Arbeitsschutz in der Forstwirtschaft

Unfälle bei Waldarbeit: Fachkenntnis beugt vor, Routine weniger

Waldarbeit ist gefährlich, Unfälle enden oft mit schweren Verletzungen. Der Blick auf die Ursachen zeigt: Jahrelange Routine gleicht fehlende Fachkenntnis nicht aus. Und selbst Vollprofis halten eine Regel zu selten ein.

Einen Baum zu fällen klingt erst mal einfach. Es aber fachgerecht und vor allem sicher zu erledigen, erfordert entsprechende Kenntnisse. Schließlich können auch routinierte Arbeitsabläufe grundlegend falsch ablaufen. Das zeigt eine Befragung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) zu Unfallgeschehen bei der Waldarbeit.

Mehr als 70 % der Verletzten haben demnach mehr als zehn Jahre Erfahrung im Umgang mit der Motorsäge – so deren Angabe. Motorsägenlehrgänge hatten neun von zehn der Verunfallten ­absolviert. Jedoch handelte es sich bei etwa der Hälfte der Fälle um ein- bis zweitägige Lehrgänge, also um eine vergleichsweise ­begrenzte Qualifikation. Das gilt besonders für Privatwaldbesitzer.

(Bildquelle: A.Cirkel/Trueffelpix-stock.adobe.com)

Gute Schutzkleidung

Im Untersuchungszeitraum von August 2018 bis August 2019 ereigneten sich 459 Unfälle. Diese wurden mittels Fragebogen von der SVLFG im Zuge der Unfallermittlungen erfasst. Dabei zeigte sich eine Übereinstimmung mit dem bisher bekannten Unfall­geschehen und -aufkommen bei Fällarbeiten mit der Motorsäge – sowohl in den einzelnen Versichertengruppen als auch in den Bundesländern. Insgesamt bestätigen die Zahlen das hohe Unfallgeschehen im Kleinprivatwald.

Was die Ausrüstung betrifft, sind entgegen der Erfahrungen gravierende Mängel mittlerweile die Ausnahme. Bei nur wenigen der Unfälle wurde keine vollständige Persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen. In seltenen Fällen entsprach die getragene PSA nicht den Vorgaben oder war schlichtweg ungeeignet. Dies betraf überwiegend Sicherheitsschuhe ohne Schnittschutz, ab­legereife Schnittschutzhosen und Helme.

Zustand des Werkzeugs wichtig

Der positive Eindruck setzte sich beim Werkzeug fort: Keile, Äxte, Spalthammer und Wendehilfen wurden fast immer bei der Arbeit verwendet. Auch die Motorsägen waren größtenteils neueren Baujahrs. Fast zwei Drittel waren jünger als fünf Jahre.

Gefährlich wird es, wenn die Bäume äußerlich gesund aber durch Fäulnis geschwächt sind. Laut SVLFG waren aber 45 % der Bäume bei Unfallgeschehen „kern­gesund“, 34 % geschädigt oder abgestorben und 21 % Käferholz.

Immer wieder kommen Mängel bei der handwerklichen Arbeitsweise zum Tragen, die zum Kontrollverlust über den Baum führen mit den Folgen, dass der Stamm aufreißt, abrutscht oder sich vom Stock abdreht oder unkontrolliert vorzeitig fällt.

Beim Fällen: Mehr Abstand halten

Wie die Sondererhebung verdeutlicht, tragen die Versicherten im Privatwald mit rund 60 % den größten Anteil am Unfallgeschehen und verfügen zudem am wenigsten über eine entsprechende Qualifizierung. Allerdings haben die Verletzten oft langjährige Erfahrung mit der Baumfällung.

Bei den Unfällen zeigt sich deutlich, dass sich die Verunglückten, unabhängig von der Qualifizierung, also auch bei den ausge­bildeten Forstwirten, zu nah am Baum aufhielten. Das fachkundige Zufallbringen des Baumes, gefolgt von einem angemessenen Zurückweichen sobald der Baum zu fallen beginnt, ist hierbei entscheidend für eine unfallfreie, sichere Fäll­arbeit.

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