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Münsterland: „Die B 64n wird gebaut“

Trotz massiver Bürgerproteste sieht Straßen NRW wenig Verhandlungsspielraum: Die Bundesstraßen 51 und 64n sollen abschnittsweise aus- und umgebaut werden. Vier Planfeststellungsverfahren sind ab 2020/21 geplant.

Die geplante B 64n laut Bundes­verkehrswegeplan 2030.

Der geplante Aus- und Neubau der Bundesstraßen 51 und 64n bewegt seit Jahren die Bürger und Bauern im östlichen Münsterland. Doch trotz der massiven Proteste sieht der Landesbetrieb Straßen NRW derzeit keinen Grund, von der Planung abzurücken. „Der Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht den Ausbau vor. Das Projekt ist in den vordringlichen Bedarf eingestuft und wird die Oberzentren Münster und Bielefeld besser verbinden“, betonte Dirk Griepenburg, Regionalleiter von Straßen NRW im Münsterland/Ruhr, auf einem Pressegespräch am 12. April im Warendorfer Kreishaus.

Laut Straßen NRW wird die Strecke Münster–Telgte (B 51) vierspurig ausgebaut. Anschließend folgt die B 64n mit den Ortsumfahrungen für Warendorf, Beelen und Herzebrock-Clarholz im Zwei-plus-eins-Verfahren, wobei auf etwa 40 % der Strecke (zwei Fahrbahnen) Überholungen möglich sind.

Planverfahren ab Ende 2020

Straßen NRW plant vier Planfeststellungsverfahren für die West-Ost-Verbindung, die unter dem Kurznamen „Projekt 4zu1“ zusammengefasst ist. Die beiden ersten Planverfahren sollen ab Ende 2020/Anfang 2021 für die Ortsumgehungen Warendorf und Herzebrock-Clarholz eingeleitet werden. Dafür benötigt Straßen NRW noch einige Gutachten, zum Beispiel zur Verkehrsbelastung und den Eingriff in Natur und Landschaft (in Beelen zum Beispiel ist ein FFH-Gebiet betroffen). Dagegen sind die Verfahren zur Linienführung der Ortsumgehungen bereits vor Jahren abgeschlossen worden.

Werden 600 ha benötigt?

Wie viel Fläche büßen die Landwirte in den Kreisen Warendorf und Gütersloh ein? Derzeit gehen die Planer davon aus, dass man für die Ortsumfahrung von Warendorf 110 ha benötigt. Die von den Landwirten bezifferten 600 ha für das Gesamtprojekt bezeichnete Griepenburg als reine Spekulation. Ebenfalls umstritten ist die Frage, ob die B 64n in der jetzt geplanten Größe wirklich benötigt wird oder ob das Konzept der Bürgerinitiative „Verkehrskonzept Warendorf“ nicht doch die bessere Alternative ist.

Etwa 80 Bürger, darunter viele Landwirte, protestierten vor dem ­Warendorfer ­Kreishaus. Am Presse­gespräch teilnehmen durften sie nicht.

Doch auf eine grundsätzliche Debatte wollen sich die Vertreter von Straßen NRW gegenwärtig nicht mehr einlassen. Auch der Ratsbeschluss der Gemeinde Beelen gegen die B 64n hat nach Worten von Griepenburg kaum Einfluss auf die weitere Umsetzung der Planung. „Es geht hier um eine überregionale Schnellstraße. Da kann nicht jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen kochen“, so der Straßenplaner auf Nachfrage sinngemäß.

Es geht hier um eine überregionale Schnellstraße. Da kann nicht jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen kochen." Dirk Griepenburg, Regionalleiter Straßen NRW Münsterland/Ruhr

Dialogbüro beauftragt

Straßen NRW will die Bürger in den Kreisen Warendorf und Gütersloh in den nächsten Monaten umfassend über den Planungsstand informieren und Beteiligungsmöglichkeiten ausloten. Für diesen Zweck hat Straßen NRW die Gesellschaft Dialogbasis engagiert. Deren Leiterin, Dr. Antje Grobe, will mit den lokalen Politikern, den Verwaltungen, Bürgerinitiativen, Grundeigentümern und Anliegern Gespräche führen. „Wir wissen, dass einzelne Landwirte wegen der Flächenverluste um ihre Existenzen bangen. Wir sehen uns jeden Einzelfall an und werden versuchen, gemeinsam vernünftige Lösungen zu finden.“

Doch auch bei diesem Dialogprozess, daran ließ Dirk Griepenburg im Warendorfer Kreishaus nicht den geringsten Zweifel, könne es nicht darum gehen, das gesamte Straßenbauprojekt infrage zu stellen. „Wir müssen die Bundesstraßen 51 und die Ortsumfahrungen für die B 64n planen und bauen. Das ist der gesetzliche Auftrag. Gleichwohl wollen wir versuchen, die Interessen aller Betroffenen unter einen Hut zu bekommen.“

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