Zum Inhalt springen
12 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Mischwald für morgen

Die trockene Witterung hat den Wald stark geschädigt. Auch in Hessen sind riesige Kahlflächen entstanden. Mit Blick in die Zukunft plant HessenForst deshalb Millionen neuer Bäume zu pflanzen.

HessenForst setzt auf Mischwald: Der Baumartenmix verringert das Risiko der Klimaextreme und sorgt für einen stabilen Wald. Als CO2-Speicher tragen die Mischwälder wesentlich zum Klimaschutz bei.

Stürme, Hitze, Dürre und Schädlinge haben in den vergangenen 18 Monaten den Wald in Hessen extrem geschädigt. Millionen Bäume sterben in rasantem Tempo ab, bereits jetzt ist im hessischen Staatswald eine Fläche von 10.000 Fußballfeldern (mehr als 7000 ha) nahezu entwaldet – eine ökologische Katastrophe. Die Förster sehen sich einer großen Aufgabe gegenüber: den Wald von morgen klimastabil wiederaufzubauen. Allein im Staatswald müssen in den nächsten Jahren mehr als 20 Mio. neue Bäume gepflanzt und schätzungsweise 80 Mio.€ investiert werden. Dafür feilt HessenForst am Programm „Mischwald für morgen“.

Wälder weiter umbauen

Die Lage ist brisant: Bereits in diesem Jahr ist „Käferholz“ in doppelter Menge des üblichen Fichten-frischholz­einschlags angefallen. Zudem verzeichnet HessenForst mehr als 100.000 fm Buchenschadholz.

Die finanziellen Verluste aus schadensbedingtem Mehraufwand und Minderertrag sind erheblich, lassen sich laut HessenForst derzeit aber nur schwer beziffern. Wegen der Störungen in der Waldstruktur befürchten die Förster zudem Auswirkungen auf die übrigen Gemeinwohlfunktionen des Waldes – begonnen bei Einschränkungen der Erholungsfunktion durch Forstarbeiten, Schäden an der In­frastruktur, bis hin zu ökologischen Folgen infolge entstandener Kahlflächen.

„Lebende Forstleute haben eine solche Extremsituation noch nicht erfahren müssen. Es ist für uns kaum zu ertragen, den Wald derart leiden und in Teilbereichen sterben zu sehen – doch vielerorts sind wir gegen die Wetterextreme machtlos“, schildert Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von HessenForst, die Situation. Trotz der angespannten Lage richtet Gerst den Blick nach vorn: Der Wald ist seiner Meinung nach der beste CO2-Speicher. Deshalb wird HessenForst in den kommenden Jahren intensiv in klimastabile Wälder investieren.

Investieren müssen Waldbesitzer buchstäblich in gemischte Waldbestände. Enorme finanzielle Anstrengungen sind nötig. Für die kommenden Aufgaben muss ausreichend Forstpersonal eingesetzt werden, das die Anpflanzung und Pflege mit entsprechendem Fachwissen koordiniert. Dabei benötigen die Waldbesitzer unter anderem Hilfe bei der Pflanzenbeschaffung und der Suche qualifizierter Unternehmer.

An den Standort angepasst?

Im Staatswald plant Landesbetriebsleiter Gerst auf vielen Flächen mit natürlicher Waldverjüngung zu arbeiten und aus dem, was die Natur entstehen lässt, stabile Mischwälder zu entwickeln. Rund die Hälfte der Flächen wird HessenForst aktiv bepflanzen. Denn nicht überall samen sich von Natur aus die Baumarten an, die zum Standort passen, weiß Gerst. Doch sicher ist: Nur wenn die Bäume zum jeweiligen Boden und dem veränderten Klima passen, kann der Wald eine Zukunft haben.

Deshalb werden im Landeswald jetzt zusätzlich mehr als 20 Mio. Setzlinge nötig sein, um den erforderlichen Umbau der Wälder zu fördern. Ein gigantisches Programm, das in den kommenden Jahren hohe zweistellige Millionenbeträge kosten wird.

Heimische und Neubürger

Für die Forstleute vor Ort hat HessenForst gemeinsam mit Wissenschaftlern Entscheidungshilfen für die Waldentwicklung bereitgestellt, die Klimamodelle, Standortdaten und Potenziale der Baum­arten berücksichtigen.

In den nächsten Jahren werden Millionen von Forstpflanzen gebraucht. Eine enorme Herausforderung für die Baumschulen.

Mit diesen Entscheidungshilfen können Forstleute und Waldbesitzer den seit Langem praktizierten Waldumbau zukunftssicher weiterführen. Bereits heimische, an Wärme und Trockenphasen angepasste Arten wie Eiche, Kirsche, Elsbeere oder Spitzahorn werden waldbaulich größere Anteile einnehmen. Aber auch bewährte Baum­arten wie Tannen oder Neubürger wie Douglasie und Roteiche werden zur Mischung kombiniert. Auf Versuchsflächen sollen weitere Baumarten auf ihre Klimatauglichkeit geprüft werden. Gerst ist sich sicher: „Vielfalt erhöht die Chance auf Stabilität. Deshalb streben wir mindesten vier verschiedene Baumarten auf all unseren Forstkulturen an. Ein stabiler Wald für die Gesellschaft ist unser Ziel. Deshalb brauchen wir Mischwald für morgen.“

Mehr zum Thema: