Pflanzen im Klimawandel

Forsythien blühen früher

Im Münsterland blühen die ersten Forsythien. Das ist ungewöhnlich früh. Ein Blick in die Datensammlung des Deutschen Wetterdienstes bestätigt: Die Pflanzenwelt ist im Frühlingsmodus.

Was die Pflanzen übers Klima sagen, wird für Forscher immer wichtiger. In diesem Jahr sind die Signale aus der Natur eindeutig: Vielerorts sind Zwiebelblumen, Stauden und Gehölze im Frühlingsmodus. Messbar und vergleichbar wird das anhand der Pflanzenentwicklung im Jahreslauf. Das ist sogar eine eigene Wissenschaft, genannt Phänologie. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet Lehre von den Erscheinungen. Beim Deutschen Wetterdienst sind Daten zu Pflanzenwachstum und Entwicklung Teil der nationalen Klimadatenbank. Die meisten Aufzeichnungen gehen zurück bis ins Jahr 1951; zudem existieren vereinzelte historische Aufzeichnungen.

Vorfrühling fast vorbei

Die aktuell ersten blühenden Forsythien im Münsterland sind ein bundesweiter Trend zum frühen Frühlingsstart in diesem Jahr. Das zeigt ein Blick auf die Phänologische Uhr des Deutschen Wetterdienstes. Diese umfasst zehn Jahreszeiten: jeweils drei Frühlings- , Sommer- und Herbststadien sowie den Winter. Der Beginn jeder Jahreszeit wird durch bestimmte Pflanzenerscheinungen markiert und lässt Rückschlüsse auf eine Veränderung des Klimas zu. Dazu einige aktuelle Messdaten aus ganz Deutschland:

  • Der Erstfrühling beginnt für Pflanzenbeobachter mit der Forsythienblüte. Im langjährigen Mittel startet sie am 26. März. In diesem Jahr wurden die ersten blühenden Forsythien am 15. Februar gemeldet. Die phänologischen Informationen des Deutschen Wetterdienstes werden regelmäßig aktualisiert..
  • Der Vorfrühling, gekennzeichnet durch die Haselblüte, begann in diesem Jahr am 24. Januar und geht aktuell zu Ende, ein Schlusseintrag fehlt aber noch im Phänologischen Kalender 2020. Im langjährigen Mittel dauert der Vorfrühling 42 Tage und geht bis weit in den März.
  • Der phänologischer Winter 2020 war extrem kurz. Als Kennzeichen aus dem Pflanzenreich ist der Blattfall bei Stieleichen festgelegt. Danach dauerte der Winter 2020 nur 24 Tage im Januar. Im langjährigen Mittel ist der phänologische Winter 98 Tage lang und dauert von November bis Februar.

Phänologische Gärten

Bundesweit gibt es eine Reihe phänologischer Gärten; 25 von ihnen wirken beim Netzwerk Internationaler Phänologischen Gärten unter dem Dach der Humboldt Universität Berlin mit. Einer befindet sich beispielsweise am Versuchs- und Bildungszentrum für Landwirtschaft Haus Riswick in Kleve. Hier steht je ein Exemplar von 40 festgelegten Gehölzen und Sträuchern auf einer Wiese. Mitarbeiter des Zentrums zeichnen im Jahresablauf die periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen der Zeigerpflanzen auf. Jahr für Jahr wird notiert, wann beispielsweise die Blattentfaltung einsetzt, wann die Blüte beginnt, auf dem Höhepunkt und beendet ist, wann Früchte reif werden, wann sich die Blätter verfärben, wann sie abfallen und so weiter. In der Nähe jedes Phänologischen Gartens befindet sich eine Wetterstation. Denn die Pflanzenentwicklung lässt sich nur deuten werden, wenn man weiß, wie das Wetter zu dem Zeitpunkt war.

Wichtige Beobachter

Ergänzt werden die Daten aus den Phänologischen Gärten durch Angaben von ehrenamtlichen Pflanzenbeobachtern. Laut Wetterdienst sind etwa 1200 phänologische Beobachter im Dienste der Klimaforschung tätig. Laufend werden weitere Naturliebhaber für diese Aufgabe gesucht. Ansprechpartner für Interessenten ist beim Deutschen Wetterdienst: Anja Engels, Tel.: (069) 8062 – 2946, E-Mail: phaenologie@dwd.de.


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