Obsternte

Ausprobiert: Teleskop-Pflücker mit Schlauch

Hohe Obstbäume sind schwierig zu beernten. Mit einem Gerät namens Obstrutsche soll das Ernten einfacher werden. Wochenblatt-Mitarbeiter haben es getestet.

Bei einem Onlineversandhaus für Haushalts- und Reinigungsgeräte haben wir eine aufgerüstete Variante des traditionellen Obstpflückers entdeckt: die Obstrutsche. Der Pflücker steckt auf einer Teleskopstange. Die gepflückten Früchte plumpsen in einen Kunststoffschlauch und gleiten zu Boden. So gelangen die Früchte ohne Absetzen des Pflückers direkt in einen bereitstehenden Sammelbehälter. Geeignet ist das Pflücksystem für große, eher feste Früchte wie Äpfel, Birnen und Quitten.

Pflücken ohne abzusetzen ist mit der Obstrutsche möglich – wenn die Kraft in Armen und Nacken reicht. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Vier Komponenten

Die Obstrutsche setzt sich aus vier Teilen zusammen:

  • einer Teleskopstange – Wählbar sind Stangen in 11 Längen zwischen 1,7 und 16 m. Die Stangen bestehen aus mehreren Teilen, die ausgezogen und verschraubt werden.
  • einem Apfelpflücker – Sein Griff wird auf die Stange gesteckt und mit zwei Metallknöpfen fixiert.
  • einem Polyethylenschlauch – Der Schlauch mit 25 cm Durchmesser ist in passender Länge zur Teleskopstange als Meterware bestellbar.
  • einer Schlauchschelle – Sie wird benötigt, um den Schlauch am Apfelpflücker zu befestigen.

Wer eine einigermaßen lange Teleskopstange auswählt, zahlt für die Obstrutsche leicht 100 €. Hier ein Preisbeispiel: 6 m Teleskopstange = 66,78 €, Pflücker = 15,86 €, 8 m Schlauch = 10,08 €, Schlauchschelle = 2,97 €, Versandkosten = 5,95 €, Gesamtpreis: 101.64 €. Weitere Preise und Informationen sind beim Anbieter der Obstrutsche zu finden: Axis24 GmbH, Gewerbestraße 12, 46562 Voerde, www.wischmop-shop.de.

Angeln in luftiger Höhe

Wir haben die Obstrutsche im vergangenen Sommer bei der Ernte von Äpfeln und Birnen ausprobiert. Das Zusammenbauen des Gerätes gelang unseren Testpersonen gut bis befriedigend. Ein kleines Hindernis stellte der Metall-Klickverschluss dar, bei dem zwei Knöpfe nach außen gedrückt werden müssen, um den Pflücker auf der Teleskopstange zu fixieren. Nach ein paar Versuchen war klar, wie das funktioniert.

Die Vertriebsfirma des Gerätes hatte uns eine 12 m lange Teleskopstange samt Folienschlauch zur Verfügung gestellt. Damit ließen sich Früchte aus hohen Baumwipfeln angeln. Feste Früchte nehmen bei der Rutschpartie keinen Schaden. Sind sie jedoch weicher, sollte man Kollisionen vermeiden. Das klappt, wenn man zu zweit erntet: Eine Person pflückt, die andere lenkt die Früchte im Schlauch so, dass sie nicht zusammenprallen.

Das Schlauchende legt man in einen Korb oder Eimer und leert die Ernte direkt aus. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Es ist anstrengend, die stabile Stange hochzuheben. Sie ist zusätzlich durch ein Innenrohr verstärkt und wiegt bei 12 m Länge 2,7 kg. Nur wer kräftig ist, kann sie lange halten. Bei 8 m Stangenlänge verringert sich das Gewicht auf 2 kg, bei 6 m auf 1,6 kg.

Da man mit der Teleskopstange jede einzelne Frucht vom Boden aus anpeilen muss, wird der Nacken überstreckt. Unsere Testpersonen waren verspannt, nachdem sie den ersten Eimer Birnen gepflückt hatten. Früchte, die tiefer im Geäst hängen, sind schwer zu erreichen. Das gilt aber für alle Obstpflücker, ob mit Beutel oder Schlauch.

Fazit: Bedingt hilfreich

Die Stange sollte nicht zu lang gewählt werden, sonst wird sie zu schwer und das Manövrieren wird zum Balanceakt. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Die Obstrutsche ist nützlich, um große, feste Früchte zu ernten. Außen am Baum hängende Früchte sind einfach zu pflücken. Unseren Testpersonen war es aber zu anstrengend, einen gesamten Baum mit dem Gerät abzuernten. Sie sehen den langstieligen Sammler als Ergänzung zum herkömmlichen Pflücken mit Leiter oder Hubsteiger und Eimer. Die Teleskopstange sollte nicht zu lang gewählt werden, damit sie gut zu halten ist. Die Stangenlänge von 12 m erschien unseren Testpersonen überdimensioniert. Die Teleskopstange ist übrigens nicht nur fürs Obstpflücken zu nutzen. Die Vertriebsfirma bietet weitere Aufsätze dafür an, etwa eine Astsäge, einen Fensterputzer und einen Dachrinnenreiniger.