Pflanzenbau aktuell

Kartoffeln: Unkräuter und Notfallzulassungen

Wo die Bodenfeuchtigkeit es zulässt, werden viele Landwirte bald Kartoffeln pflanzen oder haben es schon getan. Wie gelingt es, die Bestände von Beginn an sauber zu halten?

Widerrufene Zulassungen: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) widerruft zum 30. April 2024 die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Spirotetramat. Grund für den Widerruf ist, dass die Genehmigung für den Wirkstoff Spirotetramat gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2022/489 ausläuft. Dies betrifft unter anderem auch das Produkt Movento OD 150 mit der Zulassungsnummer 150026554-00, das in Kartoffeln zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt wird. Abverkaufsfrist: 30. Oktober 2024; Aufbrauchfrist: 30. Oktober 2025.

Das BVL widerruft zum 28. Mai 2024 die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Metiram. Grund für den Widerruf ist, dass die EU-Genehmigung für den Wirkstoff Metiram nicht erneuert wurde. Die folgenden Zulassungen werden widerrufen: Polyram WG (Zulassungsnummer 033986-00), Gemüse-Pilzfrei Polyram WG (033986-62), COMPO Pilz-frei Polyram WG (033986-63). Abverkaufs- und Aufbrauchfrist: 28. November 2024.

Das BVL widerruft zum 13. Juni 2024 die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Zorvec Endavia (Zul.-Nr. 00A305-00) mit dem Wirkstoff Benthiavalicarb. Grund für den Widerruf ist, dass die Genehmigung für den Wirkstoff Benthiavalicarb gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2023/2657 nicht erneuert wurde. Abverkaufs- und Aufbrauchfrist: 13. Dezember 2024.

Unkrautbekämpfung

Mit dem zunehmenden Abtrocknen der Flächen wird überregional eine verstärkte Pflanzung in der kommenden Woche sowie rund um Ostern erwartet. Erste Betriebe haben bereits nennenswerte Flächen pflanzen können. Jetzt gilt es, die Flächen frei von Unkraut zu halten.

Die Unkrautbekämpfung findet im Kartoffelanbau standardmäßig im Vorauflauf statt, da das kulturverträglicher ist als Nachauflaufmaßnahmen. Da man hierbei vornehmlich auf Bodenwirkstoffe setzt, braucht es feuchte, abgesetzte Dämme und geeignete Temperaturen.

Produkte mit den Wirkstoffen Aclonifen und Clomazone sind aufgrund ihrer guten Dauerwirkung in Kombination mit den geringen Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit zu bevorzugen. Behandlungen mit diesen Wirkstoffen sollten aber etwa eine Woche vor dem Durchstoßen der Kartoffeln abgeschlossen sein. Die spezifischen Anwendungsbedingungen sind unbedingt zu beachten:

Anwendungsbestimmungen beim Einsatz von Prosulfocarb

Um Verflüchtigung und Abdrift zu vermeiden, sind für den Einsatz von Prosulfocarb die Auflagen NT145, NT146 und NT170 zu beachten. In der Vergangenheit hat die Anwendung im Einzelfall zu Wirkstoff­einträgen in größerer Entfernung von der behandelten Fläche geführt. Die Folge waren Rückstände in benachbarten Gemüse- oder ökologisch angebauten Kulturen sowie Blattschäden an Zuckerrüben.

Auflagen:

  • Düsen der Abdriftminderungsklasse 90 % (Niederdruckbereich von 1,0 bis 2,0 bar) auf der gesamten Fläche,
  • Fahrgeschwindigkeit maximal 7,5 km/h,
  • mindestens 300 l Wasser pro ha Ausbringung
  • nur bei Windgeschwindigkeit von höchstens 3 m/s.

Empfehlungen:

  • Der Einsatz sollte bei Temperaturen unter 20 °C und einer Luftfeuchtigkeit von über 40 % erfolgen.
  • Das Spritzgestänge maximal 50 cm über dem Dammfirst führen, denn zu hochstehende Spritzgestänge bedingen eine Vervielfachung der Abdrift. Faustzahl: 10 cm mehr Gestängehöhe bedeuten schon eine Verdopplung der Drift.
  • Einsatz von speziellen Randdüsen (Lechler = IDKS / Agrotop = AirMix OC), die ein Overspray auf Nachbarflächen durch Änderung des Spritzwinkels von 60 auf 20° verhindern. Bei Dammkulturen wie Kartoffeln müssen aufgrund der höheren Gestängeführung die letzten zwei bis drei Düsen als Randdüsen ausgeführt werden.
  • Keine Behandlungen, wenn der Wind auf eine besonders gefährdete Kultur wie z. B. Gemüse, Zuckerrüben oder auf Flächen mit ökologischem Anbau gerichtet ist.
  • Zusätzlich eine mögliche Ausgasung des Wirkstoffes bei Thermik beachten. Daher keine Behandlungen beim Risiko von Thermik und Windrichtungen in den Tagen nach der Applikation in Richtung von gefährdeten Flächen. Thermik ist kritisch bei großen Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht sowie feuchten Böden.
  • Herbizideinsatz mit benachbarten Gemüse- oder ökologisch wirtschaftenden Anbauern abstimmen.
  • Behandlung aufschieben, wenn die benachbarte Gemüse- oder ökologisch produzierte Kultur unmittelbar zur Ernte ansteht. Das höchste Gefährdungspotenzial besteht dann, wenn Folie/Vlies abgenommen ist und die ersten Gemüsesätze zur Vermarktung anstehen.

