Elektrische Rollläden nachrüsten

Wer sich das Hochziehen der Rollläden sparen möchte, kann sie elektrisch nachrüsten. Per Rohrmotor in der Rollladenwelle lassen sie sich per Schalter oder Fernbedienung steuern.

Für viele ist es ein tägliches ­Ritual: Am Morgen die Rollläden hochziehen und am Abend sie wieder herunterlassen. Dieses Ritual kann, wenn die Kraft in den Händen nachlässt, anstrengend werden.

Doch die Rollläden lassen sich elektrisch nachrüsten. So fahren sie per Knopfdruck hoch und herunter. Sie lassen sich mit einer Zeitschaltuhr programmieren oder per Fernbedienung bequem vom Sofa steuern.

Wolfgang Sölter, Vorsitzender des Landes­innungsverbandes Rollladen und Sonnenschutz NRW, gibt Tipps, worauf Heimwerker achten sollten.

Die Zugkraft muss stimmen

Der Fachmann empfiehlt einen stabartigen Rohrmotor, der etwa 40 cm lang ist und später in der Welle des Rollladens sitzt. Um den richtigen Motor zu wählen, muss die Zugkraft stimmen. „Ein zu schwacher Motor überlastet schnell, aber auch ein zu starker Motor geht bei Unterforderung ­kaputt“, sagt der Experte.

Das Gewicht des Rollladenpanzers, egal ob Kunststoff oder Aluminium, liegt bei etwa 5 kg/m². Hinzu kommt ein Rollladenwiderstand von 25 % des Gewichtes. „Das macht bei einer Türrolllade von 2,5 m² ein Gewicht von 12 kg. Den Widerstand eingerechnet braucht es einen Motor mit einer Zugkraft von 15 Newtonmeter (Nm)“, nennt Wolfgang Sölter ein Beispiel.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Motorenanbieter. Der Experte empfiehlt den Fachhandel. Denn nur der gewährt eine Garantie von zwei Jahren. Ein Rohrmotor kostet etwa 100 €. Hinzu kommt eine Steuerung von etwa 50 € oder ein Schalter von 10 bis 20 €.

Der Rohrmotor ist knapp einen halben Meter lang und lässt sich in die Welle schieben. (Bildquelle: Jürgen Fälchle/stock.adobe.com)

In den meisten Fällen sind die Wellen der Rollläden Achtkantwellen aus Stahl mit einem Durchmesser von 40 bis 70 mm. Der ­Motor muss zum Durchmesser passen.

Alte Wellen können noch aus Holz sein. „Diese müssen beim Nachrüsten gegen neue aus Metall ­getauscht werden“, erklärt der Fachmann.
Voraussetzung für das elektrische Nachrüsten ist, dass in der Nähe ein 230-V-Anschluss liegt. Für den Motor braucht es eine Stromquelle im Kasten. Außerdem muss Strom bis zum Schalter verlegt werden.

Für die Schalterleitung lassen sich der Auslass des Gurtes im Kasten und für die Montage des Schalters die Stelle des Gurtwicklers in der Wand verwenden. Denn der Gurtwickler wird überflüssig.

Meist hat der Rohrmotor ein 2,5 m langes Kabel. „Die Besonderheit des Kabels ist, dass es nicht drei, sondern vier Adern hat. Rauf, ­runter, Erdung und Neutral“, sagt der Fachmann. Wer damit noch nie zu tun hatte, sollte es vom Elek­triker machen lassen.

Einbau des Rohrmotors

„Die Vorbereitung kann aber jeder selbst übernehmen“, empfiehlt Wolfgang Sölter. Am Rollladen­kasten muss der Heimwerker die Schrauben langsam lösen und vorsichtig öffnen. Denn manchmal entdeckt der Laie nicht alle Schrauben sofort.

Die Tapete sollte vorher mit dem Cuttermesser beseitigt werden. „Ruhig den Staubsauger im Anschlag“, rät der Fachmann. Denn im Kasten sammelt sich nicht nur Staub, sondern auch der Dreck aus Jahrzehnten an.

Die Welle der Rollladen muss aus dem Kasten genommen werden. (Bildquelle: Somfy GmbH )

Dann kann der Rollladenpanzer langsam heruntergelassen werden. Im Anschluss vorsichtig den Gurtwickler ausbauen. Dann wird der Rollladenpanzer von der Welle gelöst und die Welle aus der Führung genommen. Nun lässt sich der Rohrmotor an einer Seite in die Welle vorsichtig einführen.

Die notwendige Verteilerdose kommt in den Rollladenkasten. Hier werden Zuleitung, Motorleitung sowie Schalterleitung eingeführt und verdrahtet. Wie genau, das steht in der Einbauanleitung des Motors. Dabei sollten weder Verteilerdose noch die verlegten Leitungen den Rollladen blockieren.

Wenn nicht die gesamte Welle erneuert werden muss, kann das Gegenlager der Welle so bleiben. Auf der Seite des Antriebslagers sollte eine Holzplatte verankert werden. Auf ihr wird das neue Motorlager samt Halter ausgerichtet und mit Schrauben befestigt. „Direkt auf dem Mauerwerk ist es meist schwierig, Halt zu finden. Außerdem reduziert die Holzplatte die Geräusche des Motors“, erklärt Wolfgang Sölter.

Einstellen der Endlagen

Der Rollladenpanzer ist meist über Stahlbänder mit der Welle verbunden. Sie lassen sich in die oberste Lamelle des Rollladens schieben. Die Stahlbänder auf der Länge des Rohrmotors sollten nur eingehakt bzw. mit kurzen Schrauben oder Nieten befestigt werden. „Mit zu langen Schrauben trifft man den Rohrmotor“, sagt Wolfgang Sölter.

Wichtig ist das Einstellen der Endlagen des Motors – sprich Roll­laden ganz oben oder ganz unten. Wichtige Informationen dazu finden sich in der Betriebsanleitung. Mit einem Inbusschlüssel lassen sich die Endpositionen am Motor einstellen und speichern. Nun noch mal die Funktion des Motors zur Probe laufen lassen. „Erst wenn das Fahren einwandfrei läuft, kann der Deckel des Roll­ladenkastens wieder drauf“, sagt der Experte.

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