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Verband der Zuckerrübenanbauer

Brisantes zur Zuckerfabrik: Warburg vor dem Aus?

Der Vorstand der Südzucker AG hat beschlossen, die Zuckerfabrik in Warburg zu schließen. Jetzt fragen sich die Rübenbauern, wie es weiter geht. Auf ihrer Winterversammlung bekamen die Landwirte brisante Hintergrundinformationen zu hören.

Die Besucher der Winterveranstaltung blieben mit den Gelbwesten der Abfuhrgemeinschaft vor der Halle stehen, um Solidarität zu bezeugen.

Seit Donnerstag der vergangenen Woche ist für Zuckerrübenanbauer der Warburger und der Soester Börde nichts mehr so wie vorher. Der Abnehmer ihrer Rüben, die Südzucker AG aus Mannheim will ihre Rüben nach dem Ende der Kampagne 2019 nicht weiter im Werk Warburg verarbeiten. Das Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg erläuterte auf einer Winterveranstaltung des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel e.V. in Lippetal-Oestinghausen, Kreis Soest, die Hintergründe der Pläne.

Der Weltzuckermarkt läuft über

Die Entwicklung nach dem Ende der Rübenquote hatten sich Rübenanbauer wie Südzucker AG ganz anders vorgestellt. Von der Fessel der Quote befreit sollten die Landwirte die Anbaufläche ausdehnen und damit für eine hohe Auslastung der Werke sorgen. Das sollte die Produktionskosten in den Fabriken minimieren. Das Problem: Alle europäischen Zuckerunternehmen haben die gleiche Strategie gewählt. Gleichzeitig haben große Zuckerproduzenten auf der Welt wie Indien oder Brasilien ihre enorm Exportmengen hochgefahren. Dr. Kirchberg stellte fest, dass das zu einem katastrophalen Überangebot und zu einem gewaltigen Preissturz geführt hat. Aktuell erlöst die Südzucker für eine Tonne Zucker in Mitteleuropa 320 €, für einen erträglichen Rübenpreis wären aber über 400 €/t notwendig.

Die Südzucker AG ist also zur Zeit nicht in der Lage, Zucker kostendeckend am Markt zu platzieren. Das spiegelt sich auch in den Bilanzdaten wieder: Kirchberg rechnet damit, dass allein der Geschäftsbereich Zucker im laufenden Wirtschaftsjahr, das am 28. Februar endet, einen Verlust von 150 bis 250 Mio. € ausweisen muss. Diese Prognose zwang den Vorstand zum Handeln.

Nach einer Analyse der aktuellen Daten schätzt der Vorstand, dass ein Teil des Zuckerabsatzes der Südzucker AG, namentlich der Export in außereuropäische Drittstaaten, unwirtschaftlich bleiben wird. Der Südzucker-Vorstand erklärte, dass es vier bis fünf Jahre dauern wird, bis die jetzt angehäuften Weltzuckerüberschüsse abgebaut sind.

Kam die Zusage für Warburg einen Tag zu spät?

Seiner Meinung nach geht an einer Rückführung der Produktionsmengen kein Weg vorbei. Kirchberg denkt in seinem Unternehmen an eine Kürzung um 700 000 t oder fast 12 % der Gesamtzuckerproduktion. Um die Auslastung der Werke nicht zu gefährden, kommt nur die Schließung einzelner Zuckerfabriken in Frage. Kirchberg führte aus, dass der Vorstand für Warburg als Standort mit relativ hohen Produktionskosten, größerem Investitionsbedarf, begrenzter Innenstadtlage und unsicherer Genehmigungslage keine Chance für die Zukunft sieht.

In diesem Zusammenhang ist die Aussage des Südzucker-Vorstandes brisant, dass das Unternehmen sich zwei Jahre lang bei der Bezirkregierung in Detmold um eine neue Betriebsgenehmigung mit einer um 14 Tage verlängerten Kampagne bemüht hat. Einen Tag, nachdem der Vorstandsbeschluss zur Schließung von Warburg öffentlich wurde, erreichte die Südzucker die Zusage für die Genehmigung.

Der Vorsitzende des Zuckerrübenanbauerverbandes Kassel, Georg Koch, führte aus, dass der Verband von der Dramatik und der Geschwindigkeit der Entwicklung überrollt worden ist und bei den Entscheidungen nicht eingebunden war.

Aufsichtsrat entscheidet Ende Februar

Entsprechend der Statuten wird der Aufsichtsrat der Südzucker AG Ende Februar endgültig entscheiden. Die Anwesenden zeigten sich schwer enttäuscht von ihrem Rübenabnehmer, viele wollen aber für einen Fortbestand des Rübenanbaus in Soest kämpfen.

Sie gehen nämlich davon aus, dass mit der Schließung von Warburg die Zuckerrübe aus der Soester Börde verschwindet, da die Transportkosten zur Alternative Wabern in Hessen viel zu hoch sind. Lediglich die östlichsten Anbauer der Region rechnen sich dann noch etwas beim Rübenanbau aus. Die Südzucker wird sich an den Transportkosten nicht beteiligen.

Einige Anbauer überlegen, trotz bestehender Lieferverträge bereits 2019 aus der Rübe auszusteigen. Dr. Kirchberg erklärte dazu, dass sich die Südzucker vor der Rübenaussaat dazu erklären wird.

Die Abfuhrgemeinschaft müsste eine neue Verlademaus anschaffen. Die Entscheidung dazu ist auf die Zeit nach der Aufssichtratssitzung vertagt. Überhaupt sind noch viele Fragen offen, die die Gremien so schnell wie möglich klären müssen.