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Trockene Wahrheiten

Matthias Schulze Steinmann, Chefredakteur.

Das Schreckgespenst einer neuen Dürre geistert umher: In den tieferen Bodenschichten fehlt Wasser, die Niederschläge im Winter konnten das enorme Defizit noch nicht ausgleichen. Doch statt Panik sind jetzt langfristige Strategien gefragt - von den Landwirten ebenso wie von der Politik.

Viel Sonne, hohe Temperaturen, kein Regen: Was für den einen das perfekte Osterwetter ist, lässt die Landwirte schon wieder gespannt auf die Wetterprognose blicken. Einige Talsperren und Flussläufe mögen wieder halbwegs ansehnlich gefüllt sein. Die Böden sind dagegen zu trocken. Viel zu trocken. Immer noch.

In den tieferen Bodenschichten fehlt deutschlandweit das Wasser, weil die Niederschläge im Winter das enorme Defizit noch immer nicht ausgleichen konnten. Auch das sommerliche Osterwetter trägt nicht unbedingt zur Entspannung bei. Im Nordosten ist im Monat April noch so gut wie überhaupt kein Regen gefallen. Die Waldbrandgefahr steigt. Meteorologen warnen für Teile Deutschlands vor Sandstürmen.

Wenn jetzt die ersten Wetterexperten das Schreckgespenst einer neuen Dürre an die Wand malen, sollte das angesichts der unsicheren Prognosen noch niemanden in Panik versetzen. Und doch dürfte jedem Landwirt angesichts der Ereignisse des vergangenen Jahres klar geworden sein, auf wen er im Falle eines zweiten „Jahrhundertsommers“ in den kommenden Jahren setzen sollte: Vor allem auf sich selbst.

Kein Blankoscheck für die Zukunft

Um deutlich zu machen, dass die Dürrehilfen für die Landwirte eine außergewöhnliche Maßnahme in einem außergewöhnlichen Jahr waren, verweist Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nur allzu gerne auf Bittstellerbriefe aus anderen Branchen. Bei Regen schrieben die Biergartenbetreiber, bei Trockenheit die Binnenschiffer. Ein Blankoscheck für die Zukunft sieht anders aus.

Die Hilfen mögen ein richtiges Signal in einer Ausnahmesituation gewesen sein. In der Öffentlichkeit hat sich damit aber auch das Bild einer Branche eingebrannt, die in guten Jahren Beinfreiheit für Unternehmertum einfordert und in schlechten nach dem Staat ruft. Die oft zitierte „Milliarde für die Bauern“ war stärker in der öffentlichen Debatte präsent, als dass sie jemals auf den Höfen angekommen wäre. Übrig blieb gerade einmal ein Drittel des Betrages. Und: Viele Betriebe in Nordrhein-Westfalen haben selbst davon, aufgrund des bürokratischen Hickhacks, noch keinen Cent gesehen.

Langfristige Strategien gefragt

Zur trockenen Wahrheit gehört, dass es die Landwirte wieder einmal selbst richten müssen. Anpassungsstrategien an den Klimawandel gehören inzwischen zum Einmaleins jedes Betriebsleiters. Sei es durch weitere Fruchtfolgen, widerstandsfähige Sorten, wassersparende Bodenbearbeitung – oder das Abfedern von Produktionsrisiken durch die Nutzung von Terminbörsen und Ernteversicherungen.

Statt einmaliger Schnellschüsse sollte Politik dieses Handeln langfristig begleiten, durch kluge Anreize, Geld für Forschung und Beratung sowie Anschubhilfe für Versicherungslösungen, wo marktwirtschaftliche Systeme versagen. Die Rechnung ist dabei denkbar einfach: Die beste Antwort auf die zunehmenden Wetterextreme bleiben gesunde Betriebe, die getreu dem Motto: „Eine Ernte auf dem Halm, eine im Lager, eine auf der Bank“ in guten Jahren Rücklagen für schlechte Zeiten bilden können.

Düsseldorf, Berlin und Brüssel können das Wetter so wenig bestimmen wie die chinesische Nachfrage nach Schweinefleisch. Sie können den Betrieben aber sehr wohl faire Rahmenbedingungen ermöglichen, bei denen die erforderlichen Einkommensrücklagen entstehen können. Es wäre mal wieder Zeit für ein gutes Jahr.