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Verschärfung der Düngeverordnung

Verschärfung der Düngeverordnung: Jetzt geht’s ums Ganze

Wochenblatt-Chefredakteur Anselm Richard.

Die Empörung ist groß. Was die Bundesregierung als Vorschlag für die Weiterentwicklung der Düngeverordnung nach Brüssel gegeben hat, ist ein Schlag ins Gesicht der Landwirte. Nun gilt: Raus aus der Verteidigungshaltung, hinein in eine neue, offensive Rolle.

Nachdem vor gerade einmal einem Jahr die strengeren Regeln in Kraft getreten sind, kündigte Ministerin Klöckner völlig überraschend eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung an. Die Landwirtschaft, vor allem die Veredlungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, steht damit vor einem Wendepunkt. Sie muss erkennen, dass Gesetze und Verordnungen über ihren Kopf hinweg beschlossen werden. Nicht selten, ohne dass Fachleute zurate gezogen werden. Dann kommt dabei nichts Gutes her­aus, sondern Ideologie in Juristendeutsch.

Raus aus der Verteidigungshaltung

Richtig ist deshalb die Entscheidung des WLV, schnell eine Großveranstaltung, einen Bauerntag einzuberufen, bei der die Landwirte und ihre Familien sich sammeln und öffentlichkeitswirksam Flagge zeigen. Raus aus der Verteidigungshaltung, hinein in eine neue, offensive Rolle. Zum einen geht es darum, auch die letzten Berufskollegen wachzurütteln und ihnen die Bri­sanz der Lage zu vermitteln. Vor allem aber muss ein Zeichen der Gesellschaft gegenüber gesetzt werden. Ein Signal der Offenheit, aber auch des Selbstbewusstseins, ähnlich wie es die Offensive Nachhaltigkeit des WLV schon einmal geleistet hat.

Ran an die Grund­satzfragen

Regina Selhorst trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie sagt, dass es um die ganz großen Dinge geht. Heute ist es die Düngeverordnung, morgen wieder Glyphosat, übermorgen Antibiotika, dann die Tierhaltung überhaupt. Die Landfrauenpräsidentin plädiert dafür, mit den Kritikern der Landwirtschaft jetzt ganz klar die Grund­satzfragen zu diskutieren. Die könnten beispielsweise so aussehen: Wollt ihr weiter eine Landwirtschaft in der Form, wie wir sie kennen? Dann legt uns nicht immer wieder Steine in den Weg! Wenn nicht, wie soll Landwirtschaft in Zukunft aussehen? Bäuerliche Familienbetriebe brauchen Leitlinien, die nicht ständig über den Haufen geworfen werden. Oder wollt ihr auf die Lebensmittelproduktion im eigenen Land ganz verzichten und nur noch Naturschutzflächen mit Museumslandwirtschaft haben? Dann werden die Landwirte sich zurückziehen. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch Wirtschaftlichkeit. Der Beruf des Landwirts ist kein Hobby!

Gesellschaft in der Pflicht

Für Pflanzenschutzmittel, organische und mineralische Dünger, für moderne Ställe und Hightech in der Landwirtschaft gibt es gute Argumente. Sie nützen aber nichts, wenn nur Sprachlosigkeit und Misstrauen herrschen. Landwirte müssen sich öffnen, aber sie haben auch das Recht, gehört zu werden, das Recht auf eine ehrliche und respektvolle Behandlung. Hier ist die Gesellschaft in der Pflicht. Und diejenigen, die sich immer wieder Freunde der Bauern nennen, sollten ihnen dann auch wirklich zur Seite stehen und sich nicht wegducken, sobald es schwierig wird. Das gilt für die Geschäftspartner im vor- und nachgelagerten Bereich genauso wie für die politischen Parteien mit dem C im Namen.

Ja, es geht ums Ganze. Die heimische Landwirtschaft ist zu wertvoll, als dass man sie einfach abschaffen dürfte.

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