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Afrikanische Schweinepest

Die ASP ernst nehmen

Warum die Afrikanische Schweinepest gerade für veredlungsintensive ­Regionen gefährlich ist und wie das Handy bei der Vorsorge helfen kann - ein Interview mit Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken.

Noch Vision, bald Standard? Eine App fürs Handy, mit der man überquellende Mülltonnen samt GPS-Daten direkt an die zuständige Autobahnmeisterei meldet.

Herr Dr. Zwicker, im Vergleich zur Klassischen Schweinepest sind die Kreise und Kommunen bei der ASP deutlich mehr gefordert. Warum?

Seit 2009 ist Dr. Kai Zwicker Landrat des Kreises Borken.
Zwicker: Die Maßnahmen gegen die ASP bei Wildschweinen betreffen nicht nur Schweinehalter, sondern auch Wald- und Ackerbauern sowie Jäger. Tourismus, Erholung und Freizeit können eingeschränkt werden. Damit sind alle Ebenen der regionalen Verwaltung und Politik gefordert. Die Vorschriften müssen angeordnet, umgesetzt und den Betroffenen vermittelt werden. Viele Maßnahmen erfolgen auf der Veterinärebene. Die Münsterlandkreise arbeiten dabei sehr gut zusammen.

Mit der Wildtierseuchenvorsorge- Gesellschaft (WSVG) hat die Landwirtschaft selbst eine Institution gegründet, die einen Teil dieser Aufgaben erledigt.

Die WSVG nimmt den Kreisen, Städten und Gemeinden viele Aufgaben ab, beispielsweise die Beschilderung der Zonen, das Aufspüren von Wildschweinkadavern, die Investition in Zäune. Doch die „Geburtswehen“ haben sich gezogen. Die Gründung sollte aus formalrechtlichen Gründen erst 2020 erfolgen. Doch unsere Bürgermeister und auch wir Landräte brauchten Antworten. Angesichts der drohenden ASP konnten wir die Vorbereitung nicht ein Jahr lang in der Schwebe lassen und in Übergangslösungen investieren!

Das Problem habe ich auf der Land­rätekonferenz und mit Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen Esser deutlich angesprochen. Mit ihrer Unterstützung ist die Gründung ein Jahr früher gelungen.

Nun ist das Westmünsterland nicht gerade eine Hochburg der Wildschweine. Ist das Problem überhaupt so drängend?

Es gibt hier im Gegensatz zur Eifel wenig Wildschweine, aber viele Hausschweine – das veredlungsintensive Münsterland hat im Seuchenfall besondere Probleme. Landwirte, Tierärzte und ihre Verbände müssen sich Gedanken machen, wie im Seuchenfall die riesige Anzahl an Untersuchungen bewerkstelligt werden kann.

Die Vermarkter müssen den Absatz der untersuchten Tiere sicherstellen. Wenn Ferkel und Mastschweine sich in den Ställen stauen, hat die Landwirtschaft ein massives Problem, das die Kreise nicht lösen können. Die Keulung der gesunden Hausschweinebestände in Belgien war für uns ein Alarmsignal.

Wie realistisch ist die Forderung nach wildschweinfreien Gebieten, die Ihr Chefveterinär aufgestellt hat?

Klar ist für mich: Wir müssen die Wildschweinebestände in unserer Veredlungsregion regulieren. Deshalb engagiere ich mich für grenzüberschreitende Drückjagden mit den Niederländern. Engagement und Zusammenarbeit der Landwirte und Jäger sind im Kreis Borken gut.

Rast- und Parkplätze, wo viele Essensreste entsorgt werden, sind ein Magnet für Wildschweine. Was muss sich dort noch verbessern?

Autobahnparkplätze sind neuralgische Punkte für den gefährlichen Kontakt von osteuropäischem Reiseproviant und heimischen Wildschweinen. Deshalb müssen Zäune vorhanden und absolut intakt sein. Das wird vom Landesbetrieb Straßen.NRW überprüft. Wer Defizite beobachtet, sollte das der zuständigen Autobahnmeisterei melden. Doch ist es umständlich, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Wesentlich einfacher, schneller und direkter wäre eine App fürs Handy, mit der man überfüllte Abfalleimer oder defekte Zäune samt GPS-Standort automatisch an die richtige Stelle meldet.