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Naturschutz im Bergischen Land

Artenschutz auf Mähwiesen

Landwirte und Naturschützer im Bergischen Land wollen Artenvielfalt auf Mähwiesen fördern: Altes Saatgut und ungemähte Streifen auf größeren Grünlandflächen helfen bedrohten Pflanzen und vielen Insekten.

Intensive Grünlandflächen und Artenschutz? Landwirte und Naturschützer im bergischen Land wollen beides zusammen bringen.

Gut gepflegtes Grünland, dichte Wälder und viele Talsperren prägen den Rheinisch-Bergischen sowie den Oberbergischen Kreis, deren Flächen im Osten und Süden an Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz angrenzen. In dieser regenreichen Grünlandregion haben viele Landwirte zuletzt große Kuhställe gebaut, um ihre Existenz zu sichern. Sie nutzen ihre Flächen recht intensiv. Um eiweißreiches Grundfutter zu erzielen, wird der erste Schnitt regelmäßig Ende April/Anfang Mai geerntet.

Doch der frühe Schnitt mit den blank geputzten Wiesen ist kein idealer Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel. Denn viele Arten und Kleintiere brauchen bis Juli oder August Blühflächen und Deckung, um Samen auszuwerfen oder ihre Jungen großzuziehen. Deshalb haben sich die Landwirte und die zwei Biostationen der Region (in Nümbrecht und Rösrath) Gedanken gemacht, wie man der Natur helfen kann.

Auf der traditionellen Grünland­exkursion des Verbandes der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen (vlf) Waldbröl und der Biologischen Station Oberberg nahmen Landwirte und Naturschützer zwei Flächen in Augenschein, die Modellcharakter für den Artenschutz haben.

Heimische Arten eingesät

Die Stadtwerke Remscheid besitzen eine Wiese, 8 ha, die, umgeben von Wald, im Einzugsgebiet der Neye-Talsperre liegt. Der Pächter hat einen Extensivierungsvertrag mit der Biostation abgeschlossen; er darf die Fläche nur leicht mit Festmist düngen (bis 8 t/ha/Jahr) und erst ab 15. Juni mähen. Das Problem: Trotz langjähriger Extensivierung wachsen bislang vergleichsweise wenige Pflanzenarten auf der Wiese.

Deshalb hat die Biostation im Oktober 2018 vier Streifen in der Wiese (12 m breit) gefräst und dort heimische Arten neu eingesät. „Die Samen sind gut aufgelaufen. Arten wie der Wiesenbocksbart oder Klappertopf werden sich jetzt nach und nach wieder auf der Wiese etablieren“, sagte Biostationsmitarbeiter Olaf Schriever.

Olaf Schriever zeigt den Klappertopf, der nach der Aussaat im Oktober 2018 jetzt wieder auf der extensiv genutzten Wiese bei Wipperfürth-Hülsen wächst.

vlf-Vorsitzender Helmut Dresbach begrüßt die Artenschutzmaßnahme, goss aber auch etwas Wasser in den Wein: „Der Vertragsnaturschutz ist im Prinzip eine gute Sache. Doch die Naturschützer dürfen den Bogen nicht überspannen. Wenn wir fast nichts mehr auf den Flächen ernten, macht das Ganze keinen Spaß mehr.“ Doch zumindest der Aufwuchs auf der Mähwiese in Hülsen verspricht gutes Pferdeheu, wenn das Wetter mitspielt, betonten die Landwirte.

Ungemähter Streifen

Jochen Busch hat auf seiner Wiese bei Hückeswagen einen 6 m breiten Streifen beim ersten Schnitt stehen lassen. Jetzt blühen die Gräser auf dem Streifen. Beim zweiten Schnitt wird der Milchviehhalter die Fläche mitmähen und einen anderen Streifen stehen lassen. „Die Qualität der Silage wird durch den später gemähten Aufwuchs nur unwesentlich schlechter. Ein solcher Trittstein in einer größeren Fläche ist eine einfache und kostengünstige Lösung für den Artenschutz“, betonte Dresbach. Doch auf Dauer, so der Milchviehhalter aus Waldbröl, müssten die Steuerzahler solche Ertragsminderungen ausgleichen.

1400 ha extensiv im Bergischen
200 Betriebe im Bergischen Land bewirtschaften rund 1400 ha Grünland extensiv im Sinne des Naturschutzes. Bei Frühjahrsbeweidung dürfen die Landwirte maximal zwei Kühe, drei Rinder oder zwölf Schafe je Hektar auftreiben. Die Biostation zahlt bei Höhenlage über 200  m 335 bis 430 €/ha, bei unter 200  m 535 bis 680  €/ha. Geeignet für den Vertragsnaturschutz sind insbesondere schmale Tallagen und steile Hänge. Als größte Bedrohung sehen die Landwirte die geplante Düngeverordnung. „Kommt die einzelbetriebliche Bilanzierung, ist der Vertragsnaturschutz in unserer Region tot“, sagt Helmut Dresbach.

Plakate am Feldrand

Am Ende zogen Helmut Dresbach und Kreislandwirt Bernd Schnippering aus Wipperfürth ein positives Fazit: Auch auf intensiv genutztem Grünland können wir Landwirte etwas für den Artenschutz tun. Doch solche oder ähnliche Aktionen müssen Landwirte und Naturschützer der Bevölkerung auch vermitteln. Deshalb hat die Biostation Oberberg Plakate entworfen, die am Feldrand stehen und über den Artenschutz informieren. Schnippering: „Die Plakate mögen die Bürgermeister und Ratsherren in unseren Kommunen und die Gartenbesitzer daran erinnern: Jede Gemeinde und jeder Bürger ist beim Artenschutz gefordert.“

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