Wasserbüffel: Spezialisten für feuchte Wiesen

Die Wasserbüffel von Christian Lohmüller pflegen das „Echeler Bruch“, ein renaturiertes Niedermoor in der Warburger Börde. Die ruhigen Tiere mögen das feuchte Grünland mit den Wasserstellen und halten das Naturschutzgebiet zum Beispiel für seltene Wiesenvögel attraktiv.

"Mit zwei Büffelfärsen und einem Leihbullen haben wir vor zehn Jahren begonnen. Heute ist die Herde etwa fünfmal so groß, aber wir sind immer noch ganz verliebt in die Tiere“, beschreibt Christian Lohmüller seine Leidenschaft. Der Nebenerwerbslandwirt aus Borgentreich-Lütgen­eder in der Warburger Börde züchtet seit 2009 Wasserbüffel und pflegt mit seinen Tieren unter anderem das Naturschutzgebiet „Echeler Bruch“. In dem renaturierten Niedermoor würden ohne die Büffelbeweidung harte Gräser und unerwünschte Stauden überhand nehmen. Das feuchte Grünland soll jedoch offen gehalten werden, um seltenen Pflanzen und bedrohten Wiesenvögeln eine Heimat zu bieten.

Büffel mögen Wasser

Hier haben die Büffel offensichtliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Rinderrassen. „Wir halten neben den Wasserbüffeln auch noch eine Angus x Pinzgauer-Mutterkuhherde“, erzählt Christian Lohmüller: Aber im Echeler Bruch kommen die Büffel einfach deutlich besser zurecht. Sie gehen gern ins Wasser, denn die Haut der Büffel ist dicker als beim Hausrind, besitzt aber nur etwa ein Sechstel der Schweißdrüsen. Zur Abkühlung und zur Körperpflege suchen Büffel deshalb gerne Wasserstellen oder Suhlen auf. Kühle Temperaturen machen den Tieren hingegen wenig aus. Im Winter schützt ein langes Fell vor Auskühlung.

Ein Vorteil auf nassen Wiesen sind die harten und breit gespreizten Klauen, die den Tieren in sumpfigem Gelände einen sicheren Stand ermöglichen. Im feuchten Boden hinterlassen die Büffel dabei Trittsiegel, die anschließend von Amphibien als Minitümpel sowie von Heuschrecken und Libellen zur Eiablage genutzt werden.

Gute Landschaftspfleger

Für den Einsatz der Büffel als Landschaftspfleger spricht aber vor allem, dass diese auch Pflanzen mit höheren Zelluloseanteilen verwerten können, auch wenn sie – wie die übrigen Rinder – zuerst die weichen Kräuter und süßen Gräser fressen. Dieses breitere Nahrungsspektrum war auch der Grund, warum die Land­schaftsstation vor gut zehn Jahren auf Christian Loh­müller zukam und ihn auf die Idee mit der Büffelhaltung brachte.

Christian Lohmüller und seine Frau Karin sind immer wieder begeistert von der Zutraulichkeit der Wasserbüffel: Diese wollen regelrecht gekrault werden. (Bildquelle: Waldeyer)

Mit her­kömmlichen (Extensiv-)Rindern wie Highlands wurden Flatter­binsen & Co. nicht ausreichend zurückgedrängt. Das funktioniert mit den Büffeln auch nicht zu 100 %, aber deutlich besser. „Seither pflegen unsere Wasserbüffel das Natur­schutz­gebiet. Dafür ist die Pacht recht günstig“, beschreibt der Neben­erwerber die Abmachung.

Auf den 7,5 ha des Echeler Bruchs hält Lohmüller in diesem Sommer neun Büffelkühe mit Kälbern und einen Zuchtbullen. Geweidet wird von Mai bis Oktober/No­vember – je nach Wetter und Futtergrund­lage. Im Winterhalbjahr sind die Tiere in einer Scheune mit angrenzendem Laufhof untergebracht. Gefüttert wird dann hauptsächlich Stroh, Heu und Grassilage.

Charakter-Zucht

Bei der Zucht seiner Wasserbüffel legt Christian Lohmüller viel Wert auf den Charakter der Tiere: „Die Büffel sind nicht aggressiv, sondern im Gegenteil eher anhänglich und verschmust“, beschreibt seine Frau Karin ihre Erfahrungen. „Es handelt sich aber um Tiere mit enormer Kraft. Deshalb züchten wir wenn möglich stets mit den ruhigsten Tieren weiter“, ergänzt ihr Mann.

Der Zuchtbulle wiegt zurzeit etwa 500 kg. Bei so viel Kraft legt Christian Lohmüller großen Wert auf einen ruhigen Charakter. (Bildquelle: Waldeyer)

Die Fortpflanzung unterscheidet sich übrigens von gewöhnlichen Hausrindern: Da die weiblichen Büffel ansonsten nicht in Brunst kommen, muss zwingend ein Bulle mit der Herde laufen. Die Trächtigkeit dauert anschließend gut zehn Monate. Deshalb gibt es bei Wasserbüffeln im Schnitt zwei Kälber in drei Jahren.

Beim Ohrmarken-Einziehen muss man sich indessen beeilen, beschreibt Christian Lohmüller eine Herausforderung: „Das sollte kurz nach der Geburt passieren, sonst sind die Kälber flott unterwegs. Die Veterinärvorgaben gelten aber für unsere Büffel genauso wie für andere Rinder.“

Wasserbüffel sind sehr langlebige Tiere: Auch alte Kühe mit 25 Jahren bekommen noch Kälber, weiß Christian Lohmüller. Aus Inzuchtgründen wird der Bulle aber nach zwei bis drei Jahren gewechselt, bevor seine Töchter geschlechtsreif werden.

Direktvermarktung

Und was passiert mit den Tieren, die nicht für die Nachzucht benötigt werden? Hier setzt Familie Lohmüller auf einen Mix aus Zuchtviehverkauf und Direktvermarktung. Mastochsen erreichen beispielsweise nach drei Jahren etwa 350 kg Schlachtgewicht. Das Schlachten übernimmt ein Metzger aus dem Nachbarort.

Das Fleisch der Tiere ist bissfest, fettarm und enthält im Vergleich zu „normalem“ Rindfleisch weniger Cholesterin. „Wir sind kein anerkannter Biobetrieb, aber viele Kunden aus der Region freuen sich über die Erzeugnisse aus der extensiven Weidehaltung“, beschreibt Loh­müller die Vermarktungsargumente. Verkauft werden vorzugsweise gemischte Fleischpakete à 10 kg, seit diesem Sommer bietet die Familie aber auch Grillartikel wie grobe Würstchen an. Daneben entwickeln sich die Büffel-Hack­fleisch-­­Pattys zum Verkaufsschlager. Und selbst für die Haut der Exoten finden sich Interessenten, die zum Beispiel Gefallen an einem Büffelfell im Wohnzimmer haben.

Trotz der guten Nachfrage steht bei Familie Lohmüller aber nicht die Vermarktung der Wasserbüffel im Vordergrund: „Wir mögen die urigen Tiere einfach und freuen uns, wenn sie kommen und gekrault werden wollen“, beschreibt Karin Lohmüller ihre Empfindungen. „Und wenn die Fläche bzw. Futter­grundlage es erlaubt, würden wir die Herde sogar noch weiter aufstocken“, blickt ihr Mann Christian nach vorn.

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