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Kommentar

Die Dürre zerrt an den Nerven

Vier Wochen fast ohne Regen, außergewöhnlich hohe Temperaturen, eine intensive Sonneneinstrahlung und ein häufig starker Ostwind haben Westfalen regelrecht austrocknen lassen. Die Folgen der Dürre beschäftigen die Landwirte im ganzen Land.

Die anhaltende Trockenheit nimmt inzwischen in einigen Regionen Westfalens dramatische Ausmaße an. Vier Wochen fast ohne Regen, außergewöhnlich hohe Temperaturen, dazu eine intensive Sonneneinstrahlung haben zusammen mit dem häufig starken Ostwind die Landschaft regelrecht trocken geblasen. Nach hohen Tagesverdunstungsraten von bis zu 8 mm sind besonders die leichten Böden staubtrocken.

Die Folgen der Dürre beschäftigen die Landwirte landesweit. Die ersten Mähdrescher fuhren schon Ende Juni in die Wintergerste, die Winterrapsernte ist im Münsterland im vollen Gange und selbst erste Weizenfelder sind gemäht. Die Erträge sind stellenweise ernüchternd niedrig ausgefallen, es fehlen häufig 10 bis 15 dt/ha.

Die Freude der Grünlandbewirtschafter über den sehr guten ersten Schnitt ist mittlerweile großer Sorge gewichen. Die Folgeschnitte waren fast Totalausfälle. Es tun sich große Futterlücken auf. Auch die Kartoffelbauern kommen nicht ungeschoren davon. Neben den zu befürchtenden Ertragseinbußen zeigen einige Partien wegen der Hitze in den Dämmen Durch- und Zwiewuchs.

Selbst der Mais, der als C4-Pflanze intensive Strahlung gut verträgt, dreht auf sehr leichten Standorten inzwischen die Blätter wie Porree zusammen. Wenn die Trockenheit weiter anhält, ist zu befürchten, dass die Pflanzen auf manchen Flächen keine Kolben ansetzen.

Was ist zu tun? Kurzfristig geht es für Milchviehhalter und Rindermäster darum, die drohende Futterlücke zu schließen. Welsches Weidelgras oder Zwischenfrüchte wie Raps können, ausreichend Regen vorausgesetzt, im Herbst noch einiges an Futter liefern. Die nun durch das Land erfolgte Freigabe der Aufwüchse von ökologischen Vorrangflächen für die Futternutzung lässt sich dagegen nur als ein politisches Symbol deuten. Die zu erwartenden Futterqualitäten sind zu mager und helfen besorgten Milchviehhaltern bei keinem ihrer Probleme.

Es sieht danach aus, dass Frühjahrs- und Sommertrockenheit sich zum Dauerbegleiter für die Landwirte in NRW entwickeln. Mittel- und langfristig besteht die Kunst des Pflanzenbaus darin, sich darauf einzustellen. Dabei geht es zuallererst darum, den Pflanzen den größtmöglichen Wurzelraum anzubieten. Roggenwurzeln z. B. dringen bis zu 2,50 m tief in die Erde ein, wenn Schadverdichtungen sie nicht daran hindern. Eine andere Möglichkeit, Trockenschäden zu verringern, besteht darin, frühreifere Getreidesorten anzubauen. Sie reagieren auf Dürre weniger dramatisch.

Aber eins ist klar: Die beste Maßnahme gegen Dürre ist nach wie vor ein ergiebiger Landregen.