Seuchenschutz

ASP: Brandenburg ergreift Maßnahmen

Im Landkreis Spree-Neiße wurde heute der erste Fall Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei einem WIldschwein nachgewiesen. Jetzt arbeiten Behörden, Landwirte und Jäger mit Hochdruck daran, die Seuche einzudämmen.

Anfang der Woche hatte ein Jäger auf einem abgeernteten Maisfeld zufällig einen Wildschwein-Kadaver entdeckt und Proben eingeschickt. Jetzt ist klar: Es handelt sich um den ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei einem Wildschwein in Deutschland. Der Fundort liegt im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg, nur 6 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt.

Kernzone und Gefährdetes Gebiet eingerichtet

Die Behörden in Brandenburg haben heute angekündigt, eine "Kernzone" mit einem Radius von 3 km rund um den Fundort einzurichten. Diese soll spätestens am Montag eingezäunt werden. Vorher sei es aufgrund personeller und logistischer Probleme kaum möglich, den rund 10 km langen Elektrozaun aufzustellen, räumten die Verantwortlichen ein.

Zudem wird ein "Gefährdetes Gebiet" mit einem Radius von etwa 15 km rund um den Fundort ausgewiesen. In dieser Zone sollen Jäger verstärkt nach verendeten Wildschweinen suchen. Die Ernte von noch stehenden Maisfeldern ist hier verboten, um möglicherweise infizierte Schwarzkittel nicht aufzuschrecken und in andere Gebiete zu vertreiben.

Schweinebetriebe sollen auf ASP getestet werden

Innerhalb der Restriktionszone befinden sich 17 schweinehaltende Betriebe mit insgesamt rund 4000 Tieren. Wie der Sender rbb in einer Sondersendung zum Thema ASP am Donnerstagabend berichtete, sollen alle diese Hausschweine zeitnah beprobt werden. Ziel ist es herauszufinden, ob sie sich womöglich bereits mit ASP infiziert haben.

Wie das ASP-Virus nach Brandenburg gekommen ist, ist noch unklar. Aufgrund der Nähe zu Polen ist es jedoch wahrscheinlich, dass das betroffene Wildschwein von dort eingewandert ist. Polen hat seit Jahren mit der ASP zu kämpfen. Allein dieses Jahr sind an 84 im ganzen Land verteilten Hotspots schon 3200 infizierte Wildschweine gefunden und 45.000 Hausschweine gekeult worden.

Laut Virologe Prof. Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Löffler-Institut war der in Brandenburg gefundene Kadaver schon stark verwest, sodass zu befürchten ist, dass sich das Virus schon weiter verbreitet hat.

Bauernverband ruft zu schnellem Handeln auf

Der Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg, Henrik Wendorff, hielt es im Interview mit dem rbb für unbedingt erforderlich, jetzt schnell zu handeln und den Seuchenherd "intelligent" einzugrenzen. Einen Übergriff der Seuche von Wildschweinen auf Hausschweine gelte es unbedingt zu verhindern, damit am Ende keine (Haus-)Schweinebestände gekeult werden müssten. Dafür sei es erforderlich, den Wildschwein-Bestand in der Region auf null zu bringen.

Gleichzeitig forderte Wendorff die Bundesregierung auf, jetzt aktiv zu sein und Gespräche mit den Handelspartnern zu führen, um den Drittlandsexport schnell wieder öffnen zu können. Zudem gelte es, auch die inländischen Absatzwege offen zu halten. "Wir haben heute schon Signale von Schlachthöfen, dass sie Tiere aus der Region nicht mehr abnehmen und Landwirte dann auf den Tieren sitzen bleiben", äußerte sich der Brandenburgische Bauernpräsident besorgt.

Drittlandexporte gestoppt

Deutschland hat jedenfalls seinen Status "ASP-frei" verloren. Erste für den Export wichtige Drittländer hätten bereits Konsequenzen gezogen und die Einfuhr deutschen Schweinefleisches untersagt, zum Beispiel Südkorea. Mit China befinde sich die Bundesrepublik noch in Gesprächen. Doch auch hier ist die Sperre mehr als wahrscheinlich. Im Jahr 2019 hat Deutschland rund 2,4 Mio. t Schweinefleisch exportiert, 0,5 Mio. t davon in Drittländer vor allem in Asien.


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