Zum Inhalt springen
9 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Öffentlichkeitsarbeit

Klimapilger spontan zu Besuch

Zugegeben, die Geschichte klingt etwas kurios. Aber sie zeigt, dass Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft oftmals keine große Bühne braucht.

Öffentlichkeitsarbeit ist..., ... wenn Landwirte spontan einladen. Klima­pilger waren auf dem Hof Selhorst in Ascheberg-Herbern.

Ein evangelischer Kirchentag, zwei Resolutionen, 30 Klimapilger, zwei Lamas, viele Schweine, ein Ersatzteil und der Zufall sind die Zutaten dieser Geschichte. Schauplatz ist der Hof Selhorst in Herbern, Kreis Coesfeld.

Resolution der Landfrauen

Es ist der 17. Juni. Regina Selhorst, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes, sitzt am Schreibtisch. Vor ihr liegt die Resolution des Deutschen Landfrauenverbandes zur Einführung des bundesweiten Schulfachs zur Alltags- und Lebensökonomie. Diese Forderung wird die Westfälin fünf Tage später auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund auf einem hochkarätig besetzten Podium einbringen.

Zur Resolution der Landfrauen für mehr Wertschätzung für Lebensmittel geht es hier.

Das Telefon klingelt. Die Landfrau muss ins nahegelegene Ascheberg fahren. Auf dem Rückweg trifft sie in Herbern zufällig eine Gruppe mit zwei Lamas. Es sind Ökumenische Pilger für Klimagerechtigkeit, kurz Klimapilger. Die Lamas führen sie als Begleittiere mit und um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Die 30 Teilnehmer sind auf dem Weg nach Dortmund. Auch sie haben für den Kirchentag eine Resolution vorbereitet. Sie fordern, die Ziele des Pariser Klimaabkommens konsequent umzusetzen.

Eis und kontroverse Diskussionen

„Ich dachte mir, eine Erfrischung tut ihnen bestimmt gut", schildert Regina Selhost die Begegenung. Ohne lange zu überlegen, lädt die Landfrau die Gruppe zu sich auf den Hof ein. Dort angekommen, gibt es für alle Kaffee und Eis. Man kommt ins Gespräch. Gäste und Gastgeber stellen sich vor, diskutieren kontrovers über Schweinemast, Tierhaltung und Medikamenteneinsatz. „Als Klimapilger stehen wir der konventionellen Landwirtschaft in Bezug auf die Auswirkung auf Klimagerechtigkeit kritisch gegenüber“, untermauert Constanze Latussek, Sprecherin der Klimapilger, den Standpunkt. Regina und Benedikt Selhorst berichten, wie es auf ihrem Betrieb ist. „Ohne Wirtschaftlichkeit gibt es für uns keine Nachhaltigkeit“, konstatieren die Landwirte.

Benedikt Selhorst führt die Gruppe in den Schweinestall – zur Verwunderung aller, denn niemand hätte gedacht, dass der Landwirt ohne Voranmeldung die Türen öffnet. Hinterher sagten einige aus der Gruppe, dass sie sich einen Schweinemastbetrieb so nicht vorgestellt hätten. „Euren Tieren geht es gut.“

Anderer Blick auf die Landwirtschaft

Landfrau Regina Selhorst zieht nach dem persönlichen Erlebnis ein positives Fazit: „Landwirte sind die besten Botschafter.“ Benedikt Selhorst ergänzt: „Landwirtschaft muss authentisch sein.“ Klimapilgerin Latussek kommentiert: „So viel Offenheit ist selten. Wir sind sehr überrascht und dankbar für die Einladung und die Offenheit der Familie Selhorst. Das gemeinsame Gespräch hat uns neue Perspektiven auf die Landwirtschaft eröffnet und zum Nachdenken angeregt."

Gestärkt und mit einem anderen Blick auf die Landwirtschaft setzten die Klimapilger ihre Reise nach Dortmund fort. Jetzt zusätzlich im Gepäck: Unterschriften für ihre Resolution und die Forderungen der Landfrauen nach einer höheren Wertschätzung von Lebensmitteln.

Die Klimapilger haben zu ihrem Besuch auf dem Hof Selhorst einen Beitrag geschrieben.