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Wisenteprojekt im Wittgensteiner Land

Zwei junge Landwirte sind nun Wisent-Ranger

Der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein hat Henrik Brinkschulte und Henrik Trapp als Ranger eingestellt. Der Vorsitzende Bernd Fuhrmann betrachtet den ausgehandelten Kompromiss des NRW-Umweltministeriums mit gemischten Gefühlen.

Die Ranger Henrik Brinkschulte und Henrik Trapp und die Biologin Kaja Heising betreuen die Wisente am Rothaarsteig bei Bad Berleburg.

Der Verein Wisent-Welt-Wittgenstein, der am Rothaarsteig bei Bad Berleburg ein Wisentgehege betreibt und 2013 eine Herde in die Wälder freigesetzt hat, hält unbeirrt an seinen Plänen fest und will das „einzigartige Artenschutzprojekt in Europa“ zum Erfolg führen. Der Vorsitzende Bernd Fuhrmann stellte nun die zwei vom Trägerverein neu eingestellten Wisent-Ranger vor: Henrik Brinkschulte, 21, aus Bad Berleburg-Wingeshausen hat am 1. Juli seinen Job angetreten, Henrik Trapp, 23, aus Bad Berleburg-Christianseck am 1. August. Der ehemalige Ranger Jochen Born ist aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden.

Mehr als 60 Bewerbungen

Brinkschulte hat Landwirtschaft gelernt, Trapp bewirtschaftet einen Nebenerwerbsbetrieb unter anderem mit Fleischrindern. Beide sind handwerklich geschickt und haben sich gegen mehr als 60 Frauen und Männer im Bewerbungsverfahren durchgesetzt. „Das große Interesse an den Stellen hat uns gezeigt“, so Fuhrmann, „wie renommiert das Wisent-Projekt inzwischen ist und wie stark es in der Region und darüber hinaus verwurzelt ist.“

Die neuen Ranger sollen sich um die zehn Tiere im 20 ha großen Wisentgehege sowie auch um die freilaufende Herde kümmern. Sie ist inzwischen auf etwa 22 bis 23 Tiere gewachsen und stromert durch die öffentlichen Wälder des Landes NRW und die privaten Wälder der Bauern sowie der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer.

Die Waldbauern im Raum Schmallenberg wehren sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen das Schälen ihrer Buchen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat Mitte Juli festgestellt, dass die freilaufende Herde "nicht herrenlos" ist und weiter dem Trägerverein gehört. Die Wisente dürfen zunächst zwar weiter frei umherziehen. Doch das Oberlandesgericht Hamm muss in einem weiteren Verfahren klären, so der BGH, ob die Grundstücke der Waldbauern (Kläger) während der Freisetzungphase eventuell unzumutbar beeinträchtigt werden (siehe Folge 30/2019).

Das Land finanziert die Ranger-Stellen

Mit den zwei Rangern will der Trägerverein die Rentkammer entlasten. Sie hat bisher zahlreiche Arbeiten für den Verein ausgeführt, etwa die Wisente im Gehege und die Herde im Winter gefüttert. Der Zaun muss repariert, Besuchergruppen müssen geführt werden. Das Land NRW finanziert beide Stellen vorerst bis Ende 2020. Fuhrmann geht aber davon aus, dass der Verein die Ranger dauerhaft fest beschäftigen wird.

Das oberhalb von Bad Berleburg gelegene Gehege zieht inzwischen viele Touristen aus nah und fern an. Erwachsene zahlen für den 600 m langen Rundweg ums Gehege 5,50 € Eintritt, bekommen jedoch eine weitere Freikarte, sofern sie beim Spaziergang die Wisente im Wald oder dichten Gebüsch nicht entdecken.

Die Biologin Kaja Heising betreut und koordiniert wissenschaftlich das Wisent-Projekt. Sie wies darauf hin, dass etwa zwei Drittel der freilaufenden Herde in Freiheit geboren wurde. Das Fluchtverhalten der Tiere habe zugenommen. Doch es gebe auch Probleme. Zum Beispiel, wie man die überschüssigen Jungbullen entnehmen kann und wohin damit. Leitbulle Egnar deckt bereits seine Töchter. Doch Inzucht bei wildlebenden Tieren sei keine Seltenheit, sagte Heising: „Der Wisent gehört zu den streng geschützten Arten. Wir benötigen für eine letale Entnahme, sprich Abschuss, jeweils eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.“

Um dem erbitterten Streit mit den Sauerländer Waldbauern beizulegen, hatte sich die Koordinierungsgruppe Ende März 2019 auf einen Kompromiss verständigt. Danach soll sich die freilaufende Herde in den nächsten drei bis fünf Jahren in einem neu abgegrenzten Projektgebiet (1500 ha) im NRW-Staatswald aufhalten.

Berleburg steht zum Kompromiss

Dafür jedoch muss ein neues Gatter her. Wie soll der Zaun beschaffen sein? Wer stellt ihn auf und was kostet das ganze Aktion? Dazu gab sich Fuhrmann wortkarg. Der Bürgermeister von Bad Berleburg sinngemäß: "Wir stehen zu dem Kompromiss. Alle Fragen zur Umsetzung und den Kosten muss das Düsseldorfer Umweltministerium beantworten. Wir warten ab, was nach den drei Jahren herauskommt. Unser Ziel bleibt aber klar: Das Artenschutzprojekt macht für uns nur Sinn, wenn sich die Wisente in den Wäldern weiter frei bewegen können."