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Forstlicher Betriebsvergleich Westfalen-Lippe

Gewinne wie vor 50 Jahren

Häufige Schadereignisse schmälern die Erträge aus dem Holzverkauf. Kaufkraftbereinigt sind die Gewinne aktuell auf dem Niveau von 1969. Perspektivisch brauchen die Forstbetriebe darum zusätzliche Produkte.

Bisher sicherte die Fichte den Gewinn der Forstbetriebe. Windwurf und Schädlinge sorgen aber für einen Preisverfall und weniger Ertrag.

Die Situation der Forstbetriebe in Nordrhein-Westfalen ist derzeit alles andere als rosig – so ein Ergebnis des forstlichen Betriebsvergleichs. Bei der Käferholzvermarktung verdienen die Waldbesitzer weniger Geld. „Schadfreie“ Forstbetriebe lassen die Holzernte ruhen, weil der überlastete Holzmarkt nur niedrige Preise verspricht. Neben der Fichte leiden auch die anderen Wirtschaftsbaumarten unter dem anhaltenden Wassermangel. Für langfristigen, finanziellen Erfolg müssen möglicherweise neue Produkte her. Welche das sein könnten, war ein Thema bei der Ergebnisvorstellung des diesjährigen forstlichen Betriebsvergleichs Westfalen-Lippe in Werl am Mittwoch vergangener Woche.

Zu oft sind Holznutzungen Folge eines Schadereignisses

Die Erträge aus der Holzvermarktung gehen deutlich zurück. Grund ist das enorme Überangebot von Laub- und Nadelholz infolge des vielfältigen Schädlingsbefalls.

„Der Wald befindet sich im Klimastress“, Eberhard Freiherr von Wrede, Leiter des Forstlichen Betriebsvergleichs Westfalen-Lippe.

Betriebswirtschaftlich geht es der Forstwirtschaft nicht gut, sagte Dr. Rainer Joosten, Referatsleiter im NRW-Umweltministerium. Inflationsbereinigt entspräche ein Überschuss von 100 €/ha im Jahr 1969 (Ausgangswert im Fichtenring) heute etwa 360 €/ha. Tatsächlich lag der Wert 2016 bei etwa 100 €/ha. „Die Ertragskraft der Fichtenbetriebe ist im Durchschnitt um 75 % gesunken“, erklärte Joosten.

Deckungsbeiträge wie vor einem halben Jahrhundert

Die aktuellen Ergebnisse aus den Fichten-, Laubholz- und Kiefernringen spiegeln das wider. Der Anteil außerplanmäßiger Nutzungen infolge von Sturm oder Käferfraß steigt. In den Jahren von 1985 bis 2018 fielen in den Betrieben des Fichtenrings im Mittel 40 % Schadholz an – in den Betrieben des Laubholzrings 35 %, in denen des Kiefernrings 20 %, präsentierte Prof. Dr. Bernhard Möhring, Leiter der Abteilung Forstökonomie der Universität Göttingen. Mit etwa 40 €/fm (Tendenz sinkend) hat sich der Deckungsbeitrag seit Beginn des Betriebsvergleichs 1969 nur um etwa 15 € erhöht.

Waldarbeit im Wandel

In den zurückliegenden 50 Jahren hat höhere Produktivität der Forstwirtschaft die Ertragslage der Betriebe grundsätzlich verbessert: 1969 waren zur Bewirtschaftung von 1 ha Wald durchschnittlich 14 Arbeitsstunden nötig – heute sind es lediglich 2 Arbeitsstunden.

Gratulierten zum 50. Geburtstag des forstlichen Betriebsvergleichs: Eberhard Freiherr von Wrede (Leiter des forstlichen Betriebsvergleichs Westfalen-Lippe), Dr. Rainer Joosten (Referatsleiter im NRW-Umweltministerium), Franz Püttmann (Abteilungsleiter "Privatwald" bei Wald und Holz NRW), Prof. Dr. Bernhard Möhring (Leiter des Instituts für Forstökonomie an der Universität Göttingen), Dr. Philipp Freiherr Heereman (Präsident des Waldbauernverbandes NRW) und Heiner Heile (Wald und Holz NRW).

Betriebsvergleich seit 1969
Der forstliche Betriebsvergleich Westfalen-Lippe feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Damit ist es die bundesweit längste Zeitreihe dieser Art. Die Ergebnisse des forstlichen Betriebsvergleichs fließen im Rahmen des Testbetriebsnetzes in die Bundesstatistik ein. Initiator des Betriebsvergleichs ist Prof. Dr. Horst Dieter Brabänder. Der ehemalige Leiter des Instituts für Forstökonomie der Universität Göttingen war von 1967-1969 Referent für forstliche Betriebswirtschaft an der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe.