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Bauchfellmetastasen

Chance bei Bauchfellkrebs

Hat eine Krebserkrankung der Bauchorgane ins Bauchfell gestreut, gelten diese Metastasen als schwer behandelbar. Doch es gibt Hoffnung auf eine längere Lebenszeit. Zwei spezielle Therapieverfahren machen dies möglich.

Haben Krebserkrankungen der Bauchorgane ins Bauchfell metastasiert, verlängern konventionelle Chemotherapien die Überlebenszeit meist kaum.

Bauchfellkrebs zählt zu den schwersten Krebserkrankungen überhaupt. Lange Zeit galt die Peritonelkarzinose, wie der Tumorbefall des Bauchfells medizinisch lautet, als kaum therapierbar. Doch es gibt Hoffnung.

„Bauchfellmetastasen müssen kein Todesurteil mehr sein“, sagt Dr. Jörg Sauer, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- & Minimalinvasive Chirurgie am Klinikum Hochsauerland in Arnsberg. Seit einigen Jahren wird hier, wie an nur wenigen spezialisierten chirurgischen Zentren, eine noch relativ junge Behandlungsmethode angewendet, die medikamentöse und chirurgische Therapien miteinander kombiniert.

Operation und HIPEC lassen hoffen

Bei dem Verfahren entfernt der Chirurg zunächst in einer meist drei- bis fünfstündigen Operation das befallene Bauchfell. Dabei kann es notwendig sein, dass auch Teile innerer Organe wie Leber, Milz und Darm entfernt werden müssen.

Im Anschluss an diese Peritonektomie wird die Bauchhöhle in der Regel für 60 bis 90 Minuten mit einer erwärmten Chemotherapielösung gespült. Dieser Teil der Behandlung heißt abgekürzt HIPEC und steht für Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie. Zweck der HIPEC ist es, eventuell noch vorhandene Reste von Metastasen und verbliebene mikroskopisch kleine Einlagerungen von Tumorzellen abzutöten.

Das Verfahren ist sehr aufwendig. Die Chemotherapielösung wird über mehrere Zu- und Ablaufdränagen, die im Bauchraum platziert werden, verabreicht. Eine Rollenpumpe, Wärmetauscher und Temperatursonden sorgen dafür, dass die Mittel bei einer Temperatur von etwas über 40 °C gleichmäßig durch den Bauchraum strömen und in Gewebestrukturen eindringen können. Die hohe Temperatur ermöglicht ein tieferes Eindringen der Chemotherapeutika in die möglichen Resttumoren, wo sie das Zellwachstum und die Zellteilung hemmen.

Nach dem Eingriff verbleiben die Patienten meist für einen Tag auf der Intensivstation. Weitere vier Tage verbringen sie auf der Wachstation und werden dann auf die Normalstation verlegt.

Nicht immer möglich

Doch welcher Krebspatient kann von derart aufwendigen Eingriffen profitieren? „Leider lässt sich nicht jeder Patient mit Bauchfellmetastasen heilen“, sagt Dr. Jörg Sauer. Das komplexe Behandlungsverfahren sei nicht bei jedem Patienten durchführbar und sinnvoll.

„Der Patient muss eine Chance auf Heilung haben“, sagt Experte Sauer. Das setzt etwa voraus, dass sich alle Metastasen im Bauchfell sowie auch Tochtergeschwülste beispielsweise in Leber und Lunge gänzlich entfernen lassen.

„Auch darf der Dünndarm nicht oder nur begrenzt durch die Bauchfellmetastasen befallen sein“, informiert der Chirurg. Deshalb spielt neben der Ursache der Bauchfellmetastasen der Schweregrad der Erkrankung bei der Diagnosestellung eine große Rolle.

Patienten vorher ausgesucht

Die Operation gelte zwar als relativ sicher. Der Eingriff erfolge jedoch unter Vollnarkose und dauere viele Stunden. Auch können schwere Komplikationen auftreten, wie Verletzungen beispielsweise an Harnblase und Harnleiter oder Darm. Spätere Infektionen der Lunge oder Blase sowie Komplikationen an der Wunde sind ebenfalls möglich. Somit seien auch das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten zu berücksichtigen.

Die Entscheidung, ob die Therapie dem Patienten empfohlen werden kann, erfolgt in einer speziellen Tumorkonferenz. In dieser beratschlagen sich Fachärzte aus allen onkologisch behandelnden Disziplinen wie Viszeralchirurgen, Onkologen, Gastroenterologen, Gynäkologen, Urologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Pathologen. Bei einer Empfehlung wird diese an den Patienten weitergegeben und die Entscheidung für oder gegen die Therapie gemeinsam mit ihm getroffen.

Wem das Verfahren hilft

Für einige Patienten besteht die Aussicht auf Heilung, was mindestens einer 5-Jahres-Überlebensrate entspricht. „Bei einem Darmkrebs mit Bauchfellmetastasen lässt sich mittels des chirurgischen Eingriffes mit HIPEC in rund 30 % der Fälle ein Langzeitüberleben erreichen“, informiert Dr. Jörg Sauer. Das sei mit einer alleinigen Chemotherapie nicht zu erreichen.

Von dem komplexen Therapieverfahren profitierten aber auch einige Patienten mit Magen- oder Eierstockkarzinom und Bauchfellmetastasierung. Und für viele andere Patienten komme meist noch eine schonende Chemotherapie wie die PIPAC (siehe Kasten) infrage. Dr. Jörg Sauer macht Mut: „Geben Sie nicht auf. Oft gibt es einen Plan B.“

Palliative Behandlung mit PIPAC

Eine alternative Behandlung der Bauchfellmetastasen kann die alleinige Hochdruckvernebelung von Chemotherapeutika in den Bauchraum, kurz PIPAC, sein. Das Verfahren wird überwiegend bei fortgeschrittenem Bauchfellkrebs von Magen-, Eierstock- und Dickdarmtumoren eingesetzt.

Bei dieser Methode werden im Rahmen einer Bauchspiegelung unter Hochdruck Chemotherapeutika im Bauchraum vernebelt. Diese verteilen sich gut und dringen durch den herrschenden Überdruck im Bauchraum sehr tief in die Metastasen ein.

Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv und dauert etwa zwei Stunden. Zur feingeweblichen Untersuchung werden teilweise Bauchfellmetastasen entfernt, jedoch keine Organe. Tritt nachweislich eine Verbesserung bzw. keine Verschlechterung auf, lässt sich die PIPAC fortsetzen.

Der Eingriff ist meist weniger belastend als eine intensive, über die Vene verabreichte Chemotherapie, sodass sich das Verfahren auch für hochbetagte und sehr kranke Patienten anbietet, sowie für Patienten, deren Symptome gelindert werden sollen. Eine Heilung durch die PIPAC ist sehr unwahrscheinlich. Für viele Menschen mit fortgeschrittenen Bauchfellmetastasen ermöglicht sie aber zusätzliche Lebenszeit bei verbesserter Lebensqualität.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie auf den Gesundheitsseiten der Wochenblattausgabe 36/2018.

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