Grüner Ortskern

Ein Garten fürs Dorf

Muss das letzte freie Fleckchen Erde im Ort besiedelt werden? Nein, meint ein Bürgerverein in Wettringen. Er legt auf einem „Filetgrundstück“ einen Gemeinschaftsgarten als Treffpunkt für viele an.

Braucht eine ländliche Gemeinde wie Wettringen im Kreis Steinfurt einen Gemeinschaftsgarten? Hier hat doch fast jeder einen Garten. „Nicht jeder hat einen Garten und wenn doch, ist es manchmal nur eine kleine Reihenhausparzelle“, kontert Anne Hartmann. Die Fachinformatikerin und Mutter von zwei Kindern gehört zum Planungsteam des Gemeinschaftsgartens in Wettringen. Sie ist überzeugt: In einer Gruppe macht das Gärtnern mehr Spaß und ist lehrreich, wenn viele ihr Wissen einbringen. Auf einem 4000 m2 großen Grundstück, nah am Ortskern der Gemeinde mit rund 8200 Einwohnern gelegen, entsteht der ­Garten. Träger ist der Verein „Wettringen-Selbst-Bewusst“ – ein seit neun Jahren bestehendes Netzwerk von Bürgern und Vereinen, die sich für eine gesunde Lebensweise einsetzen. Das Grundstück an der Burgsteinfurter Straße hat der Verein selbst ausfindig gemacht, nachdem die Gemeinde Wettringen auf Nachfrage keine passende Fläche zur Verfügung stellen konnte.

Anne Hartmann und Martin Verhoff vom Wettringer Gartenteam organisieren die Arbeiten auf der Gartenbaustelle. Per App laden sie Helfer zu Einsätzen ein. (Bildquelle: Laarmann)

Nicht abdrängen lassen

„Wir wollten uns möglichst nah am Ortskern ansiedeln, um für Kindergärten, die Grundschule und Senioreneinrichtungen gut ­erreichbar zu sein“, argumentiert Martin Verhoff, der Vorsitzende des Trägervereins. Der selbstständig tätige Heilpraktiker und Osteopath knüpfte den Kontakt zu einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdehaltung, der schließlich das passende Grundstück für zwölf Jahre an den Verein verpachtete. Im Frühjahr 2020 erhielt das Projekt „Gemeinschaftsgarten Wettringen“ die Zusage von Fördergeldern aus der EU zur Entwicklung des ländlichen Raumes, die sogenannte LEADER-­Förderung. 65% der geplanten Baukosten in Höhe von 135.000 € für den neuen Garten kommen aus diesem Topf. Rund 43.000 € muss der Verein selbst durch Eigenleistung und Spenden aufbringen. „Das gesamte Antragsverfahren war sehr aufwendig. Ein Architekt aus dem Ort hat uns bei der Bauplanung unterstützt. Auch die Gemeinde war hilfreich, etwa beim Grünflächenausgleich für die Bebauung“, sagt Verhoff anerkennend.

65% der geplanten Baukosten in Höhe von 135.000 € für die Gartenanlage wurden über EU-Fördermittel aus dem LEADER-Programm finanziert. (Bildquelle: Laarmann)

Barrierearm angelegt

Ein Großteil der Bausumme wurde in den vergangenen Monaten investiert. Auf dem Gelände wurde eine Kappscheune in Holzständerbauweise mit Lärchenverkleidung errichtet. „Hier wird es eine Küche, einen Versammlungsraum, WCs und einen Geräteraum geben, alles barrierearm“, berichtet Martin Verhoff. Hinter der Scheune sind die Beetparzellen der künftigen Mieter angelegt. Dazu wurde das Areal in 4 m breite, halbkreisförmig verlaufende Streifen eingeteilt und mit Beton-Kantensteinen eingefasst. Zwischen den Streifen verlaufen Wege mit wassergebundener Splittdecke. Um künftige Trockenperioden zu meistern, wurden am Rande des Geländes unterirdische Betonzisternen eingebaut. „In die Behälter leiten wir das Regenwasser von unserer Kappscheune und von der Halle des benachbarten Pferdehofes ein“, berichtet Martin Verhoff.

„Wir haben rund 1000 m2 Beetfläche an 50 Interessenten vergeben. Sie konnten sich für Parzellen zwischen 5 und 25 m2 Größe entscheiden“, berichtet Anne Hartmann. Zu den Mietern zählen Familien mit Kindern, Rentner, aber auch junge Erwachsene. Die Besonderheit: Die Mieter erhalten die Beetparzellen für jeweils eine Gartensaison kostenlos. Sie müssen nicht Mitglied im Trägerverein werden. Als Gegenleistung wird von ihnen Mithilfe bei allgemeinen Arbeiten im Garten erbeten. „An diese Bedingungen ist die Zusage der Fördergelder geknüpft“, erklärt Anne Hartmann. Die Kosten zur Unterhaltung des Geländes, vor allem für die Pacht, Strom und Wasser, will der Trägerverein über Veranstaltungen und Aktionen erwirtschaften. Neben den Mietparzellen gibt es im Dorfgarten freie Flächen für Kindergartengruppen, Schulklassen und Senioreneinrichtungen. Außerdem sind eine Kräuterspirale, ein Blumenbeet, eine Streuobstwiese, eine Kompostecke und eine Hecke mit freiwachsenden Nähr- und Schutzgehölzen für Tiere in Planung. Was die Mieter auf ihren Parzellen anbauen, bleibt ihnen überlassen. „Wir haben jedoch eine Nutzungsordnung für den Garten entwickelt, die einen Rahmen setzt“, ergänzt Anne Hartmann. Diese Ordnung verbietet beispielsweise den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Infos per App

Das elfköpfige Gartenteam des Trägervereins wirbt intensiv für den Gemeinschaftsgarten. Bereits in der Bauphase konnten sich interessierte Wettringer Bürger nützlich machen, etwa beim Verteilen des Mutterbodens in den Beeten. Der örtliche Imkerverein ist mit seinem Know-how ebenso aktiv wie der Naturschutzbund und der engagierte Gartenbau-Unternehmer, der spontan vorbeikam und sich anbot, die Erdarbeiten für die Bewässerung und die Stromleitung durchzuführen.

Mithilfe einer App vom Anbieter „Appdinx“ informiert das Gartenteam seine Interessenten über anstehende Termine und vermittelt Kontakte. Die digitale Nachrichtenbörse ist wichtig. Doch die wichtigste Plattform zum Gärtnern, Klönen und Lernen soll demnächst der Dorfgarten sein.

In lockerer Folge stellen wir „Dorfideen mit Weitblick“ vor – ein Kooperationsprojekt von Wochenblatt und Westfälischem Heimatbund, gefördert von der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und der Provinzial Versicherung.



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