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Wenn Landwirte den Beruf wechseln

Eheleute Kokemoor: Hof verpachtet, Geschäft aufgebaut

Gisela und Helmut Kokemoor aus Rahden-Varel haben 2008 ihre letzten Flächen und Ställe verpachtet. Ihre Firma „EM-Rako“ vertreibt Produkte, die abseits von Chemie und Medizin die Tiergesundheit insbesondere in Schweine- und Geflügelställen fördern.

Gisela und Helmut Kokemoor. Hinten ihr imposantes Holzhaus mit Büro und abgeschlossener Altenteilerwohnung.

Im „zarten Alter“ von 48 Jahren wagte Helmut Kokemoor noch einmal den Sprung ins kalte Wasser. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela gründete er die Firma „EM-Rako“. Seit nunmehr 15 Jahren vertreiben die Eheleute erfolgreich Mikroorganismen unter anderem an Landwirte, die mit Gesundheitsproblemen in ihren Geflügel- und Schweineställen kämpfen. „Wir waren von der Geschäftsidee überzeugt. Sonst hätten wir die Finger davon gelassen“, sagt der Landwirt.

Großer Hof mit Eigenjagd

Mit gerade einmal 20 Jahren (1974) hatte Kokemoor den stattlichen Hof in Rahden-Varel von seinem Vater Hermann gepachtet. Er umfasste 80 ha Acker- und Grünland plus Wald und Eigenjagd. 1978 gab der Jungbauer die Milchkuhhaltung auf, setzte auf Schweinehaltung und Bullenmast. Doch neben den schönen Erfolgen in den Ställen musste die Familie häufig auch Rückschläge durch Krankheiten und Verluste verkraften.

Ab 1992/93 zog Kokemoor zum Beispiel Jungsauen für die Deutsche Pig auf. Etwa ein Jahr später konnte er einen Nachbarhof pachten und seine Sauenzucht bis auf 280 Plätze ausweiten. Mit dem Pachtstall kam er auf über 1700 Mastplätze. Zur damaligen Zeit eine beachtliche Größe in seinem Heimatkreis Minden-Lübbecke, der von kleinen und mittleren Höfen geprägt ist.

Doch mit den steigenden Tierzahlen auf dem Betrieb wuchs auch der Einsatz an Medikamenten in seinen Ställen. Damals lernten die Eheleute Dr. Dieter Mischok kennen. Der Tierarzt schaute sich in Ruhe ihre Ställe an, machte Vorschläge zur besseren Hygiene und Optimierung der Fütterung. Helmut Kokemoor: „Dr. Mischok lehnte es ab, alternativlos und sofort Bestandsprobleme mit Antibiotika zu behandeln. Das hat uns stark beeindruckt, ja fasziniert.“

Der Fachmann empfahl den Kokemoors unter anderem, sogenannte Effektive Mikroorganismen, kurz „EM“, an die Sauen und Mastschweine zu verfüttern, da er sich mit dieser Alternativprophylaxe schon länger beschäftigt und auch mehrere wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema der sogenannten „competitive exclusion“ (=Ausschluss), nämlich von Schadbakterien, durch „Wettbewerb“ im Darmtrakt begleitet hatte.

Technologie aus Japan

Die EM-Technologie hat Prof. Dr. Teruo Higa in Japan entwickelt. Die EM-Produkte bestehen aus Milchsäurebakterien, Hefekulturen und Photosynthesekulturen und sollen den Stoffwechsel im Darm der Tiere positiv beeinflussen. Kokemoor: „Die Mikroorganismen unterdrücken die krankheits- und fäulniserregenden Mikroorganismen im Verdauungstrakt und beugen so Durchfall und anderen Krankheiten, quasi wie ein ,Schutzschirm‘, vor. Die Tiere sind in ihrer Krankheitsabwehr gestärkt, wirken gesund, wachsen besser und gleichmäßiger.“

Von 2002 bis 2008 setzten die Kokemoors die Mikroorganismen in ihren Ställen ein und erzielten gute Ergebnisse. Weil sie von der Wirksamkeit der Futterzusatzstoffe überzeugt waren und zu jener Zeit mangels Hofnachfolger keinen neuen Stall mehr bauen wollten, gründeten die Eheleute zum 1. Juli 2003 eine eigene Vertriebsfirma, die EM-Rako GmbH & Co. KG. „Wir können von unseren Geschäften mittlerweile gut leben“, verrät Gisela Kokemoor.

Die Ehe der Geschäftsleute ist kinderlos geblieben. Heute haben sie ihr Leben so organisiert:Seit 2008 haben die Eheleute alle Flächen und ihre Schweine­ställe verpachtet. Den Pachtbetrieb haben sie 2004 zurückgegeben.

Weil die alten Hofgebäude marode waren, hat sich die Familie 2007 ein großes, schickes Holzhaus auf der Hofstelle im Außenbereich errichtet. Darin integriert sind ein Büro und eine abgeschlossene Altenteilerwohnung. Helmuts Vater, Hermann Kokemoor, ist 2016 mit 102 Jahren verstorben.

Kokemoor ist als Fachberater häufig auf Achse. Er besucht Landwirte, die Gesundheitsprobleme in ihren Ställen haben und/oder ihre Tierhaltung optimieren wollen. Die GmbH beschäftigt drei feste Mitarbeiter(innen) und eine Halbtagskraft fürs Büro.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 50/2018.