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Zehn Tierwohlkriterien für Kühe

Das Projekt „Q Check“ soll Kuhwohl messbar machen. Jetzt stehen die Kriterien fest. Wie können Milcherzeuger profitieren?

Mehr als 200 Personen haben aus 53 möglichen Kriterien zehn ausgesucht, wie sich Tierwohl in der Milchviehhaltung messen lässt.

Vielen Milcherzeugern dürfte es nicht bewusst sein: Sie müssen regelmäßig betriebliche Eigenkontrollen durchführen und tierbezogene Merkmale ­erfassen sowie bewerten. Das schreibt das Tierschutzgesetz seit Februar 2014 vor. Zudem will die Bundesregierung ein nationales Tierwohl-Monitoring aufbauen.

Konkrete Vorgaben, welche Indikatoren für die Eigenkontrollen oder das Monitoring geeignet sind, hat der Gesetzgeber bisher nicht. „Deshalb wollten wir aus der Branche heraus geeignete Kriterien für die Milchviehhaltung festlegen“, sagt Dr. Sabrina Hachenberg vom Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung (DLQ) in Bonn.

Gemeinsam mit vier Partnern hat der DLQ 2016 „Q Check“ initiiert. Das Projekt ist vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert und läuft bis Juni 2020. Q Check erfasst keine zusätzlichen Daten, sondern greift auf vier etablierte Systeme zurück: die Milchleistungs- und Milchgüteprüfung, das Herkunftsinformationssystem HI-Tier sowie das Qualitätsmanagementsystem QM-Milch.

Die zehn Kuhwohl-Kriterien

Mehr als 200 Personen waren einbezogen, welche Kriterien für Tierwohl in der Milchviehhaltung aus den vier Erfassungssystemen am besten geeignet sind. Die Teilnehmer stammten aus Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Somit waren Erzeugerverbände genauso beteiligt wie Nichtregierungsorganisationen. Jetzt haben sie aus 53 möglichen Kriterien zehn festgelegt:

1. Anteil der Kühe mit Milchzellgehalt kleiner 100  000 bzw. über 400  000 Zellen/ml

2. Mastitisrate der Erstlaktierenden

3. Neuinfektionsrate sowie Heilungsrate in der Trockenperiode

4. Neuinfektionsrate in der Laktation

5. Anteil chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten

6. Anteil der Kühe in der Frühlaktion mit einem Fett-Eiweiß-Quotienten größer/gleich 1,5 bzw. kleiner 1,0

7. Merzungsrate

8. Nutzungsdauer (der gemerzten Kühe)

9. Anteil Totgeburten und Kälberverluste bis zum siebten Lebenstag

10. Sterberate bei Kühen und Kälbern

Alle Kriterien lassen sich mit den bestehenden Analyse- und Datensystemen erfassen, sind deutschlandweit einheitlich und unterstützen eine effiziente betriebliche Eigenkontrolle. „Zudem erreichen wir 88 bis 100 % aller Kühe in Deutschland. Diese Reichweite ist einzigartig und unterscheidet uns von anderen Projekten der Tierwohlerfassung“, sagt Hachenberg.

Testphase noch dieses Jahr

Aktuell arbeiten die Projektpartner an der Programmierung des Q Check-Reports. Eine erste Version soll es noch dieses Jahr geben. In die breite Anwendung soll der Q Check-Report spätestens im Juni 2020 kommen. Zunächst sollen nur Betriebe mit Milchleistungsprüfung Q Check nutzen, perspektivisch auch weitere. Für MLP-Betriebe ist das kostenlos.

Milcherzeuger müssen eine Einverständniserklärung zum Verarbeiten ihrer Daten unterschreiben. Danach soll es ganz einfach und schnell gehen. „Der Landwirt bekommt den Bericht über den Landeskontrollverband. Alle notwendigen Daten fließen automatisch darin zusammen“, verspricht Hachenberg.

Möglich sei dann ein horizontaler sowie vertikaler Vergleich: Mit der horizontalen Auswertung kann sich der Landwirt mit ähnlich strukturierten Betrieben vergleichen. Mit der vertikalen Auswertung kann er verschiedene Wirtschaftsjahre auf seinem Betrieb bewerten. „In beiden Fällen kann er durch die grafische Aufbereitung schnell erfassen, wo er gut ist und wo er noch Luft nach oben hat“, sagt Dr. Folkert Onken.

Der DLQ-Geschäftsführer hält die Datensicherheit für ein sensibles Thema. Er verspricht den Landwirten daher, dass sie jederzeit das alleinige Verfügungsrecht über die betrieblichen Daten haben. Nur wenn sie ihr Einverständnis geben, erfolge die Datenverarbeitung für die betriebliche Eigenkontrolle. „Und sollten die Daten in das nationale Tierwohlmonitoring einfließen, erfolgt auch dies nur mit Einverständnis und auf jeden Fall anonymisiert“, sagt Onken.

Ein nationales Tierwohlmonitoring trägt aus seiner Sicht zur ­Versachlichung der Tierwohldiskussion bei. Q Check könne dafür proaktiv aus der Branche heraus Indikatoren liefern.

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