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Böckstiegel-Museum in Werther

Das Land in allen Farben

Leben und Werk des Malers Peter August Böckstiegel präsentiert das neue Museum, das im August 2018 in Werther, Kreis Gütersloh, eröffnet worden ist.

„Elternhaus mit Kornstiegen“ – ein Gemälde Böckstiegels aus dem Jahr 1928

Was lange währt, wird endlich gut – dieser Spruch lag in der Luft, als Ende August dieses Jahres in der Bauerschaft Arrode bei Werther das „Museum Peter August Böckstiegel“ eröffnet worden ist. Denn fast genau zehn Jahre ist es her, dass sich im Kreis Gütersloh eine Stiftung gegründet hat, die auf dieses Ziel hingearbeitet hat: nämlich dem Maler Peter August Böckstiegel (1889–1951) ein Museum an seinem Geburts- und langjährigen Lebensort, am elterlichen Kotten in der Bauerschaft Arrode zu errichten.

Nach offiziellen Angaben kostete der Museumsbau rund 3,8 Mio. €. Etwa ein Drittel wurde von Sponsoren und privaten Spendern beigesteuert. Rund 600  000 € stammen aus Fördermitteln, unter anderem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der NRW- Stiftung Heimat, Natur und Kultur.

Dem Land verbunden

Böckstiegel zählt zu den profiliertesten Künstlern des Expressionismus – und saß doch zwischen allen Stühlen. Den einen waren seine Bilder zu schrill und zu bunt, „Malwut“ und „Farbenkreischerei“ warfen ihm Kritiker vor. Den anderen war er zu ländlich, zu bäuerlich – und zu weit weg von der abstrakten Glätte etwa des Bauhauses oder der „Neuen Sachlichkeit“. Mit diesen damals angesagten Stilen konnte Böckstiegel wenig anfangen. Er suchte seine Motive zumeist dort, wo er groß geworden ist: auf dem Land, in Westfalen. Seine Eltern waren Kleinbauern und Leineweber, ihrer Welt blieb er zeitlebens verbunden.

Landarbeiter beim Aufstellen von Kornstiegen, Frauen aus der Nachbarschaft, Schnitter bei der Pause am Feldrand – das war seine Welt, die er in allen Farben festhielt. Als „Bauern-Maler“ ist er bezeichnet worden, aber damit waren weder „Blut-und-Boden-Kult“ noch eine stilisierte Land-Idylle auf Hochglanzpapier gemeint.

Den elterlichen Kotten hat der Maler in kräftigem Dunkelrot getüncht.

Heraus aus der Enge

Was ihn umtrieb und was er schuf, das ist nun im neuen Museum zu sehen – wenige Schritte vom elterlichen Kotten entfernt, den Böckstiegel später als Wohnort und Atelier umbaute. In die leicht hügelige Landschaft der Bauerschaft Arrode hat das Architekturbüro „h. s. d. architekten“ aus Lemgo einen quadratischen Museumsbau gesenkt. Holz, Edelstahl, Glas und fränkischer Muschelkalk prägen die Fassade des Neubaus. Er steht dort, wo Böckstiegel seinerzeit oft in freiem Feld die Staffelei aufgestellt hat. Seinen Blick also nehmen nun die Besucher ein, wenn sie in der Eingangshalle durch große Glasfenster auf die Streuobstwiese, auf den Wald mit seinen hohen Buchen und auf den elterlichen, vom Maler rot getünchten Kotten blicken.

Holz, Glas und Muschelkalk bilden gegenüber die Fassade des neuen Museumsbaues.

Mittelpunkt des zweigeschossigen Baues ist ein etwa 240 m2 großer Ausstellungsraum. Dort sollen wechselnde Ausstellungen zu anderen Malern und Themen gezeigt werden. Der Auftakt gebührt natürlich Böckstiegel: Unter dem Titel „Ausdruck seines Ursprungs“ ist eine Auswahl von rund 75 Ölgemälden, Holzschnitten, Grafiken und Skulpturen zu sehen. Die Stücke haben nun endlich Platz erhalten und können in den neuen Räumen Wirkung entfalten.

Neu entdeckte Bilder

Neben Bekanntem sind auch Neuentdeckungen zu sehen. So sind einige Leihgaben aus Privatbesitz erst jetzt, in der Vorbereitung zur ersten Ausstellung, aufgetaucht. Der Nachlass des Malers, der ebenfalls von der Stiftung betreut wird, umfasst mehr als tausend Werke – das sehens- und besuchenswerte Haus in Arrode wird sicherlich noch einige Überraschungen zutage fördern.

Gut zu wissen
Das „Museum Peter August Böckstiegel“ (Schlossstraße 109/111) in Werther, ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt kostet pro Person 6 €, ermäßigt 4 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.
Der Weg zum Museum ist in Werther ausgeschildert. Man sollte diesen Schildern folgen – das Navi kann unter Umständen einen weiten Umweg und verschlungene Wege durch die Bauerschaft empfehlen.
Parkplätze liegen etwa 100 m entfernt von Museum. Direkt am Eingang befinden sich zwei Behinderten-Parkplätze.
Weitere Informationen zu Führungen, Sonderausstellungen, Vorträgen und anderen Ange­boten unter Tel. (0  52  03) 32  97 oder auf der Internetseite des Museums.

www.museumpab.de