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Jubiläum

60 Jahre im Dialog zwischen Stadt und Land

Der Verein "Stadt und Land" bringt Menschen aus der Stadt mit Menschen vom Land zusammen - und das seit 60 Jahren.

Auf dem Hof Kortenbruck feierten Vertreter aus Politik und Verbänden das 60-jährige Bestehen von Stadt und Land.

Seit nunmehr 60 Jahren fördert Stadt und Land NRW e. V. den Dialog zwischen Menschen aus der Stadt und vom Land. Beim Jubiläum auf dem Betrieb Kortenbruck in Bergkamen-Heil (Kreis Unna) würdigten Vertreter, Unterstützer und Netzwerkpartner aus Politik und Verbänden die Bedeutung des Vereins.

„Wir bringen Menschen zusammen. Mehr als 116  000 Menschen aus Stadt und Land nahmen an 3700 Veranstaltungen teil“, zog Dr. Andreas Quiring, Vorsitzender des Vereins Stadt und Land NRW, vor 50 Ehrengästen eine beachtliche Bilanz der Aktivitäten der zurückliegenden 60 Jahre.

Der Leitgedanke von Stadt und Land

Der Verein Stadt und Land, dessen zentrales Element der Lernort Bauernhof ist, wurde am 1. Oktober 1959 gegründet. Der Leitgedanke von damals „das Verständnis der Menschen in Stadt und Land füreinander zu fördern, um Vorurteile abzubauen und Missverständnisse zu beseitigen, indem sie sich treffen, miteinander sprechen und Einblicke in die jeweiligen Lebenswelten erhalten“, ist dabei offenbar aktueller denn je.

Kaum Kontakt zur Landwirtschaft

„Der Blick auf die Landwirtschaft hat sich nicht zum Guten geändert“, gab NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser in ihrem Grußwort zu bedenken. Landwirte erfahren heftige Kritik für die Arbeit – die Produktion von Nahrungsmitteln – auf ihrem eigenen Grund und Boden, monierte die Ministerin. Außerdem hätten Verbraucher kaum noch Kontakt zu Landwirten. Deswegen sei das Engagement von Stadt und Land so wichtig, lobte Heinen-Esser.

Dem schloss sich Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, mit einem Blick zurück an: „Der Verein Stadt und Land dachte damals schon nach vorne. Denn bereits vor 60 Jahren sahen Leute ein Auseinanderdriften von Stadt- und Landbevölkerung.“

Die besten Botschafter

Dass immer weniger Menschen wissen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert, sagte auch Dr. Anke Philipp, Leiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung Mönchengladbach. Sie betonte, wie wichtig die Einrichtung Stadt und Land in der Lehrerausbildung ist und betonte dabei besonders die pädagogische Bedeutung des Lernortes Bauernhof.

Diese Einrichtung sei wichtig, um aus Kindern mündige Erwachsene zu machen. Das Überzeugendste sei bei den Hofbesuchen gar nicht die professionelle und moderne Technik, sondern der Landwirt selbst, der zeigt, was er leistet. „Es sind die Personen, die Vertrauen vermitteln. Jeder Landwirt ist ein Botschafter“, unterstrich Regina Selhorst, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes.

Heinz-Dieter und Brigitta Kortenbruck, auf deren Betrieb das Jubiläum Freitag stattfand, können das nur bestätigen. Seit fast 30 Jahren engagiert sich Heinz-Dieter Kortenbruck für Lernort auf dem Bauernhof. „Immer wieder merke ich die Unwissenheit von Außenstehenden in der Landwirtschaft“, erklärt der Landwirt seine Motive, „das treibt mich immer wieder an, die Türen zu öffnen und unser Tun in die Bevölkerung zu tragen.“

Unter neuer Leitung

Bei Stadt und Land NRW gab es im Mai dieses Jahres einen Wechsel in der Geschäftsführung.Mehr als drei Jahrzehnte prägte ­Ingrid Gertz-Rotermund die Arbeit des Vereins. Ihr Hauptaugenmerk war immer, Menschen aus der Stadt und vom Land miteinander ins Gespräch zu bringen. Ein großer Verdienst gilt ihr, dass sich der Lernort Bauernhof in NRW als anerkannte Bewegung etablierte und anderen Bundesländern ein Vorbild ist. Am 1. Mai trat Ingrid Gertz-Rotermund nach 35 Jahren Leitung den Ruhestand an. Neuer Geschäftsführer ist Hubert Koll.