stufen der Wertschöpfungskette vertreten: Futtermittelwirtschaft, Landwirtschaft, Schlacht- und Zerlegeindustrie, Verarbeitungswirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.
Die QS-Anforderungen werden gemeinsam festgelegt, die Beschlüsse müssen einstimmig ­fallen. Die landwirtschaftlichen Vertreter im Beirat sind Hubertus Beringmeier (WLV), stellvertretend Heinrich Dierkes (ISN) und Walter Heidl (BBV). Als Gäste nehmen Roger Fechler (DBV) und Nora Hammer (BRS) teil.

Nach Ende von Kastenstand droht rasanter Strukturwandel

vor von Dr. Bernhard Schlindwein

Ohne Änderungen bei Baurecht, Immissionsschutz und Förderung können Ferkelerzeuger die neuen Regeln zum Kastenstand nicht umsetzen.

Ausländische Ferkel werden trotz der neuen Vorgaben für die Sauenhaltung nicht vom QS-Zertifizierungssystem ausgeschlossen. Dies wäre ein "Bärendienst", so das Unternehmen, da QS-Mäster nicht...

Preisverfall bei Schweinen und Ferkeln: Was ist zu tun?

vor von Dr. Frank Greshake, LWK NRW

Es ist nicht nur Tönnies: In vielen Schlachtbetrieben kann aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht mehr im gewohnten Umfang zerlegt werden. Zugleich sinkt der Schweinefleischverzehr. Was können...


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