Deutsche Holsteinzucht: Neuer Gesamtzuchtwert

RZ€: Der Zuchtwert für wirtschaftlichen Erfolg

Im August wird der erste rein ökonomisch gewichtete Gesamtzuchtwert RZ€ veröffentlicht. Er wird in Euro ausgewiesen. Der Fokus liegt auf Merkmalen zu Produktion, Fitness und Fruchtbarkeit.

Der neue Gesamtzuchtwert für wirtschaftlichen Erfolg, RZ€, macht sichtbar, welche Auswirkungen Zuchtentscheidungen auf das wirtschaftliche Ergebnis eines Milchviehbetriebes haben. „RZ€ ist der erste rein wirtschaftlich gewichtete Gesamtzuchtwert in der deutschen Holsteinzucht“, erklärte Dr. Egbert Feddersen vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS) am Montag in einer Pressekonferenz. Der RZ€ wird auf der Euro-Skala ausgedrückt und für alle Holstein-Besamungsbullen sowie weiblichen Tiere im Rahmen der Herdentypisierung berechnet. Die Euro-Skala bezieht sich auf das ganze Leben einer Kuh, das heißt auf etwa drei Laktationen. Der neue wirtschaftliche Zuchtwert zeigt, was Zucht wert ist.

Leistung und Gesundheit

Der RZ€ konzentriert sich auf die ökonomisch relevanten Merkmale in der Milcherzeugung. Dabei liegt der Fokus des Zuchtwerts auf Merkmalen zu Produktion, Fitness und Fruchtbarkeit. Die Merkmalsbereiche Produktion und Fitness sind im Zuchtwert mit 41 zu 59 gewichtet. Damit hebt er die Gesundheit der Kühe besonders hervor. Die Gesundheitszuchtwerte fließen erstmals in einen Gesamtzuchtwert mit ein. Die Kombination aus Produktions- und Fitnessmerkmalen soll zu einer leistungsstarken Herde führen.

„Gerade in Zeiten von stark schwankenden Milchpreisen und steigenden Produktionskosten ist es wichtiger denn je, die Milchproduktion wirtschaftlich auszurichten“, so Feddersen. Außerdem verliere der Landwirt bei Zuchtwerten für 51 Einzelmerkmale schnell den Überblick. Der Gesamtzuchtwert RZ€ ist deshalb eine gute Lösung: Landwirte haben die Möglichkeit, den wirtschaftlich optimalen Vererber für ihre Herde zu finden und die richtigen Tiere zu behalten. „Der Wert von Zuchtentscheidungen wird greifbar und die Abwägung zwischen unterschiedlicher Genetik leichter.“

Merkmale im RZ€

Milchviehbetriebe verdienen ihr Geld in erster Linie mit der Milchproduktion, deshalb erhält der Relativzuchtwert für Milchleistung (RZM) mit 41 % das stärkste Gewicht im neuen ökonomischen Gesamtzuchtwert, RZ€. Die Milchleistung wird in Fett- und Eiweißmenge gemessen. Ziel ist, leistungsstarke Kühe für eine wirtschaftliche Milchproduktion in der Herde zu haben.

Relative Merkmalsgewichtung im RZ€ (Bildquelle: Cirkel)

Der Zuchtwert für die Nutzungsdauer (RZN) hat im RZ€ ein Gewicht von 27 %. Die Aufzucht eines Kalbes zur Milchkuh gehört zu den größten Kostenfaktoren in der Milchviehhaltung. „Eine Erhöhung der Nutzungsdauer ist wirtschaftlich sinnvoll“, erklärte Dr. Stefan Rensing, Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (vit). Durch die Steigerung der Nutzungsdauer seien Aufzuchtkosten und Remontierungsrate der Herde drastisch zu reduzieren.

Die Gesundheitszuchtwerte (RZGesund) haben eine Gewichtung von 16 % im neuen ökonomischen Gesamtindex. RZGesund erfasst alle wichtigen Produktionskrankheiten. Die hohe Bedeutung im RZ€ verspricht eine stabile Gesundheit in der Herde und geringe Tierarztkosten. Die Fruchtbarkeit spielt in der Milchproduktion eine wichtige Rolle. Nur fruchtbare Kühe werden auch bei hohen Leistungen zeitnah tragend. Die Integration des Relativzuchtwertes Reproduktion (RZR) für die Töchterfruchtbarkeit mit 7 % in den RZ€ ermöglicht fruchtbare Kühe und Färsen.

Der Zuchtwert für Kälberfitness (RZKälberfit) ist mit 6 % im RZ€ gewichtet, damit wird die Gesundheit der Kälber züchterisch unterstützt. Kalbemerkmale fließen mit 3 % in den neuen RZ€ ein. „22 % der Gewichtung liegt auf den neuen Merkmalen: Gesundheitsmerkmale und Kälberfitness“, berichtete Rensing. Der RZ€ enthält weder Exterieurmerkmale noch somatische Zellzahlen. Von April 2021 an, sollen Gesundheitsmerkmale und Kälberfitness auch im Gesamtzuchtwert (RZG) enthalten sein.

Wirtschaftlich abgeleitet

Der RZ€ baut auf eine ökonomische Bewertung der einzelnen Merkmale auf. Grundlage der Kalkulation für jedes Merkmal, das im RZ€ berücksichtigt wird, ist der Grenzgewinn oder Grenzverlust für die Einheit eines Merkmals. Ausgangspunkt für die Berechnung des Gewinn- oder Verlustbeitrags ist eine Durchschnittskuh. Von dieser ausgehend wird berechnet, welcher Gewinn oder Verlust bei der Veränderung einer Einheit eines Merkmals aufgrund besserer oder schlechterer Genetik entsteht. Der Grenzgewinn bezieht sich auf den genetisch bedingten Unterschied zwischen zwei Tieren eines Betriebes oder der unterschiedlichen Vererbung von Besamungsbullen.

Die Grenzkosten oder -erträge wurden vom Rechenzentrum vit mit Daten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, von Betriebszweigauswertungen und Abrechnungsinformationen aus Tierarztpraxen erstellt.


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