Ökolandbau in NRW

Ackerbau mit Herzblut

Warum stellt ein anerkannt erfolgreicher Ackerbauer auf die ökologische Wirtschaftsweise um? Welche Rückschläge hat er bereits verarbeitet? Was läuft besonders gut? Ein Besuch bei einem zuversichtlichen Überzeugungstäter.

Wer Peter Zurmahr auf seinem Hof im beschaulichen Titz-Hompesch im Kreis Düren, westlich von Köln, trifft, der erlebt einen 50-jährigen, in sich ruhenden Landwirt, dem jeder schnell abnimmt, dass er genau weiß, was er will. Der aber auch klar sagt, was ihm nicht gefällt. Das derzeitig gespaltene Verhältnis zwischen Landwirten und Verbrauchern gehört eindeutig dazu. Es war ein Grund, sich mit Ökolandwirtschaft zu beschäftigen.

Hochertragspflanzenbau

Bis vor zwei Jahren hat Zurmahr die Flächen auf seinem viehlosen 75-ha-Betrieb mit Zuckerrüben, Möhren, Kartoffeln und Weizen bestellt. Die wegen des akkuraten Ackerbaus unkrautarmen Flächen bereiten keine großen Probleme, die Lössböden sind super in Schuss und liefern stabil sehr gute Erträge. So weit alles in Ordnung.

Doch der Vollblutackerbauer ist nicht zufrieden. Er ist zum einen davon überzeugt, dass er zu viel von dem realisierten Mehrertrag mit den Lieferanten von Dünger und Pflanzenschutzmittel teilen muss. Zum anderen enttäuscht es ihn sehr, dass die Verbraucher den Lebensmitteln so wenig Wertschätzung entgegenbringen. Es schmerzt ihn auch heute fast körperlich, dass Landwirte überall und von jedem angefeindet werden.

Deshalb hat er vor zwei Jahren entschieden, dass er alternativ wirtschaften will. Seitdem fühlt er sich mehr als je zuvor als Landwirt, der sich darum kümmert, dass es seinem Boden und seinen Pflanzen gut geht. Nach eigener Aussage hat Zurmahr jetzt mehr Zeit als früher, um seine Bestände intensiv zu begutachten und sich dabei genau zu überlegen, wie er aufgespürte Fehlentwicklungen besser in den Griff bekommen kann.

Intensive Vorbereitung

Aber Zurmahr ist kein Träumer. Als der Entschluss reifte, den erfolgreichen konventionellen Betrieb auf Ökolandwirtschaft umzustellen, war dem Staatlich geprüften Landwirt von vornherein klar, dass der schwerwiegende Schritt nur gelingen kann, wenn er bei der Umstellung möglichst wenig Fehler macht. Deshalb hat er sich intensiv mit Experten der Landwirtschaftskammer und des von ihm ausgewählten Verbandes Bioland NRW beraten. Danach hat der Rheinländer selbst etwa einen sehr detaillierten Anbauplan entwickelt.

(Bildquelle: Wochenblatt)

Das Besondere ist die Zusammenführung der einzelnen Schläge in Fruchtblöcke, so lässt sich die Fruchtfolge einfacher konsequent einhalten. Das ist für die Feldhygiene, aber auch für die ausreichende Nährstoffversorgung der einzelnen Früchte unentbehrlich. Denn auch im Ökolandbau gelten hohe Erträge nicht als verwerflich, vielmehr entscheiden sie mit über den wirtschaftlichen Erfolg.

Zusätzlich hat Zurmahr in der Übersicht ausgerechnet, welchen Stickstoffbedarf der gesamte Ackerbau in den einzelnen Jahren hat. Diesen deckt überwiegend der Anbau von Leguminosen ab, ergänzt durch organische Dünger. Er düngt nicht die Pflanze direkt, sondern will vielmehr die Bodenfruchtbarkeit erhalten. So kann er zusammen mit dem Bedarf für Kali und Phosphat den Nährstoffausgleich weit im Voraus planen.

Dies ist gerade für Ökolandwirte aus zwei Gründen ex­trem wichtig: Zum einen müssen sie einen eventuellen Stickstoffzukauf fünfmal so teuer bezahlen wie die konventionell wirtschaftenden Kollegen, zum anderen sind die Zukaufsmengen reglementiert.

Fruchtfolge optimieren

Die aktuelle Fruchtfolge unterscheidet sich deutlich von der ursprünglichen Betriebsorganisation. Vor der Umstellung begann sie mit Zuckerrüben, dann Möhren, Kartoffeln, den Abschluss bildete in der Regel Weizen.

Im Umstellungsjahr 2018/19 steht Kleegras an erster Stelle der Fruchtfolge, um Nährstoffe anzuhäufen. Dann wachsen Körnermais, Winterweizen, Ackerbohnen als weitere Stickstoffsammler, Winterweizen und am Ende Triticale. Vor den Sommerungen versucht Zurmahr nach Möglichkeit, Zwischenfrüchte anzubauen, um das Bodenleben weiter zu aktivieren, so kommt er in dem Jahr auf einen Zwischenfruchtanteil von 16,7%.

Ökoackerbauer Zurmahr lässt den Ackerbohnenaufschlag bis zur Saatvorbereitung wachsen. So speichert die organische Masse die wertvollen Nährstoffe. (Bildquelle: Borgmann)

Der Anteil war höher geplant, das ließ sich aber wegen der trockenen Witterung nicht umsetzen. Zurmahr sät Zwischenfrüchte nur, wenn die Aussicht besteht, dass sie sich gut entwickeln und die erwarteten Ziele erreichen können.

