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Gedrückte Stimmung in der Landwirtschaft

Patrick Liste, Stellvertretender Chefredakteur.

Fehlende Planungssicherheit verunsichert aktuell alle Landwirte, egal was sie produzieren. Was muss jetzt passieren, damit die Landwirtschaft eine Perspektive hat?

Gedrückte Stimmung bei vielen Landwirten: Mäßige Getreide- und Milchpreise, der Rindfleischmarkt ist im Keller, beim Kälberverkauf zahlt man drauf. Doch die Preise allein sind es nicht. Das zeigt sich bei den Schweinehaltern. Obwohl Ferkel und Mastschweine gutes Geld kosten, ist von Euphorie nichts zu spüren. Im Gegenteil: Unsicherheit und fehlende Perspektive, wie es beispielsweise mit der Kastration 2021 weitergeht, übertönen die gute Marktlage.

Fehlende Planungssicherheit verunsichert aktuell alle Landwirte, egal was sie produzieren. Was heute noch gut ist, können Politik und Gesellschaft morgen schon verteufeln. Zudem frustriert das Kompetenzgerangel zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium wie beim Agrarpaket. Und die Doppelzüngigkeit politischer Entscheidungen wie beim Mercosur-Abkommen. Landwirte verlieren das Vertrauen in die Politik. Das prangern Johannes Röring und Hubertus Beringmeier vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) zu Recht an.

Gefährliche Mischung

Gepaart mit mäßigen Preisen ist das eine gefährliche Mischung. Selbst Betriebe, die sich fit für die Zukunft gemacht haben, zweifeln heute an ihrer Perspektive in der Landwirtschaft. Oft sind das genau die Familienbetriebe, die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze unbedingt halten wollen – aber mit immer schärferen Auflagen in die Enge drängen. Was muss jetzt dringend passieren?

  • Die Landwirte müssen weiter deutlich machen, was praxisfremd ist – hart in der Sache, fair im Umgang. So wie beim Protest gegen die verschärfte Düngeverordnung in Münster. Dass die Landesregierung nun die Messstellen prüft und bei der Nitratbelastung genauer differenzieren will, ist ein Erfolg. Gleichzeitig dürfen die Landwirte nicht ermüden, sich auf Veränderungen einzulassen und dies zu verdeutlichen. Die freiwillig angelegten mehr als 1000 km Blühstreifen in Ostwestfalen-Lippe sind ein gutes Beispiel – und ein viel effektiverer Insektenschutz als der diktierte Herbizidverzicht aus dem Agrarpaket.
  • Politik muss wieder verbindlich und verlässlich sein. Auch wenn es unbequem ist, können Landwirte mit einer verbindlichen Aussage mehr anfangen als mit der aktuellen Hängepartie. Die Politiker sollten sich nicht von Aktionismus oder populären Forderungen einiger Organisationen treiben lassen, sondern Sachverstand bei ihren Entscheidungen einholen. Zudem sollten sie zusammen mit der Branche den Strategieprozess vorantreiben, wie die Tierhaltung, der Ackerbau sowie die Landwirtschaft insgesamt künftig in Deutschland aussehen sollen. Und wie dabei der gesellschaftliche Konsens gelingt.

Noch besteht die Chance, die gefährliche Mischung zu entschärfen. Die Landwirtschaft braucht eine Perspektive. Die Zeit drängt.

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