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Tierschutzverstöße

Wieder illegal Filme gedreht

Der WDR berichtete am Wochenende über gravierende Tierschutzverstöße in Schweineställen. Angeblich stammen heimlich gedrehte Filme aus dem Kreis Steinfurt. WLV-Präsident Röring fordert einen Gesellschaftsvertrag zur Tierhaltung.

Der Bauer muss handeln: Ein Tier, das krank ist oder etwa bei Rangordnungskämpfen ernsthaft verletzt wurde, muss aus der Gruppe entnommen und in eine Krankenbucht gebracht, behandelt oder schlimmstenfalls notgetötet werden.

Schwer kranke oder verendende Tiere, mangelhaft ausgestaltete oder fehlende Krankenbuchten – das zeigten Film­aufnahmen, die der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Sonntagabend ausstrahlte. Die Bilder sollen in mehreren Betrieben aus dem Kreis Steinfurt entstanden sein. Wer die Filme gemacht hat, ist unklar, jedenfalls ist dazu jemand in die Ställe eingebrochen oder hat sich widerrechtlich Zutritt verschafft. Vermutlich waren es Mitglieder oder Unterstützer einer Tierrechtler-Organisation.

Eindeutig nicht in Ordnung

Zwar gibt es keine Beweise dafür, dass die Aufnahmen aus den Steinfurter Betrieben stammen, es spricht aber einiges dafür. Ohne Zweifel jedenfalls zeigen die Bilder zum Teil eindeutige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, etwa ein Tier mit einem besonders ausgeprägten Nabelbruch, ein schwer verletztes Tier im Buchtengang ­ohne Versorgung oder extrem fortgeschrittene Stadien von Schwanzbeißerei mit offenen Wunden sowie ein Schwein mit Mastdarmvorfall, augenscheinlich in einem normalen Mastabteil.

Der vom WDR dazu befragte Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers beurteilt die gezeigten Aufnahmen nicht anders. Er sieht Anzeichen für zu spätes Eingreifen der Landwirte bei Erkrankungen oder Verletzungen. Außerdem stellt er fest, dass vielen Tierhaltern die Entscheidung für eine Nottötung schwerfällt oder sie sich zu spät dafür entscheiden.

Zu den Bildern hat Johannes ­Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), wie folgt Stellung genommen: „Die Bilder zeigen überwiegend Krankheitssymptome und Verletzungen an Tieren, die nachweislich tierärztlich behandelt wurden. In einigen Fällen aber hätten zum Beispiel Tiere rechtzeitig notgetötet werden müssen, was vielen Bauern schwerfällt. Dies ist menschlich verständlich, letztlich aber nicht akzeptabel – auch nicht für Landwirte. Ich halte es daher für erforderlich, dass sich unsere Tierhalter hier konsequent fortbilden lassen. Nicht akzeptabel ist außerdem das Fehlen von Krankenbuchten."

Zur Veränderung bereit

Rörind weiter: "Bilder über Missstände in Schweineställen verstärken den Eindruck, dass unsere derzeitige Form der Tierhaltung in zu vielen Fällen nicht den tierschutzrechtlichen Anforderungen entspricht. In der Konsequenz finden wir in der Gesellschaft immer weniger Verständnis für unser Tun. Auch Landwirte wollen die Schweinehaltung so gestalten, dass sie von der Gesellschaft akzeptiert wird.

Wir brauchen daher einen Gesellschaftsvertrag zur Zukunft der Nutztierhaltung – einen Vertrag, der mehr Tierwohl bietet und den Bauern eine wirtschaftliche Perspektive eröffnet. Wir brauchen neue Stallbaukonzepte und einen überzeugenden Vorschlag, wie ein flächendeckender Umbau unserer Ställe finanziert werden kann. Hier ist auch die Wissenschaft gefordert, praktikable Lösungen zu erarbeiten. Die Landwirte sind auf jeden Fall dazu bereit, diesen Weg zu gehen.“

Das Kreisveterinäramt geht den Vorwürfen gegen die Tierhalter nach; mindestens zum Teil werden die Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben, um Straftatbestände zu prüfen und gegebenenfalls zu verfolgen.

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