Einsatz von Clomazone – Anwendungsbedingungen beachten

Auch beim Einsatz von Clomazone kam es in Einzelfällen zu Wirkstoffeinträgen in angrenzende Kulturpflanzen, an Feldrändern, Gehölzen sowie in benachbarten Gärten. Im Juni 2022 traten einzelne Clomazone-Schäden in NRW auf, teilweise wurden private Anzeigen erstattet. Durch die charakteristischen chlorotischen Flecken auf Nichtzielpflanzen, auch Hecken und Bäume, fällt der Einsatz von Clomazone in der Landschaft optisch direkt ins Auge.

  • Die Anwendung des Wirkstoffs Clomazone darf bei Tageshöchsttemperaturen von 20– 25 °C ausschließlich zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen. Bei über 25 °C darf Clomazone nicht eingesetzt werden (NT127). Beim DWD können die agrarmeteorologischen Bedingungen für den Einsatz von Clomazone abgerufen werden. Für mögliche Fachrechtskontrollen empfiehlt es sich einen Ausdruck von den Einsatzbedingungen aufheben.
  • Für den Wirkstoff Clomazone gilt weiterhin die NT149, d. h. der Anwender muss in einem Zeitraum von einem Monat nach der Anwendung wöchentlich in einem Umkreis von 100 m um die Anwendungsfläche prüfen, ob Aufhellungen an Pflanzen auftreten. Diese Fälle sind sofort dem amtlichen Pflanzenschutzdienst und dem Zulassungsinhaber zu melden.
  • WP740: Vorsicht bei benachbart wachsenden Kulturpflanzen, da Schäden möglich
  • WP744: Schäden an benachbart wachsenden Gehölzen möglich.

Strategien zur Unkrautbekämpfung

Werden Sorten angebaut, die kein Metribuzin vertragen, oder treten auf den Flächen Triazinresistente Unkräuter auf, haben sich Kombinationen aus z. B. 2,5 l/ha Boxer + 2,5 l/ha Bandur oder 2,5 l/ha Boxer + 2,5 l/ha Proman im Vorauflauf bewährt. Zur Resistenzvermeidung sollten Herbizide unterschiedlicher Wirkklassen (HRAC) im Wechsel eingesetzt werden. Beim Anbau metribuzintoleranter Sorten kann flexibler auf vorgegebene Situationen reagiert werden, wie z. B. spät auflaufende Unkräuter oder längere Trockenphasen.

Bei normaler Verunkrautung mit Gänsefuß, Kamille, Vogelmiere und Klette hat sich bis zum Auflaufen der Kartoffeln die Standardtankmischung aus 3,5 l/ha Boxer + 0,3–0,5 kg/ha Mistral bewährt. Noch flexibler lässt sich Arcade einsetzen, denn diese Fertigformulierung aus Boxer und Mistral ist auch für den Nachauflauf zugelassen. Allerdings müssen bei Arcade einige Auflagen beachtet werden und es hat eine Drainageauflage

Unter trockenen Bedingungen stößt die zuvor genannte Standardtankmischung an ihre Grenzen. Dann sollte eine Kombination mit Bandur genutzt werden, da der Anspruch an die Bodenfeuchtigkeit deutlich geringer ist und auch Triazin-resistente Unkräuter erfasst werden. Gänsefuß, Kamille, Klette und Vogelmiere werden mit einer Mischung aus z. B. 2,5 l/ha Bandur + 2,5 l/ha Boxer sicher erfasst. Bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit zeigte die Mischung aus z. B. 2,5 l/ha Proman +2,5 l/ha Boxer in eigenen Versuchen eine sichere Wirkung gegen die genannten Unkräuter.

Mechanisch gegen Unkraut

Sollte kein Herbizideinsatz möglich sein (z. B. Naturschutzgebiete), kann man auch mit Dammhäuflern oder Hackstriegeln arbeiten. Wichtig hierbei ist ein ausreichend abgetrockneter, aber nicht zu trockener, sowie schüttfähiger Boden. Das Pflanzgut muss ideal im Damm platziert sein, damit es zu keinen Verletzungen an Knollen oder Trieben kommt.

Das Abschälen und wieder Aufbauen der Dammflanken kann bei richtiger Einstellung und guten Witterungsbedingungen ebenfalls signifikant zur Unkrautbekämpfung beitragen. Durch das regelmäßige Aufbauen und Abziehen der Dämme in Kombination mit mehrfachen Striegelgängen wird es bei Kulturbeginn zu mehreren Unkrautwellen kommen. Diese sollten durch termingerechte Folgemaßnahmen im Keimblattstadium des Unkrauts bekämpft werden. Der Einsatz der Hacke kann ab dem Keim- bis zum 2 Blatt-Stadium der Kartoffel erfolgen. Spätestens bei beginnendem Knollenansatz sollte kein Einsatz mehr erfolgen um Verletzungen der Rhizome und des Blattmaterials zu vermeiden.

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von Landwirtschaftskammer NRW

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