Nach der Umstellung stellt der Ackerbauspezialist die Fruchtfolge ein weiteres Mal um. Sie beginnt weiter mit Kleegras, dann folgen Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Ackerbohnen, den Abschluss bildet Winterweizen. Der hohe Anteil Zwiebeln und Ackerbohnen soll einmal die Unkrautregulierung vereinfachen. Zum anderen erwartet Zurmahr von diesen Früchten eine ordentliche Wertschöpfung, da sie sich Stand heute gut vermarkten lassen.

Mit den Sommerungen ist aber auch die Möglichkeit verbunden, Zwischenfrüchte anzubauen. Zurmahr plant einen Anteil von 50% ein. Er hält diesen Aufwand für notwendig, um die Humusbilanz trotz des umfangreichen Anbaus von Humuszehrern auszugleichen.

Vor Rückschlägen gefeit?

Natürlich läuft auch bei Ökolandwirten nicht alles glatt. So musste Zurmahr auf einer zusammengelegten Fläche sehr unterschiedlich hohe Triticaleerträge hinnehmen. Auf einem Teil hatte er gepflügt und konnte dort ansehnliche 8 t dreschen. Auf dem anderen Teil nach Weizen hat er wegen einer guten Bodengare eine Mulchsaat versucht. Der Bestand hatte sehr früh mit Rosten, vor allem Gelbrost, zu kämpfen. Die Folge war ein enttäuschender Ertrag von nur 2,6 t.

Einen weiteren Rückschlag musste er im Frühjahr bei der Maisaussaat hinnehmen. Da im Ökolandbau keine chemischen Beizen zugelassen sind, haben sich die in der Gegend zahlreichen Krähen über den auflaufenden Mais hergemacht. Nur Einzelpflanzen blieben auf glücklicherweise nicht zu großer Fläche übrig. Aus Sicht des Rheinländers waren die Kosten für eine neue Bestellung mit Mais für den noch zu erwartenden Ertrag zu hoch. Deshalb hat er Kleegras eingesät, das ordentliche Schnitte gebracht hat.

Kooperationen mit Erfolg

Peter Zurmahr arbeitet mit verschiedenen Berufskollegen eng zusammen, sodass beide Seiten davon profitieren.

Zum einen ist er eine Nährstoffkooperation mit einer Biogasanlage eingegangen. Diese erntet bei ihm den Aufwuchs des Kleegrases, den er als viehlos wirtschaftender Betrieb nicht sinnvoll verwerten kann. Im Gegenzug erhält er von der alternativ betriebenen Biogasanlage die gelieferte Nährstoffmenge als Gärrest zurück und kann diesen gut in seinen Kulturen als leicht zu handhabenden Dünger einsetzen. Mit dieser Win-win-Situation scheint Zurmahr sehr zufrieden zu sein.

Ein weiterer Glücksfall ist für den Rheinländer, dass zwei weitere Landwirte aus der Gegend zum gleichen Zeitpunkt mit der Umstellung begonnen haben. Wegen der übereinstimmenden Interessen haben sich die drei Betriebsleiter dazu entschlossen, Maschinen gemeinsam zu nutzen. Dadurch haben sie einerseits gerade in der Umstellungsphase ihreLiquidität geschont, andererseits konnten sie durch die gute Auslastung auf einer Gesamtfläche von immerhin 240 ha Investitionen in leistungsfähige Technik mit guter Ausstattung rechtfertigen.

Zum Maschinenpark gehören heute etwa ein Hackstriegel von Treffler mit 12m Arbeitsbreite, eine 8-m-Dalbo-Cambridgewalze, die sich mit Messerwalzen nachrüsten lässt. Dazu zählt ebenfalls ein dreibalkiger, 4m breiter Grubber mit Scharwechselsystem, der sich schnell unterschiedlichen Bodenverhältnissen anpassen lässt. Besonders schätzt Zurmahr eine pneumatische Scheibenschardrille mit Andruckrollen, die seiner Meinung nach höchste Auflaufergebnisse ermöglicht. Die Gemeinschaft verfügt auch über einen eigenen Mähdrescher.

Weitere Aussichten

Peter Zurmahr ist mit seiner aktuellen Situation spürbar zufrieden. Vor allem genießt er es, sich intensiv um seine Bestände kümmern zu können. Da ihm viele Hilfsmittel aus dem konventionellen Pflanzenbau nicht zur Verfügung stehen, ist sein ackerbauliches Können heute von noch größerem Wert als vor der Umstellung.

Ein starkes Kleegras stellt viele Nährstoffe zur Verfügung und hält so die gesamte Systemleistung hoch. (Bildquelle: Borgmann)

Der Ökoackerbauer sieht erwartungsvoll der Ernte 2021 entgegen, dann kann er zum ersten Mal sogenannte A-Ware, also anerkannte Bioprodukte verkaufen. Den Umstellungsfutterweizen kann er als Verbandsmitglied im Moment für maximal 24 €/dt verkaufen. Dagegen bringt ein guter Ökobackweizen etwa 38 €/dt.Auch wenn sich der Rheinländer rechtzeitig vor der Ernte mit Vermarktern über Erntemengen abspricht, hält er eigene Lagerkapazitäten für vorteilhaft, um den Verkaufszeitpunkt frei festlegen zu können. Die Partner der Maschinenkooperation denken deshalb über entsprechende Investitionen nach. Eine Direktvermarktung ist nach der Umstellung hinten angestellt, weil Zurmahr sich zunächst um den Anbau und die Vermarktung von Speisekartoffeln für die LEH-Bioschiene kümmern will. Außerdem nimmt das Handling des Vermehrungssaatgutes viel Zeit in Anspruch.

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