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DLG-Waldtage: Der Wald braucht „Medizin“

Sturmflächen, Käferfichten und absterbendes Laubholz: Der kranke Wald ­fordert dringend Hilfe. Welche Maßnahmen aktuell die beste Medizin für den Patienten sind, war Schwerpunkt der diesjährigen DLG-Waldtage.

Angesichts der massiven Borkenkäferschäden musste die DLG umplanen: Statt Maschinen für Durchforstungen präsentierte sie während der Waldtage in Lichtenau am vergangenen Wochenende Erntetechnik für die Aufarbeitung von Schadholz.

Für Waldbesitzer und Förster dreht sich derzeit alles um den sterbenskranken Wald. Darum konzentrierte die DLG die dritten Waldtage in Lichtenau (Kreis Paderborn) ganz auf das aktuelle Thema. Zusammen mit den mehr als 200 internationalen Ausstellern zeigte die DLG Harvester und Rückezüge im praktischen Einsatz. Genug Fläche stand dafür auf dem Messegelände bereit, weil vom Borkenkäfer befallene Waldparzellen nicht wie ursprünglich geplant durchforstet, sondern gänzlich geerntet werden mussten. Ein Problem, das viele der mehr als 12.000 Besucher aus der eigenen Praxis kennen.

Mission Wiederaufforstung

Die Schadflächen müssen auch im Sinne des Klimaschutzes schnell wieder aufgeforstet werden, damit die Bäume Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden. Nach Jahren des Schattendaseins rücken die Forstbaumschulen dazu wieder in den Fokus. Nachdem viele Forstbetriebe in der Vergangenheit vor allem auf Naturverjüngung setzten und wenig Pflanzmaterial kauften, sank die Anzahl der Forstbaumschulen. Jetzt nehmen sie eine Schlüsselrolle ein. „Wir haben derzeit eine Mil­liarde Jungpflanzen von 30 Baumarten vorrätig“, sagte Alain Paul, Sprecher der Forstbaumschulen. Dennoch muss aus seiner Sicht die Absprache mit dem Forst verbessert werden, damit die Baumschulen nicht wie bisher bis zu 40 % der Forstpflanzen unverkauft vernichten müssen. Konkret präsentierten die Baumschulen verstärkt vermutlich klimastabilere Baum­arten wie Esskastanie oder Schwarznuss.

Wald und Holz NRW informierte die Besucher in der Sonderschau „Waldbau im Klimawandel“ zudem über Baumarten wie die Lindenblättrige Birke, den Baumhasel oder den Bergmammutbaum.

„Pflanzer“ aus Bayern

Selbst wenn ausreichend Pflanzgut für die Wiederaufforstung bereitsteht, werden Arbeitskapazi­täten fehlen. Deshalb zeigte der Forsttechnikhersteller Pfanzelt eine Lösung für seine Forstraupe Moritz: Sie lässt sich mit einer Sämaschine für den Forst ausstatten. Die Maschine ist für unterschiedliches Saatgut geeignet, von groben Sämereien wie Eicheln und Bucheckern bis hin zu Feinsämereien wie Douglasie. Das ursprünglich für die Saat in stehende Bestände konzipierte Anbaugerät verfügt über ein v-förmiges Fräsrad, das bis zu 15 cm tief in den Boden eingreift. Der Antrieb erfolgt über den vorangebauten Moritz – er treibt das Fräsrad mechanisch über eine Gelenkwelle an, das Särad elektrisch. Mit einem 70 l fassenden Saatguttank kostet die Sämaschine etwa 20  000 €. Neben einem Sägerät liefert Pfanzelt auch eine Pflanzmaschine, passend für Container- oder wurzelnackte Pflanzen.

Starkes Holz sicher fällen

Die Ernte von starkem Schadholz ist aus Sicht des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung eine große Herausforderung. Für mehr Sicherheit soll der Hannibal T50 von Impex sorgen. Der Großharvester kann Starkholz stehend aus dem Bestand entnehmen und an anderer Stelle kontrolliert ablegen.

An der Spitze des 15 m langen Krans hebt Hannibal noch 4,5 t. Das Fällaggregat kann bis zu 90 cm starke Bäume fassen und bearbeiten. Kurz vor der Messe war die ausgestellte Maschine in Buchenbeständen in Thüringen im Einsatz. Bei dieser Baumart sind absterbende Bäume wegen unvermittelt zu Boden stürzender Totäste ein besonderes Problem für die Forstwirte. Weiterer Vorteil: Die Maschine kann dickes Nadelholz entnehmen, ohne die Naturverjüngung oder Kulturen zu beschädigen. Derzeit laufen fünf dieser „Giganten“ im praktischen Einsatz.

Holz aus dem Automaten

Der Absatz von Holz ist derzeit eine Herausforderung. Viele Märkte sind regelrecht überschwemmt, ein Ende ist nicht absehbar. Da sind pfiffige Lösungen gefragt. Der Brennholzverkaufsautomat „Selli“ von Scheifele aus Bretzfeld bei Heilbronn fand regen Zuspruch. Wie übliche Direktvermarkter-Verkaufsautomaten von Eiern, Wurst, Kartoffeln und Fleisch in der Landwirtschaft könnten die Automaten jetzt im Forst Einzug halten. In einzelnen Fächern werden beispielsweise Säckchen mit Anmachholz oder Stapel mit Brennholz eingefüllt. Der Kunde kann sich rund um die Uhr bedienen, bar oder mit Karte zahlen und eines der Türchen öffnen. Das Besondere: Die Außenansicht des Automaten lässt sich individuell zum Beispiel im „Forst-Look“ gestalten.

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