Tipps zum Gestalten

Ein Garten fürs Alter

Überschaubare, pflegeleichte Anlagen – das wünschen sich viele. Für Senioren sind sie besonders wichtig. Die Gartenarchitektin Jola Teschner aus Dülmen erläutert im Interview, wie sie mit Blick aufs Alter plant.

Die Hochbeete bieten zu jeder Jahreszeit Grünes und Blühendes. Sie enthalten Zwiebelblumen, Stauden, immergrünen Pflanzen, Gräser und Kräuter (Bildquelle: Laarmann)

Frau Teschner, in Ihrer Heimatstadt Dülmen haben Sie einen Garten für zwei Bauherrinnen im Rentenalter geplant. Er wirkt klar und geradlinig. Bauen Sie durch die Struktur Barrieren ab?

Teschner: Die klare Gliederung des Gartens ist momentaner Zeitgeist und passt zum modernen Wohnhaus der Auftraggeberinnen. Hinzu kommt, dass der Garten auch von der ersten Etage des Wohnhauses gut eingesehen werden sollte. Dazu eignen sich klar strukturierte Gärten gut. Die Übersichtlichkeit hilft, sich in dem Garten zurechtzufinden, wenn beispielsweise die Sehkraft oder das Orientierungsvermögen nachlassen sollten. Hellgraue Betonplatten sind im Ra-
sen beispielsweise gut wahrzunehmen. Wichtig ist auch, die ­Farben nicht zu wechseln. Die Erfahrungen habe ich bei der Planung von Anlagen für die Gar­ten­the­rapie gemacht. Demenzkranke Menschen meiden Wege mit stark kontrast­farbigen Belägen. Dunkle Streifen in einem hellen Bodenbelag deuten sie als Senken, Kuhlen, Wasserflächen oder auch Brücken.

Jola Teschner aus Dülmen ist Gartenarchitektin. (Bildquelle: Laarmann)

Der Garten ist bis zur hinteren Grundstücksgrenze über Wege zugänglich. Warum?

Teschner: Nach meiner Erfahrung weisen viele Gärten zu wenig Wege auf. Stattdessen muss man über Rasenflächen gehen, um in bestimmte Gartenbereiche zu gelangen. Mit einem Rollator- oder Rollstuhl funk­tioniert das nicht. Deshalb plane ich gern einen Rundweg durch den Garten, möglichst ohne Sackgassen. Die Wege lege ich mindestens 1 m breit an. In dem hier vorgestellten Garten gehen die Betonplattenwege auf gleichem Höhenniveau in den Rasen über. Ebenso ist es beim Übergang zwischen Rasen und Beeten. Hier gibt es Einfassungen mit größerformatigen Steinen, aber ohne Stolperkanten. Das ist auch erforderlich, weil der Rasen vom Roboter gemäht wird.

Von oben sind die Strukturen gut erkennbar. Die halbhohen Hochbeete aus Beton-Winkelstützen gliedern die Grünfläche. (Bildquelle: Laarmann)

Sie haben die Rasenfläche durch mehrere Hochbeete aufgelockert. Was spricht dafür?

Teschner: Die fünf Hochbeete in dem Garten sind mit Winkelstützen aus Beton eingefasst. Das passt zu den geraden Linien im Garten und den Boden­platten und ist zudem langlebig und relativ kostengünstig. Wenn es um altersgerechte Gärten geht, sind Einfassungen mit rund 45 oder 80 cm Höhe möglich. Die halbhohen Einfassungen sind auf Sitzhöhe; man kann auf der Kante Platz nehmen oder etwas ablegen, wenn sie breit genug ist. Das Beet ist zu pflegen, ohne sich hinknien zu müssen. Halbhohe Einfassungen werden auch gewählt, wenn Rollstuhlfahrer an die Pflanzen herankommen sollen. Hohe Beeteinfassungen erlauben das Gärtnern im Stehen oder am Rollator hockend.

Welche Pflanzen wachsen in den Beeten?

Teschner: Das Hochbeet in direkter Hausnähe enthält Krokusse und botanische Tulpen. Sie sind zur Blütezeit im Frühjahr gut vom Haus aus zu sehen. Hinzu kommen Pflanzen mit besonderen Blattformen und Blattstrukturen. In der Mitte des Gartens stehen zwei quadratische, je 2 x 2 m große Hochbeete. Zusammen mit halbhohen immergrünen Hecken geben sie dem Gelände Struktur und gliedern es in zwei Räume, was interessanter wirkt. Diese Hochbeete wurden mit farbintensiven Halbstammrosen und begleitenden Stauden bepflanzt. Am Ende des Gartens, ganztägig von der Sonne beschienen, stehen zwei längliche, schmale Hochbeete, die hauptsächlich für Kräuter genutzt werden. Hinzu kommen Zierlauchzwiebeln, die mit ihren großen lila Blüten von weitem gut zu sehen sind.

Wo und wie haben Sie die Sitzplätze angelegt?

Teschner: Ich sehe mindestens zwei Sitzplätze in jedem Garten vor. Ein Sitzplatz sollte in Hausnähe, der anderer eher an der hausabgewandten Seite sein, vielleicht mit Blick auf das Haus. Personen mit eingeschränktem Gehvermögen verbringen viel Zeit sitzend oder liegend im Garten. Da ist es wichtig, einen interessanten Blick zu haben, sei es auf eine schöne Pflanzkulisse, auf ein Wasserspiel oder eine Landschaft. Kommunikative Menschen freuen sich über einen Sitzplatz im Vorgarten oder im Garten aber zur Straße hin, wo sie hin und wieder einen Plausch mit den Nachbarn halten können. Die Sitzplätze sind barrierefrei erreichbar. Ein fest überdachter Sitzplatz ist von Vorteil. Er befindet sich in dem hier vorgestellten Garten direkt am Haus.

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