Eichenprozessionsspinner

EPS: Vogelschutz hilft am besten

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in diesem Jahr regelrecht zur Plage entwickelt. In den kommenden Wochen verpuppen sich die Raupen. Lässt sich einem erneuten Befall im kommenden Jahr vorbeugen?

Vor allem im Münsterland war der Befall des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr extrem. Die Insekten haben bevorzugt in Städten und Siedlungen ihre Gespinste gebaut – zum Ärger vieler Anwohner. Denn Kinder und Erwachsene klagten gleichermaßen über juckende Pusteln und gereizte Augen infolge der aggressiv wirkenden Brennhaare der Spinnerraupen. Jetzt, Ende Juli, wechseln die Raupen ins Puppenstadium. Die Prozessionen entlang der Stämme in die Eichenkronen sind dann vorbei. Ob Spaziergänge durch die Eichenwälder und -alleen dann wieder gefahrlos möglich sind, fragten wir Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland.

Wochenblatt: Herr Hochhäuser, gefühlt ist der Eichenprozessionsspinner eher in den Städten zu Hause. Stimmt das?

Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regional­forstamtes Münsterland. (Bildquelle: Schlotmann)

Das könnte man meinen. Der Eichenprozessionsspinner befällt vor allem frei stehende, innerstädtische Bäume und Alleen. Weil die Stämme der Eichen dort stark besonnt werden, bauen die Spinnerraupen auch in den unteren Stammbereichen ihre Gespinste. Die Beleuchtung der Straßen könnte die nachtaktiven Falter zusätzlich zur Eiablage im Herbst anlocken.

Tatsächlich kommen die Insekten aber in den Wäldern auch häufig vor. Im Wald beschränkt sich der Eichenprozessionsspinner-Befall aber überwiegend auf die Baumkronen. Dort ist es wärmer.

Allgemein gilt der Eichenprozessionsspinner nicht als Forstschädling, stimmt das?

Zusammen mit dem Frostspanner, dem Eichenwickler und anderen Arten zählt der Eichenprozessionsspinner zur sogenannten Eichenfraßgesellschaft. Eichenwickler und Frostspanner entwickeln sich bereits Ende Mai zu Faltern und sind dann keine Gefahr mehr für die Eichen. Eichenprozessionsspinner fressen aber weiter und können sogar den sogenannten Johannis­trieb schädigen.

Bei sehr starker Massenvermehrung können sie gesunde Eichen komplett kahl fressen. Bislang ist die Gefahr aber gering. Die Raupen und Falter befallen übrigens alle Eichenarten, auch die Roteiche. Der Druck auf die Stiel- und Trauben­eiche ist aber am größten.

Wie lange müssen Spaziergänger noch mit einer Gefahr durch die Brennhaare rechnen?

In den kommenden Wochen beginnen die Raupen sich zu verpuppen. Ab etwa Ende Juli sind sie von den Bäumen verschwunden und nur noch ihre Puppen an den Bäumen zu finden. Rund fünf Wochen später fliegen die ersten Falter. Sie sind für den Menschen ungefährlich.

Die Gespinste und die Brennhaare verbleiben aber mehrere Jahre lang in den Baumkronen, an den Stämmen oder auf dem Waldboden. Deshalb empfehlen wir unseren Mitarbeitern und Waldbesitzern weiter, Eichenwälder nur mit langer Kleidung und einer Schutzbrille zu betreten.

Würde ein Wetterumschwung Abhilfe schaffen?

Starkregen oder Hagel würde die Gespinste zerstören, aber nur zum Teil. Mit der Zeit werden die Gespinste aber weniger, sowohl in den Städten als auch im Wald.

Gibt es irgendwelche Maßnahmen, die dem Befall vorbeugen?

Wo die Gesundheitsgefahr sehr groß ist, zum Beispiel an Schulen oder Kinder­gärten, sollten Fachfirmen die Gespinste weiter absaugen. In diesen Bereichen kann auch ein Insektizideinsatz sinnvoll sein – bevorzugt im Frühjahr. Damit ist nicht das flächige Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln gemeint. Häutungshemmer, gezielt eingesetzt in den ersten beiden Häutungsstadien, versprechen den besten Erfolg. Hier sollte man aber im Sinne des Insektenschutzes abwägen.

Ich setze große Hoffnungen in den aktiven Vogel- und Fledermausschutz gegen den Eichenprozessionsspinner. Einige Vogelarten fressen die jungen Spinnerraupen, darunter Kohlmeise, Sperling und Pirol. Die späteren Raupenstadien schützen sich durch ihre Brennhaare. Fressfeind ist dann nur noch der Kuckuck – er kann seine Magenschleimhaut ausstülpen und erneuern. Die geschlüpften, nachtaktiven Falter sind ein Leckerbissen vor ­allem für Fledermäuse, wie dem großen Abendsegler.

Das Anbringen von Vogelnist- und Fledermauskästen nahe der betroffenen Eichen lohnt sich.

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