Erstes Geflügelschlachtmobil in Hessen

Der Schlachter kommt zum Huhn

Marcel und Lisa Emrich aus dem hessischen Wetteraukreis sind seit Kurzem mit einem Geflügelschlachtmobil unterwegs. Mit dem Pilotprojekt sollen lange Tiertransporte vermieden und die Regionalvermarktung gefördert werden.

Vorgestellt wurde der neue Service am 25. August bei einem Pressetermin mit Hessens Umweltstaatssekretär Oliver Conz, der sich in Ortenberg-Usenborn vom Marcel und Lisa Emrich sowie Amtstierärztin Dr. Veronika Ibrahim erklären ließ, wie das System der mobilen Geflügelschlachtung funktioniert.

Mangel an Schlachtstätten

Viele Hühnerhalter suchen vergeblich eine nahe gelegene Schlachtstätte, die auch eine geringe Anzahl von Hühnern oder Hähnchen für sie schlachtet, beschrieb die Amtstierärztin die Lage. Ausgestallte Legehennen aus Hessen werden demnach zum Teil über Zwischenhändler zu Schlachtbetrieben nach Niedersachsen oder gar Belgien gefahren. Auch Legehennen oder Freilandmasthähnchen aus Hühnermobilen, die regional direkt vermarktet werden sollen, mussten für Schlachtung bisher oft bis nach Nordhessen transportiert werden. Deshalb habe das Land Hessen zusammen mit der Gerty-Strohm-Stiftung und der Ökomodellregion Wetterau das Geflügelschlachtmobil auf den Weg gebracht. „Jetzt kann die Schlachtstätte zum Huhn kommen, die Tiere müssen nicht mehr zur Schlachtstätte gefahren werden“, erklärte der Staatssekretär.

Drei Mobile in Deutschland

Diesen Service erledigt ab sofort Familie Emrich. Der Betrieb ist 2009 in die Gallowayzucht und -haltung eingestiegen, 2017 kamen die ersten Limousinkühe hinzu, 2019 ein Mobilstall für Legehennen sowie ein Hofladen zur Direktvermarktung. Als im Frühjahr 2020 ein Betreiber für das Geflügelschlachtmobil gesucht wurde, boten Lisa und Marcel Emrich an, diese Aufgabe zu übernehmen. „Schließlich suchten wir selbst auch eine Möglichkeit, unsere Hühner nach abgeschlossener Legephase schonend zu schlachten, um sie anschließend zum Beispiel als Suppenhühner regional zu vermarkten. Wir wissen, dass dies vielen Berufskollegen so geht. Deshalb ist der Bedarf für diese Dienstleistung vorhanden“, erklärt der Betriebsleiter, der die Schlachtung dank der nötigen Sachkunde erledigen darf. Anfragen zum neuen Schlacht­service gibt es bereits einige: Aus der hessischen Umgebung, aber auch von Betrieben beispielsweise aus NRW. Schließlich sind Schlachtmobile in Deutschland noch sehr wenig verbreitet: Sie wisse neben dem neuen hessischen Modell lediglich von einem Anbieter in Niedersachsen und einem in Baden-Württemberg, erklärte Dr. Veronika Ibrahim.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Wochenblatt-Ausgabe 36 vom 3. September.


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