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Südzucker AG

Warburg: Zuckerfabrik ohne Zukunft?

Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz - und das nicht nur unter Zuckerrübenanbauern: Der Zuckerfabrik in Warburg mit 60 Mitarbeitern droht die Schließung. Endgültig beschlossen ist das Ende aber noch nicht.

Die Warburger Zuckerfabrik - 2019 soll dort die letzte Kampagne stattfinden, ehe das Werk für immer schließt. So jedenfalls plant es der Südzucker-Vorstand.

Die Zuckerfabrik in Warburg, Kreis Höxter, soll geschlossen werden. Das hat der Vorstand der Südzucker AG dem Aufsichtsrat vorgeschlagen. Ebenfalls vor der Schließung soll auch die Zuckerfabrik in Brottewitz in Brandenburg stehen. Das sieht ein "Restrukturierungsplan" vor, mit dem der Vorstand den "Auswirkungen der starken Preisschwankungen an den globalen Zuckermärkten und in der EU" begegnen will.

In Deutschland sehen die Südzucker-Pläne eine "Reduktion des Zuckerproduktionsvolumens von bis zu rund 700.000 t pro Jahr" vor. Von den neun Zuckerfabriken der Südzucker AG in Deutschland droht nun den beiden kleinsten das Aus, eben in Brottewitz und Warburg.

Wie entscheidet der Aufsichtsrat?

Eine endgültige Entscheidung zur Schließung in Warburg steht aber noch aus. Darüber befindet der Aufsichtsrat, in dem die landwirtschaftlichen Erzeuger eine knappe Stimmenmehrheit innehaben.

Nach Firmenangaben sind in der Warburger Zuckerfabrik rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk verarbeitet pro Jahr bis zu 600.000 t Zuckerrüben, die von etwa 800 Landwirten in der Soester Börde, im östlichen Westfalen sowie im angrenzenden Nordhessen und südlichen Niedersachsen angeliefert wurden.

Eine Besonderheit: In Warburg wird vor der eigentlichen, 120 Tage dauernden Kampagne Biozucker produziert. Er wird nach Firmenangaben „in ganz Europa zur Weiterverarbeitung, also etwa im Bereich Babynahrung oder Biobackwaren, verwendet“.

Bürgermeister ist verärgert und überrascht

Die Zuckerfabrik, 1882 gegründet, zählt zu den ältesten Industriebetrieben der ehemaligen Kreisstadt Warburg. Michael Stickeln, der Bürgermeister der Stadt, äußerte sich gegenüber der Lippischen Landeszeitung verärgert über die nun bekannt gewordene Entscheidung. Sie habe ihn „völlig überrascht“. Erst vor wenigen Tagen habe er auf der Grünen Woche in Berlin gemeinsam mit Christian Voß, dem ehemaligen Direktor der Zuckerfabrik, engen Kontakt zu Vertretern der Südzucker AG gehabt. Die Lippische Landeszeitung zitiert Stickeln mit den Worten:

„So geht man nicht mit einem Standort um. Wir waren immer sehr daran interessiert, dass der Standort Warburg erhalten bleibt. Wir sind hier inmitten einer Rübenanbauregion, das ist auch für unsere Landwirte enorm wichtig."

Das ebenfalls von der Schließung bedrohte Werk in Brottewitz unweit von Torgau an der Elbe, 1873 gegründet, zählt nach Werksangaben rund 90 Mitarbeiter und 350 anliefernde Landwirte. Es ist die einzige Zuckerfabrik im Bundesland Brandenburg. Jährlich werden dort bis zu 800.000 t Rüben zu rund 130.000 t Zucker verarbeitet.

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